"Via Nova": Neues Schulhaus am Schütterberg

Mitarbeiter und Helfer vor dem neuen Zuhause (v.li.): Hubert Schumacher, Hinne Hofmann, Meik Dumath, Norma Scharfe, Manfred Schöppe, Marion Thiel, Christina Rickert, Ingo Johannsen und Paul Loth. Foto: Götz
Mitarbeiter und Helfer vor dem neuen Zuhause (v.li.): Hubert Schumacher, Hinne Hofmann, Meik Dumath, Norma Scharfe, Manfred Schöppe, Marion Thiel, Christina Rickert, Ingo Johannsen und Paul Loth. Foto: Götz

In der Sihistraße war "Via Nova" nicht erwünscht. Jetzt hat die Jugendhilfe-Einrichtung ein Haus am Schütterberg gefunden.

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04. August 2009, 09:53 Uhr

Itzehoe | Schräge Biografie, abgebrochene Schullaufbahn, Konfrontationskurs schon in der 1. Klasse - "Kinder haben sich ver ändert", weiß Marion Thiel, Geschäftsführerin der Jugendhilfeeinrichtung "Via Nova". Was oft in der Schule beginnt, hat weitreichende Folgen. "Wenn sie sich in der Schule nicht aufgehoben fühlen, verweigern sie sich, fallen aus dem sozialen Bereich heraus, Druck entsteht", beschreibt Thiel.

Diesen Teufelskreis will "Via Nova" mit seiner schulischen Fördermaßnahme durchbrechen. "Wir bieten eine andere Form des Lernens, wo sich die Kinder nicht als gescheitert erleben", erklärt Norma Scharfe, Leiterin der heilpädagogischen Schulförderung. Die Kinder werden gezielt ans Lernen heran geführt, sollen von Anfang an das Gefühl haben "Hier geht was, hier kann ich mitmachen". Das bedeutet auch, dass die Kinder individuell angesprochen werden. "Man darf nicht pauschalisieren, dann fühlen sie sich missachtet", weiß Thiel.

Das Konzept geht auf, die Schule wächst - 14 Schüler sind für das kommende Schuljahr bereits gemeldet, neun für die Gruppe in Itzehoe, fünf in Hademarschen. In der Talstraße 5, wo die "Via Nova"-Schule zweieinhalb Jahre lang untergebracht war, wurde es zu eng. Zwar war schnell ein neues Haus mit großem Garten in der Sihistraße gefunden - doch anders als in der Talstraße, wo ein freundschaftliches Verhältnis zu den Nachbarn herrschte, war die Jugendhilfeeinrichtung dort nicht willkommen. Nachbarn liefen Sturm. Der Umzug platzte, statt dessen wurde ein Not-Quartier im Umland bezogen.

Doch zum neuen Schuljahr können die Kinder und Jugendlichen im Alter von elf bis 18 Jahren wieder nach Itzehoe kommen. "Via Nova" zieht in ein großes Haus am Schütterberg. "Hier gab es noch keine Anfeindungen, alle Nachbarn waren freundlich zu uns", freut sich Norma Scharfe.

Bis der etwas andere Unterricht beginnen kann, ist allerdings noch viel zu tun. Das Haus stand lange leer. Doch nicht nur die Mitarbeiter opfern ihre Ferien und packen mit an, sondern auch viele Helfer, zum Beispiel vom Förderverein.

"Mit viel Farbe und Pflanzen wollen wir es hier schön machen und Leben reinbringen", sagt die Geschäftsführerin. Vor ihrem geistigen Auge sieht sie die neue Schule mit den großen Räumen schon strahlen: Neben "normalen" Klassenräumen bietet ein Entspannungsraum die Möglichkeit zur Körperwahrnehmung, es gibt eine Holzwerkstatt, in der zum Beispiel bunte Vogelhäuschen entstehen werden. In der Mofa- und Fahrradwerkstatt - jetzt sogar mit praktischem Rolltor - werden gespendete Zweiräder wieder flott gemacht. Und im Obergeschoss ist sogar noch Platz für eine Akademie. "Wir haben so viel Wissen - von ADHS bis Legasthenie. Das wollen wir weitergeben und zum Beispiel Elternschulungen anbieten", erklärt Thiel.

Um alles verwirklichen zu können, ist "Via Nova" auf Spenden angewiesen. "Ohne geht es nicht", sagt Marion Thiel. Gebraucht wird "eigentlich alles" - von Farbe, Holz und Bastelmaterial über Garten-Utensilien bis zu Maschinen. Der Itzehoer Hagebaumarkt ging mit gutem Beispiel voran und spendete Material im Wert von mehr als 1000 Euro, Elektrowerkzeuge kommen noch dazu. "Wir sind aus der Region und haben eine Verantwortung für Jugend liche in der Region", begründet Marktleiter Meik Dumath das Engagement.
Kinder-Eltern-Jugendhilfe
Die „Via Nova Kinder- Eltern-Jugendhilfe“ ist eine Einrichtung in privater Trägerschaft. Sie wurde 2001 von der heutigen Geschäftsführerin Marion Thiel gegründet, der Geschäftssitz befindet sich in der Einhardstraße 35. „Via Nova“ („neuer Weg“) bietet als „Hilfen zur Erziehung“ u.a. Wohngruppen im Itzehoer Umkreis sowie Familiengruppen in Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und dem Rheinland an. Zudem gibt es ambulante Hilfen. In der schulischen Fördermaßnahme werden Jugendliche auf eine Rückkehr in die Regelschule vorbereitet, in Arbeitstrainings auf den beruflichen Einstieg.

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