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Norddeutsche Rundschau

23. August 2017 | 22:06 Uhr

Vermieterin nimmt Flüchtlinge in Schutz

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Brokdorferin hofft weiter auf Hilfsbereitschaft und Spenden

Der Fall sorgte Anfang Dezember für Aufsehen: Ein Flüchtlingsehepaar mit fünf kleinen Kindern war vom Amt Wilstermarsch in einer angemieteten Wohnung in Brokdorf untergebracht worden – und am nächsten Tag scheinbar spurlos verschwunden. Nicht nur dieser Umstand sorgte für Kopfschütteln in der Gemeinde. Hinzu kam die Information, dass die Familie auch den Inhalt des prall gefüllten Kühlschranks mitgenommen habe.

Dem widerspricht nun Vermieterin Beatrix Sallach. Die Familie habe zwar nach nur einer Nacht wieder die Koffer gepackt. Mitgenommen habe sie aus der Wohnung aber nichts, sagt sie. Die Nachricht habe in der Region für eine brodelnde Gerüchteküche gesorgt – bis hin zu Spekulationen, die gesamte Wohnungseinrichtung sei verschwunden. „Die Familie hat nur ihre eigenen Sachen mitgenommen“, betont daher die Vermieterin.

Nach ihren Informationen wollten die Flüchtlinge zu einem Bruder des Ehemanns nach Flensburg. Dort sind sie nach Informationen aus dem Amt Wilstermarsch auch wohlbehalten angekommen.

Dass die Familie sich nur einen Tag nach der Unterbringung wieder auf den Weg machte, fand Familie Sallach nicht so schön. Schließlich hatte die sich in den Tagen davor auf die Neuankömmlinge vorbereitet. Andererseits sei es aber auch menschlich verständlich, wenn Flüchtlinge unbedingt zu Verwandten wollten, sagt Beatrix Sallach. Was genau die Beweggründe waren, weiß aber auch sie nicht. Die Verständigung sei wegen der Sprachbarriere gleich null gewesen. „Aber wer weiß auch schon, was die Familie alles durchgemacht hat. Sie ließen sich nicht aufhalten.“ Immerhin habe die Familie mit ihren unplanmäßigen Wegzug sogar die Abschiebung riskiert. Beatrix Sallach fragt sich allerdings, warum die Familie aus einer Sammelunterkunft überhaupt erst nach Brokdorf gelotst worden war.

Beatrix Sallach lässt keinen Zweifel daran, dass Flüchtlinge nach wie vor willkommen sind. Sie tritt damit auch zweifelnden Stimmen entgegen, die nach dem Vorfall Hilfsbereitschaft und Spenden nicht mehr für notwendig halten. Angesichts der Gesamtsituation und der Not der Menschen gebe es keinen Grund, in der Willkommenskultur nachzulassen. Das gilt natürlich vor allem auch für die neue Familie, deren Ankunft für gestern erwartet wurde. In Brokdorf soll ein Ehepaar mit drei Kindern und einer Großmutter eine vorübergehende Heimat finden. Beatrix Sallach hofft, dass die Familie jetzt keinen schweren Stand hat.

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erstellt am 22.Dez.2015 | 00:32 Uhr

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