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Politik schaltet sich ein : Versicherung kündigt wegen Denkmalschutz

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Drei Neuenbrooker verstehen die Welt nicht mehr: Ihre Häuser sollen unter Denkmalschutz gestellt werden – die Bank gibt keinen Kredit mehr.

shz.de von
erstellt am 12.Feb.2014 | 04:53 Uhr

Sein Gang an die Öffentlichkeit hatte dramatische Folgen: Nachdem der Neuenbrooker Henning Hoffmann gemeinsam mit zwei weiteren betroffenen Hausbesitzern auf die persönlichen Auswirkungen der neuen Denkmalschutzpolitik des Landes aufmerksam gemacht hatte, bekam er jetzt Post von seiner Hausversicherung und von seinem Geldinstitut. Seine Versicherung kündigte einen bestehenden Vertrag, und seine Hausbank will keinen Kredit mehr geben. Jetzt hat Hoffmann in einer ersten Verzweiflung die beiden CDU-Landtagsabgeordneten Hans-Jörn Arp und Heiner Rickers zu einem Krisengespräch eingeladen. Die beiden Christdemokraten reagierten entsetzt. Hoffmanns Feuerversicherung beruft sich nach Darstellung der CDU-Besucher direkt auf die Veröffentlichung (Ausgabe vom 1. Februar, Anm. d. Red.), attestiert eine deutliche Unterversicherung – und kündigt den Vertrag: „Denkmalgeschützte Gebäude sind bei unserer Gesellschaft ein nicht zu versicherndes Risiko.“ Auch die Hausbank erwartet durch den Denkmalschutz eine Wertveränderung der Immobilie und zieht eine klare Linie: „Bitte haben Sie deshalb Verständnis dafür, dass wir Ihnen zur Zeit mit weiteren Kreditmitteln nicht zur Verfügung stehen können.“

„Was hier geschieht, kommt fast schon einer Enteignung gleich. Dieses Verfahren bestraft Eigentümer, deren Häuser seit Generationen in eigener Verantwortung erhalten worden sind“, empört sich Arp. Rickers, agrarpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, sieht die Landwirte gleich doppelt betroffen. Auf der einen Seite gebe es die – an Hoffmanns Beispiel besonders deutlich gewordenen – finanziellen Auswirkungen. Auf der anderen Seite sei es oft nicht möglich, einen denkmalgeschützen Hof baulich an die Erfordernisse moderner Landwirtschaft anzupassen: „Da muss etwas für horrende Summen unterhalten werden, war rein praktisch gar nicht mehr nutzbar ist.“

Die gerade angelaufene Erfassung von abertausenden zukünftigen Denkmälern bewerteten beide Politiker nicht nur als schwerwiegenden Eingriff in die Rechte der Betroffenen, sondern auch als Bremse für Entwicklung und Investitionen. Arp: „Bei diesem völlig überzogenen Denkmalschutz droht in vielen Bereichen Stillstand – Schleswig- Holstein wird zum größten Freilichtmuseum der Welt.“

Daran, dass ihnen das gleiche Schicksal wie Henning Hoffmann droht, haben auch andere Neuenbrooker kaum Zweifel. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich auch bei uns die Banken und Versicherungen melden“, sagt Christian Sühl. Nach Hoffmanns Einschätzung werden die Reaktionen ähnlich ausfallen: „Ich habe mich, als ich die Post erhalten habe, gleich erkundigt – das Ganze dürfte bei fast allen Banken und Versicherungen ähnlich gehandhabt werden.“

Übereinstimmend versprachen Arp und Rickers vollen Einsatz gegen Auswüchse des Denkmalschutzes und insbesondere die von Ministerin Spoorendonk geplante weitere Verschärfung des Gesetzes. Wichtig sei eine breite Zusammenarbeit von Betroffenen, Politik und Verbänden betonte Arp: „Hier in Neuenbrook sieht man, was Schleswig-Holstein droht – jetzt geht es darum, auf Landesebene massiven Widerstand zu organisieren.“

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