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VHS-Abend – gewürzt mit Kindheitserinnerungen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

shz.de von
erstellt am 10.Dez.2013 | 05:00 Uhr

Als er von seinen modebewussten Enkeln gefragt wurde, welche Marken es in den 50er und 60er Jahren gab, blieb seine Antwort diesen unverständlich: „Da gab es keine Marken, nur Caro-Kaffee, Muckefuck und Ahoi-Brause.“ Im Rathaus Krempe präsentierte der niederdeutsche Entertainer Gerd Spiekermann (61) auf Einladung der VHS seine Comedy auf Plattdeutsch. Über 90 Gäste drängelten sich im voll besetzten Saal.

Seit bereits mehr als 20 Jahren wird an gleicher Stelle einmal im Jahr ein bekannter Entertainer für einen Abend verpflichtet. Seit 15 Jahren ist Sigrid Piening dafür zuständig. „1999 war Gerd Spiekermann schon einmal da“, erzählte sie. Aber auch weitere Entertainer wie Wilhelm Wieben, Jürgen Timm, Heiko Gauert, Edgar Bessem oder Jasper Vogt haben bereits ihr Programm hier vorgestellt.

Bekannt aus dem NDR-Fernsehen und der Radio-Sendung „Hör mal'n beten to“, hatte Gerd Spiekermann sein Programm angelegt wie bei einem klassischen Witze-Erzähler, ging gleich in medias res. Er lief im Saal durch die Stuhlreihen und entwickelte im lockeren Plauderton seine Gedanken, um diese nach einigen kleinen Anekdoten mit einer präzise gesetzten Pointe aufzulösen: Das Publikum raste – und prustete los.

Da die Anekdoten oft auch in dem Erlebnisrepertoire der ausnahmslos älteren Zuhörer enthalten waren, erfuhr das Gesagte auch Reaktionen wie Kopfnicken, eingeworfene Ergänzungen und Bestätigungen („Ja, genauso war das!“). Durch die plattdeutsche Sprache erhielt das Gesagte zusätzlich eine Nuance noch trockenere Humors.

In seinem Weihnachtsprogramm erzählte der Comedian überwiegend Geschichten aus seiner Kindheit, wobei er einige bereits verlassene Erzählfäden später wieder aufnahm, was dann zu noch größeren Lachern führte.

„Gewürzt haben wir nur mit Maggi.“ Unterstrichen hat er das, indem er eine mitgebrachte Flasche hervor zog. „Das Fernsehen war schwarz-weiß, es gab nur ein Programm, und das auch nur von 18 bis 23 Uhr.“ Danach folgte der Dauerton, und warum? „Damit der Opa vorm Fernseher wieder aufwachte.“ Anstatt „Fury am Fuß der blauen Berge“ bekam er aber Luis Trenker zu sehen. „Ich habe kein einziges Wort verstanden.“ Und weiter: Der Schulmeister habe damals an den Schülern den Stock kaputt gehauen. „Heute geht das eher anders herum. Das zeigt mir: Es gibt doch noch Gerechtigkeit.“

Über den gelungenen Abend in gelöster Atmosphäre freute sich auch VHS-Leiter Gerrit Heimsoth. „Die Veranstaltung hat sich etabliert und herum gesprochen. Deshalb ist sie auch jedes Mal ausverkauft.“ Sein Programm habe Gerd Spiekermann, wie er selbst am Rande erzählte, inspiriert durch Kindheitserinnerungen bis zur Jetzt-Zeit zusammen gestellt. „Ich möchte vor allem den Wechsel darstellen und aufzeigen, wie es damals war und heute ist“, erklärte er. „Ich will weg von der schönen Kindheit. Die war nämlich nicht immer schön. Das ist aber leichter verdaulich, wenn man über sich selber lachen kann“, sagte er.

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