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Explosion in Itzehoe : Verzweifelte Suche nach einer neuen Bleibe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Trotz aller Bemühungen: Auch sieben Wochen nach der Explosion in der Schützenstraße in Itzehoe hat Alfred Delfs noch keine Wohnung gefunden.

von
erstellt am 29.Apr.2014 | 17:00 Uhr

Itzehoe | „Es ist die schönste Wohnung, die ich je hatte.“ Alfred Delfs hat sich immer pudelwohl gefühlt in seiner 2,5-Zimmer-Wohnung im Erdgeschoss. Auf den 65 Quadratmetern hat er sich gemütlich eingerichtet, die Wände in der Stube in passendem Blau zum Teppich gestrichen, im Schlafzimmer sorgt ein apricotfarbener Anstrich für Behaglichkeit. „Ich habe viel Geld reingesteckt“, sagt der 58-Jährige. „Die Wohnung ist groß und liegt zentral. Und der Vermieter ist auch toll. Er kümmert sich um alles“, schwärmt Delfs. Eigentlich möchte er nicht weg.

Doch er muss. Denn die Wohnung, in der er zwei Jahre lang gewohnt hat, liegt in der Schützenstraße 5. Direkt neben dem Haus, das am 10. März durch die Explosion in Schutt und Asche gelegt wurde. Alfred Delfs hatte Glück. „Ich war in der Nacht zufällig nicht zuhause“, erzählt er. Sonst hätte er zum Unglückszeitpunkt wahrscheinlich noch im Bett gelegen – genau dort, wohin die Druckwelle das große Fenster samt Rahmen geschleudert hat. „Vielleicht würde es mich nicht mehr geben“, sagt er.

Die Spuren, die die Explosion hinterlassen hat, sind unübersehbar: Die Küche gleicht einem Trümmerfeld, im Schlafzimmer sind die Fenster mit Platten vernagelt, ein Teil der Zimmerdecke fehlt. Die Eingangstür lehnt an der Flurwand – die Feuerwehr hatte sie aufgebrochen, um nach Verletzten zu suchen. Alles Hab und Gut, das noch zu gebrauchen ist, hat Alfred Delfs im Wohnzimmer in Sicherheit gebracht. „Auch in diesem Haus wurde nach dem Unglück eingebrochen“, ärgert er sich. Er war davon zum Glück nicht betroffen, „aber es ist enttäuschend, dass es Menschen gibt, die diejenigen beklauen, die sowieso nichts mehr haben.“

Anfangs war er noch guter Dinge. Er war froh, überlebt zu haben, kam vorübergehend bei seiner Bekannten unter und machte sich auf die Suche nach einer neuen Bleibe. 2,5 Zimmer soll sie haben, muss im Erdgeschoss liegen, weil Alfred Delfs ein kaputtes Bein hat, und darf den Sozialsatz nicht übersteigen. Und es sollte Innenstadtlage sein, da der 58-Jährige kein Auto besitzt.

Inzwischen sind sieben Wochen vergangen. Alfred Delfs’ Nachbarn sind quer durch die Stadt verstreut – und er wohnt noch immer bei der Bekannten. „Ich hätte nie gedacht, dass es so schwierig ist, in Itzehoe eine 2,5-Zimmer-Wohnung zu finden“, sagt er. Was von Vermietern angeboten wurde, sei teilweise „eine Frechheit“ gewesen – von schimmeligen Wänden bis zur unaufgeräumten Bruchbude.

Alfred Delfs will nicht undankbar sein. „Andere hat es viel schlimmer getroffen.“ Und er habe viel Unterstützung erfahren, sagt er und lobt Andrea Hülsen, Leiterin der Abteilung Sozial- und Wohnungswesen im Rathaus, sowie Holger Pump, Leiter des Amtes für Bürgerdienste. „Durch sie hatte und habe ich jederzeit Ansprechpartner, die mir stets mit Rat und Tat zur Seite stehen.“ Auch für das Engagement der Helfer vom Norddeutschen Brummitreffen findet er nur Lob: „Es ist nicht genug zu würdigen, was sie auf die Beine gestellt haben.“ Und er sei froh, dass seine Bekannte ihn aufgenommen habe. „Das kann man mit Geld gar nicht bezahlen“, sagt er. „Aber irgendwann möchte man auch wieder ein eigenes Heim haben und zur Ruhe kommen.“


> Kontakt für Wohnungsangebote: 04821/ 6399857 oder 0157/32562130.

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