zur Navigation springen

Gericht : Vergewaltigung: Bewährung für 19-Jährigen

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Glückstädter wird vor dem Amtsgericht verurteilt

,,Man müsste ihn mal fragen, was passieren würde, wenn das einer mit seiner Schwester machen würde“, sagte Staatsanwältin Monika Krause in Richtung des 19-jährigen Angeklagten. Wegen Vergewaltigung musste er sich gestern vor dem von Strafrichter Reinhard Bischof geführten Jugendschöffengericht am Amtsgericht Itzehoe verantworten. Am Ende kam der Angeklagte nach dem Jugendstrafrechts mit einer Bewährungsstrafe davon.

Der junge Mann lebt seit 2013 in Glückstadt. Am 18. März saß er auf einer Bank im Roter Weg nahe der Bahnschranken am Janssenweg. An seinem Fahrrad war die Kette abgesprungen. Um 19.10 Uhr kam eine 20-jährige Auszubildende den Weg entlang. Der Mann bat die junge Frau um Hilfe bei der Radreparatur. Plötzlich fiel er sie an, zerrte sie ins Gebüsch, drückte sie zu Boden, riss ihr die Kleider vom Leib und küsste ihre entblößte Brust. Ihr den Slip zu zerreißen, schaffte er aufgrund ihrer heftigen Gegenwehr nicht. Da sich Passanten näherten, flüchtete der Täter.

Bei seiner Haftprüfung legte der junge Mann ein volles Geständnis ab. Das wiederholt er vor Gericht. Damit ersparte er der jungen Frau, das Schreckliche als Zeugin erneut durchleben zu müssen.

Der Angeklagte saß neben einem Dolmetscher und Strafverteidigerin Katja Münzel. Als Bootsflüchtling kamen er 2013 letztlich nach Glückstadt, wo er gemeinsam mit der Familie lebt. Der 19-Jährige spricht auch nach einem Jahr nur wenige Worte Deutsch. Vorstrafen hat er hier bisher keine.

Richter Bischof verlas im Rahmen der Verhandlung einen Bericht der Jugendgerichtshilfe, der aufzeigte, wie sehr das Opfer gezeichnet ist. Nach der Tat suchte sie psychologische Hilfe auf. Allein mag sie kaum noch aus dem Haus gehen. Auf dem Weg zur Berufsschule kommt sie mit dem Zug täglich am Tatort vorbei. ,,Trotz vieler Kontakte in Glückstadt, versucht sie sich so wenig wie möglich dort aufzuhalten“, so Bischof.

Ihr drittes Lehrjahr musste sie wiederholen. Sie war nach dem Verbrechen nicht in der Lage, die Prüfung zu absolvieren. Ihren Nebenjob und damit die 100 Euro Nebenverdienst hat sie verloren.

,,Das, was passiert ist, lag nicht in meinen Händen“, schrieb der Täter in einem Entschuldigungsbrief, verfasst in den sieben Wochen Untersuchungshaft, die er bis gestern in Neumünster verbrachte. Auch einen Wunsch richtete er an sein Opfer: ,,Ich wünsche, dass sie es vergisst und mir verzeiht.“

Richter Bischof folgte in seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwältin. Wegen sexuellen Missbrauchs verurteilte der Richter den Angeklagten zu einem Jahr Jugendstrafe, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung. Er muss sich einem Bewährungshelfer unterstellen und 100 Sozialstunden ableisten. Die werden mit fünf Euro pro Stunde aus einem Täter-Opfer Ausgleichsfond entlohnt. Diese 500 Euro erhält das Opfer als Schmerzensgeld.

,,Er hat jetzt sieben Wochen in U-Haft gesessen und erkannt, dass deutsche Gerichte solche Taten hart bestrafen.“ Das Urteil nahm der Täter sofort an, womit es rechtskräftig ist.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen