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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 20:17 Uhr

Theater : Verwirrspiel mit vielen Gags

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Theatergruppe „Augustoria“ zeigt Komödie „Oscar“: Publikum im theater itzehoe begeistert. Reale Berufe der Darsteller dienen als Grundlage für witzige Anspielungen.

shz.de von
erstellt am 07.Dez.2013 | 18:00 Uhr

Alles dreht sich um den Koffer. Am Schluss sind es sogar drei identisch aussehende, aber mit höchst unterschiedlichem Inhalt: Glitzernde Juwelen, Bargeldbündel – oder nur üppige Büstenhalter. Entsprechend lautstark und gestenreich fallen Pierre Barniers Reaktionen aus. Pierre Barnier alias Michael Kappus spielt in Dagmar Kröger-Naudiets neuester Inszenierung „Oscar“ mit der Theatergruppe Augustoria die Hauptrolle. Mehr als zwei Stunden lang kämpft er temperamentvoll auf der Bühne im theater itzehoe als aufgedreht überforderter Seifenfabrikant gegen die emotionalen und monetären Erpressungsbemühungen seiner Tochter, Pseudotochter, der wechselnden Schwiegersöhne in spe, der Mitarbeiter, der Hausangestellten und seiner resoluten Frau Marie-Louise.

Es geht ums Heiraten und die Mitgift, vorgetäuschte Schwangerschaft, Verwechslungen und Missverständnisse – also um alles, was solch eine Komödie, wie sie Autor Claude Magnier 1958 in Paris zur Aufführung brachte, so richtig würzt. Das Doppelspiel von Rolle und echtem Beruf macht einen zusätzlichen Reiz der Augustoria-Aufführungen aus. In der Theatergruppe, die ursprünglich aus einem Lehrer-Ensemble der Auguste-Viktoria-Schule hervorging, mischen sich längst Eltern, Schüler und theaterbegeisterte Erwachsene ohne Schulbezug.

Wenn diese dann wie Michael Kappus als Chirurg oder Michael Rost als Uhrmacher stadtbekannt sind, zündet so mancher Gag doppelt. Beispielsweise, wenn letzterer sich als betrügerischer Angestellter Albert Leroi auf die Frage, ob er einen Aufbewahrungsort für den Mitgiftschmuck kenne, versichert: „Ich kenne einen guten Juwelier!“ Oder wenn die Französischlehrer auf der Bühne – Daniela Rentzow als Marie-Louise und Nils Fieselmann als Chauffeur Oscar – das Ganze mit originalsprachigen Bonmots und entsprechendem Akzent würzen.

Das größte schauspielerische Talent entpuppt sich mit AVS-Schülerin Sarah Sobhe in der Rolle der zweiten Tochter Nicole. Jürgen Teifke macht als Butler Bertrand elegant den Rücken steif und versucht, Petra Voss als quirlig-freche Fabrikerbin zu bändigen. Elke Hilpert beschert als neue Hausangestellte und alte Liebschaft dem Chef die ungeahnte zweite Tochter, während ihm Dietmar Ramm mit lockererem Hüftschwung und elastischer Hand als Masseur den Rücken knetet. Christine Veit und Daniel Helmholtz, beide ebenfalls aus der AVS-Lehrerschaft, mischen als Hausangestellte Bernadette und Chauffeur Pjotr kräftig mit.

Am Schluss sind die Paare richtig sortiert unter der Haube, die vorgetäuschte Tochter erweist sich als uneheliche echte. Nur ob alles Firmenvermögen tatsächlich in der Familie bleibt, wird der Fantasie überlassen. Denn die besagten Koffer verschwinden mit augenzwinkerndem Chauffeur hinter den Kulissen. Diese veranlassten einige Besucher zum Schmunzeln, die Teile ihres Hausstands auf der Bühne wiedererkannten. Um diesen kümmerten sich Hiltrud Erdt, Regina Kankel und Katrin Melville-Roberts als Requisiteure. Petra Kunkelmoor und Brigitte Stemmer sorgten für die eleganten Pariser Frisuren.

Das Publikum bedankte sich mit begeistertem Applaus im ausverkauften Theater für eine kurzweilige Aufführung.

> Weitere Vorstellungen am 10. und 17. Januar.


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