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Verwaister Adlerhorst blockiert A 20-Planung

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Verkehrsminister Meyer fordert Rechtsänderungen: Wir müssen wieder schneller werden

Neuer Rückschlag für die Planungen zum Bau der Autobahn A  20: Diesmal steht ein verwaister Adlerhorst im Kreis Steinburg im Weg. Weitere Gutachten und teure Untersuchungen sind nötig. Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) rechnet mit zwei Jahren Zeitverzug bis zum Planfeststellungsbeschluss über das 15,2 Kilometer lange Autobahnteilstück. „Das ist kein schöner Tag für mich“, sagte Meyer.

Die Opposition im Landtag schäumt: CDU-Verkehrsexperte Hans-Jörn Arp sprach von einer „unverzeihlichen Schlamperei“. Sein FDP-Kollege Christopher Vogt meinte, der Adlerhorst komme für „die grünen Blockierer“ des Autobahnbaus „wie gerufen“.

Der Grüne Verkehrspolitiker Andreas Tietze meinte mit dem Blick auf „äußerst natursensible Gebiete“, es sei an der Zeit, sich um eine „grundsätzlich andere Streckenführung Gedanken zu machen.“ Der SPD-Abgeordnete Kai Vogel nannte die Entwicklung „sehr ärgerlich“. Entsetzt zeigten sich die Unternehmensverbände: „Die Planungsbehörden scheinen mit dem Projekt gänzlich überfordert zu sein“, sagte UVNord-Geschäftsführer Michael Thomas Fröhlich. „Die Wirtschaft ist mit der Geduld am Ende.“

Naturschützer hatten den nur 300 Meter von der geplanten Autobahntrasse entfernten Adlerhorst westlich bei Hohenfelde im August gemeldet. Ein Adlerpaar hatte dort im Frühjahr erfolglos gebrütet. Nach der Vogelschutzrichtlinie aber behalte der Horst für drei Jahre den rechtlichen Status einer Brutstätte, sagte Meyer.

Ironie der Geschichte: Der Adlerhorst befindet sich am Rande eines Baggersees. Der war im Zuge des Baus der A 23 entstanden und steht jetzt unter Naturschutz.

Meyers Planer müssen nun abklären, welche Auswirkungen der Standort des Adlerhorstes in Bauphase und beim späteren Betrieb der A  20 haben könnte. Für den Bau der A  20-Trasse in dem Marschgebiet sind fünf Millionen Kubikmeter Sand nötig. Die sollen aus einem Areal in der Nähe des Baggersees kommen.

Fällig sind zudem Untersuchungen über mögliche Beeinträchtigungen potenzielle Brutpaare etwa durch Lärm. Mit der neuen Entwicklung ist die mittlerweile dritte Planänderung auf dem Streckenabschnitt fällig. Das heißt nach den Worten von Meyer: Die Öffentlichkeit muss ein weiteres Mal beteiligt werden. Daneben sind aktualisierte Verkehrsprognosen bis in Jahr 2030 fällig. Die Vorkommen von Brutvögeln, Fischen, Fleder- und Haselmäusen, Amphibien, Reptilien, Libellen und Flieswasserorganismen müssen neu kartiert werden. Im Ergebnis wird der für Ende dieses Jahres erwartete Planfeststellungsbeschluss nicht vor Ende 2017 auf dem Tisch liegen.

Meyer, der die Notwendigkeit des Baus der A  20 bekräftigte, zeigte sich angesichts der Entwicklung gefrustet und verärgert und pochte auf Reformen im deutschen Planungsrecht. „Wir müssen uns ernsthaft Gedanken machen, das Recht so zu gestalten, dass wir wieder schneller werden“. Vieles war in diesem Bereich in Jahrzehnten gewachsen sei, behindere Planungen „absolut“. Seite 14  /  Standpunkt Seite 2

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erstellt am 12.Dez.2015 | 00:32 Uhr

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