Infrastruktur : Versprechen gibt es nicht

Um die Bahnhalte ging es bei einem Gespräch mit Minister Bernd Buchholz in Glückstadt.
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Um die Bahnhalte ging es bei einem Gespräch mit Minister Bernd Buchholz in Glückstadt.

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz trifft in Glückstadt mit Vertretern der Arbeitsgruppe Bahn zusammen. Konkrete Zusagen gab es dabei aber nicht.

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02. Dezember 2017, 08:08 Uhr

Zufriedene Gesichter auf beiden Seiten. Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) auf der einen Seite, die Vertreter der Glückstädter Arbeitsgruppe Bahn auf der anderen Seite. Sie führten gestern Morgen ein intensives Gespräch. Der Minister machte zwar keine Versprechungen, doch die Glückstädter gingen mit Hoffnungen aus der Zusammenkunft. Hoffnungen auf eine bessere Bahnanbindung und auf den Anschluss an den Hamburger Verkehrsverbund.

Buchholz betonte mehrfach, dass er zunächst alle Argumente hören wolle. Dazu gehört auch der landeseigene Nahverkehrsverbund Nah.SH, der andere Vorstellungen habe. Nach deren Aussagen koste ein Steinburger HVV-Beitritt das Land drei Millionen Euro jährlich. Vertreter des Nah.SH seien der Meinung, dieses Geld könnte anders verwendet werden, so der Minister.

Erstaunt war er über ein Papier, das ihm die Glückstädter entgegenhielten. Darin hatte ein Mitarbeiter des Wirtschaftsministeriums im September behauptet, das ganze Prozedere mit einem HVV-Beitritt könnte sich über mehrere Jahre hinziehen. In diesem Zusammenhang stellte der Landtagsabgeordnete Hans-Jörn Arp (CDU) klar: „Der Anschluss an den HVV ist im Koalitionsvertrag nicht umstritten.“ Doch der Minister sei nicht nach nach Glückstadt gekommen, „um heute ja zu sagen“. Siegfried Hansen von der Bahn-Arbeitsgruppe appellierte noch einmal an Buchholz, sich dafür einzusetzen: „Wir zählen auf Sie.“ Komme der HVV-Anschluss nicht, würden immer mehr Menschen aus der Region wegziehen. Er rechne mit einem schnelleren Verfahren.

Kernthema neben dem HVV-Beitritt waren die Bahnanschlüsse. Lutz Thieme, Glückstädter Bahn-Experte, der aus seiner früheren Tätigkeit bei der Bahn AG weiß, wie Fahrpläne erstellt werden, bemängelte: Seit dem Fahrplanwechsel 2014 gebe es wesentlich weniger Zughalte in Glückstadt. Und er griff in diesem Zusammenhang den Geschäftsführer der Nah.SH an. „Bernhard Wewers hat nur das Geld gesehen und die kurze Wende in Hamburg durchgesetzt.“ Mit dem Ergebnis, dass es nur noch wenige Halte der Marschbahn in Glückstadt gebe. Als Grund sei der Einsparzwang genannt worden. Mit einer langen Wende, so Thieme, müsste zwar ein Zug mehr eingesetzt werden, aber es gäbe genug Züge dafür. Auch wenn plötzlich behauptet werde, es stünden keine zusätzlichen Züge zur Verfügung. Thieme sagte zum Vorgänger der Regionalbahn: „Die NOB konnte sogar einen Zug verleihen.“ Werde die Kurzwende abgeschafft, dann könnten montags bis freitags all diejenigen Marschbahnzüge in Glückstadt wieder halten, zu deren Verkehrszeit der Pendelzug Altona-Elmshorn nicht fährt. Und sonnabends und sonntags könnten alle Marschbahnen fahren, außer den Zehn-Waggon-Zügen.“ Für diese ist der Bahnsteig in Glückstadt zu kurz. Die kurze Wende bedeutet: Der Zug, der einfährt, fährt auch wieder aus dem Bahnhof heraus. Die lange Wende heißt: Auf dem gegenüberliegenden Gleis wartet ein weiterer Zug für die Ab- und Rückfahrt.

Minister Buchholz ging nach seinen Informationen davon aus, dass das eigentliche Problem in Elmshorn liegt. Dort fehle ein drittes Gleis. Er habe bereits diesbezüglich Gespräche in Berlin geführt. Dort sei das Problem inzwischen erkannt. „Es gab bisher nicht genug politischen Willen und kein Geld. Jetzt ist das Geld da.“ Mit einiger Anstrengung sei eine Lösung möglich.

Im Zusammenhang mit der Gesamtsituation auf der Strecke sagte er: „Es ist eine schwierige Situation.“ Die Baustellen seien schlecht gemanagt. Und er habe gehört, mit den heutigen Zügen der Nordbahn, die zum Hamburger Hauptbahnhof fahren, sei ein „sensationeller Vorteil“ geschaffen worden. Seine Glückstädter Gesprächspartner betonten jedoch, dass Pendler nicht nur zum Hauptbahnhof fahren, sondern auch nach Altona. Dazu Heiko Schlüter von der Arbeitsgruppe Bahn: „Wir haben vor 2014 in Glückstadt 64 Halte gehabt. Ein drittel davon sind weg.“

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