zur Navigation springen

Kläranlagen : Verwirrung um Abwasser-Anschluss

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zwei Schreiben, zwei Meinungen: Darüber, ob einige Anlieger der Gleiwitzer Straße in Hohenlockstedt ihre Kleinkläranlagen behalten dürfen, sind sich selbst Experten nicht einig. Den Gemeindepolitikern liegen zwei widersprüchliche Schreiben vor.

von
erstellt am 27.Sep.2013 | 05:15 Uhr

Soll die Gleiwitzer Straße komplett oder nur ein Teil der Anlieger an die zentrale Abwasserversorgung angeschlossen werden? Die Meinungen der Politiker darüber gehen auseinander – die der Fachleute, die eigentlich Klarheit schaffen sollten, allerdings auch. Denn der Gemeindevertretung liegen zwei Schriftstücke vor: Die untere Wasserbehörde des Kreises spricht sich in einem Schreiben vom November 2011 gegen eine komplette dezentrale Lösung aus. Das Kieler Umweltministerium kam in einem Schreiben vom November letzten Jahres dagegen zu dem Schluss, dass für Anwohner, die häusliches Abwasser produzieren, eine dezentrale Reinigung des Abwassers über Kleinkläranlagen als Option durchaus in Frage käme. Deshalb hat der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen, dass sich die Verwaltung mit Kreis und Land zusammensetzt und erarbeitet, ob eine Teilerschließung möglich ist.

Die zwölf Anlieger in der Gleiwitzer Straße verfügen noch über insgesamt zehn Kleinkläranlagen. Die Gemeindevertretung beschloss deshalb im Dezember 2012, dass alle an die zentrale Abwasseranlage angeschlossen werden. In der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung wurde aber mit einer knappen Mehrheit eine Änderung der Baumaßnahme beschlossen. Den Antrag, die Maßnahme zu splitten bis die Unstimmigkeiten zwischen Land und Kreis geklärt, stellten IHB und CDU zusammen. Acht Mitglieder (CDU, IHB und zwei SPD) votierten dafür, die Baumaßnahme nun in zwei Abschnitte aufzuteilen, die BfH stimmte geschlossen dagegen. Bürgermeister Jürgen Kirsten erklärte, dass er aus rechtlichen Gründen jedem Änderungsantrag formal widersprechen muss. Drei Mitglieder der SPD enthielten sich der Stimme. „Zwei Gewerbebetriebe sollen sofort angeschlossen werden“, erklärte Carsten Fürst (BfH). Diese Firmen (Lackierbetrieb, Metallverarbeitung und Autoschlosserei) produzieren Schmutzwasser, das nicht mit Kleinkläranlagen behandelt und versickert werden kann. Der Rest der Anlieger – Gewerbebetriebe und private – produziere nur häusliches Abwasser. Ob für die wie bisher eine dezentrale Reinigung des Abwassers über Kleinkläranlagen in Frage kommt, soll nun geklärt werden.

Für die BfH sei es höchste Zeit, auch die letzte Hohenlockstedter Straße an das Abwassernetz anzuschließen, wie Carsten Fürst deutlich machte: „Die Baumaßnahme in zwei Abschnitte zu teilen wird teurer“, kritisierte er. Auch aus Umweltgründen sei eine komplette zentrale Lösung anzustreben. Vom Kreis gäbe es dazu eine entsprechende Auflage. „Wenn wir die anderen Anlieger nicht anschließen, hätten wir auch die Dorfschaften nicht anschließen brauchen“, sprach er sich für eine einheitliche Lösung aus.

Die hohen Kosten und die wenigen Anlieger haben aber Kritiker auf den Plan gerufen. Statt rund 400 000 Euro in den Ausbau des zweiten Teilstücks zu investieren, solle die Gemeinde das Geld lieber sparen und sich für eine Beibehaltung der Kläranlagen aussprechen, wie Katja Nordmann, IHB-Vorsitzende betonte. „Das neue Amtsgebäude, das Feuerwehrhaus, das neue Einsatzfahrzeug – Hohenlockstedt ist überschuldet. Es geht hier nicht nach dem Prinzip ’Alle oder keiner’, sondern darum, Steuergelder zu sparen.“ Unter anderen Umständen hätten auch sie einem kompletten Ausbau zugestimmt. „Wenn Lückenbebauung oder Neubau noch möglich gewesen wären, dann wäre ein Anschluss sinnvoll gewesen, so aber nicht. Die Gleiwitzer Straße ist als Waldgebiet ausgewiesen. Alle Gebäude haben Bestandsschutz, es darf nicht mal angebaut werden. Die Straße ist ein Blinddarm.“

 

 

 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen