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Schwarzfahrer : Verkehrsbetriebe im Kreis Steinburg begrüßen höhere Bußgelder

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ab dem kommenden Jahr soll das Fahren ohne gültiges Ticket 60 statt 40 Euro kosten. Im Kreis Steinburg ist das Schwarzfahren allerdings kein großes Problem.

Kreis Steinburg | Schwarzfahren soll ab dem kommenden Jahr teurer werden. Statt wie bisher 40 Euro soll das sogenannte erhöhte Beförderungsentgelt (EBE) dann 60 Euro betragen. Das kündigte kürzlich der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) an. Die Verkehrsunternehmen im Kreis Steinburg begrüßen die Erhöhung durchweg. Zwar gebe es im Kreis vergleichsweise wenig Probleme mit Schwarzfahrern, doch vor allem gegenüber den übrigen Kunden sei die Bußgeld-Anhebung ein wichtiges Zeichen.

„Wie begrüßen die Erhöhung“, sagte Ulrike Tietgen, Verkehrsleitung bei Vineta, die mit ihren 17 Bussen unter anderem den Stadtverkehr Itzehoe bedienen. Tietgen bezeichnete die Erhöhung als „gutes Mittel im Kampf gegen Schwarzfahrer“. Doch ein wirkliches Problem seien diese für das Unternehmen nicht − auch aufgrund der Tatsache, dass die Fahrgäste grundsätzlich vorne einsteigen müssen.

Auch Cliff Lüers, Betriebsleiter bei „die linie“, kennt nur „ganz wenige“ Fälle von Schwarzfahrern im Kreis Steinburg. „Es fahren fast nur ehrliche Menschen“, so Lüers. Probleme gebe es lediglich in Umsteigebereichen, wenn die Busse sehr voll seien. „Die linie“ ist unter anderem im Ortsverkehr Kellinghusen aktiv. Im Gegensatz zu Tietgen glaubt Lüers allerdings nicht an die abschreckende Wirkung der 60 Euro. Notorische Schwarzfahrer ließen sich auch mit der Erhöhung kaum davon abhalten.

Kevin Voß, Geschäftsführer der Firma Holsten-Express, findet die Erhöhung „nur fair gegenüber denjenigen, die normal bezahlen“. Da Voß sich auch selbst hinters Steuer setzt, kennt er die Probleme direkt aus der täglichen Arbeit. „Gerade bei stark frequentierten Haltestellen kann es schnell mal passieren, dass einer durchrutscht“, berichtet er. Doch ob die 60 Euro auch abschrecken? Da ist sich Voß, der das Familienunternehmen in dritter Generation leitet, unsicher. Er hofft allerdings, dass „jemand der 60 Euro zahlen muss, es sich anschließend vielleicht zwei Mal überlegt, bevor er wieder schwarz fährt“.

Darüber, wie viele Fahrgäste tatsächlich ohne gültiges Ticket unterwegs sind, gibt es kaum verlässliche Zahlen. Dennis Fiedel, Sprecher der Landesweiten Verkehrsservice-Gesellschaft (LVS), geht von einer Schwarzfahrer-Quote von zwei bis fünf Prozent aus. Über den praktischen Nutzen der Erhöhung − außer einem Symbolwert − ließe sich nur spekulieren. „Bei notorischen Schwarzfahrern wird es vermutlich keine Wirkung haben“, so Fiedel.

Auf 250 Millionen Euro beziffert der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) die Einbußen, die den Verkehrsunternehmen in Deutschland jährlich durch Schwarzfahrer entstehen. Hinzu kämen rund 150 Millionen Euro für Personalkosten. Joachim Schack, schleswig-holsteinischer VDV-Geschäftsführer, sagte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass es höchste Zeit sei, neue Grenzen zu setzen. „Die 40-Euro-Regelung ist sehr alt und nicht mal mit der Inflation mitgegangen.“ Entsprechend sei die geplante Erhöhung lediglich ein Ausgleich für die vergangenen Jahre. Und Schack betont: „Die 40 Euro hindern keinen mehr, schwarz zu fahren.“ Untersuchungen hätten gezeigt, dass es keine abschreckende Wirkung gebe. Deswegen fordere der VDV bereits seit längerem, Wiederholungstäter mit einem Bußgeld von sogar 120 Euro zu belangen.

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erstellt am 11.Nov.2014 | 17:00 Uhr

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