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Norddeutsche Rundschau

25. September 2017 | 08:07 Uhr

Wirtschaft : Verlust für die Kneipenwelt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das Musik-Café am Wochenmarktplatz hat heute zum letzten Mal geöffnet.

shz.de von
erstellt am 03.Jun.2015 | 05:00 Uhr

Die Gesundheit, steigende Kosten, mangelnde Einnahmen: Itzehoe verliert eine weitere Institution in der Kneipenszene. Gero Saur (57) schließt heute das Musik-Café am Wochenmarktplatz.

Fast zweieinhalb Jahrzehnte lang hat er die urige Lokalität mit Charme und schräger Musik etabliert. Seit 1992 ist der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann in der Breitenburger Straße ansässig. Zuerst vertrieb er in dem halben Laden mit „Jasar Records“ Schallplatten und CDs, nach zwei Jahren übernahm er die Räume ganz.

Schon früh fühlte sich Saur zur Musikszene hingezogen, war als Jugendlicher als DJ unterwegs, verkaufte dann Platten. Diese kaufte er eigens in Amerika ein, auch in Deutschland war er jedes Wochenende mit Transporter zu Schallplattenbörsen unterwegs. Später verkaufte er auch über das Internet weltweit bis in die USA und nach Israel, Spezialrichtung: Techno und Psycho Tekkno. „Irgendwann schlief das aber ein, andere waren erfolgreicher.“

Gero Saur musste sich neu orientieren und eröffnete mit einem Kompagnon das Café. Nach einem Jahr gab es Streit, Saur machte mit seiner Ex-Frau weiter. „Eigentlich haben wir ständig umgebaut“, sagt er. „Dadurch lebte der Laden.“ Großformatige Bilder sprühte der Itzehoer Michael Preuss, heute in England lebend, an die Wände. Obwohl der Gastronom in der Rockszene verwurzelt ist, knüpfte er auch leise Bande zum Hip-Hop. Bis heute brachte er Platten aller Art an den Mann: „Schallplatten gingen auf einmal wieder besser, nur der Markt für CDs liegt am Boden.“

Die Spezialität im Café war „natürlich die Musik“. Saur veranstaltet zahllose Konzerte und verschaffte vielen lokalen Musikgrößen die Möglichkeit zum Auftritt. Getragen wurde die Kneipe durch die Stammkundschaft: „Und wir haben auch einen Sparclub gehabt. Viele wissen jetzt gar nicht mehr, wo sie hingehen sollen.“ Aber Umsätze und Kostenentwicklung ließen ihm keine Wahl: „Es reichte vorne und hinten nicht mehr.“

Heute ist deshalb der letzte Tag für das Musik-Café. Was die neuen Besitzer daraus machen, stehe noch nicht fest, sagt Saur – und kann dann doch seine Tränen nicht zurückhalten.

Zunächst einmal will er etwas für die Gesundheit tun, „völlig raus“ sei er dafür. Doch der 57-Jährige hält sich ein Hintertürchen offen: „Das heißt aber nicht, dass ich out of business bin.“

 

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