Verdun 1916 – der totale Krieg

Historiker und Autor: Olaf Jessen.
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Historiker und Autor: Olaf Jessen.

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08. Mai 2015, 05:00 Uhr

Der Austausch mit Frankreich gehört auch für viele Itzehoer Schulen seit Jahrzehnten zum festen Jahresprogramm. Dass diese Völkerfreundschaft eine tragische und blutige Vorgeschichte hat, machte der Historiker und Publizist Olaf Jessen in einer Lesung im Landgericht deutlich.

Auf Einladung des Vereins Justiz und Kultur im Landgerichtsbezirk Itzehoe stellte er sein neues Buch „Verdun 1916“ vor und schilderte in einem Bildvortrag anschaulich die Auswirkungen der „längsten Schlacht der Weltgeschichte“. Jessen blendete am Beispiel eines Leutnants 100 Jahre zurück und vermittelte im Wechsel mit strategischen Überlegungen der militärischen Führung die Details dieses „Sinnbildes des totalen Krieges“.

Erst habe er nach der Anfrage des Verlags gezögert, räumte der Autor ein. Er habe nichts Neues zu dieser längst breit bearbeiteten Materie für möglich gehalten. Das Gegenteil trat ein: Mit vielen bislang nicht ausgewerteten Quellen im Freiburger Heeresarchiv konnte Jessen neue Akzente setzen und das Geschehen veranschaulichen. Von Anfang an war für ihn dabei klar, dass er keine ausschließlich deutsche Geschichte schreiben wollte, da es um Grundsätzliches gehe.

Im Mittelpunkt stand Erich von Falkenhayn, der Chef des Generalstabes, der mit seinen Aktionen vor Verdun den Krieg schnell entscheiden wollte, bevor das militärische Gewicht der USA sich auswirken konnte. Dass es anders kam, gehöre mittlerweile zum kollektiven Gedächtnis beider Nationen, erläuterte Jessen. Er veranschaulichte mit psychologischen Ausführungen die Grausamkeit des Krieges und die zunehmende Verrohung der Soldaten, die lange großem Druck ausgesetzt waren.

Anders als in allen vorherigen Kriegen kam ein Rückzug aus der letztlich sinnlosen Schlacht nicht in Frage. Das spiegele ein Handeln in „Bahnen der nationalen Idee“ wider. Da keiner der Militärs die Verantwortung für Fehlentscheidungen übernommen habe, seien viele Deutsche der Fehleinschätzung erlegen, sie seien unbesiegt geblieben.

Jessen fesselte auch einige Oberstufenschüler im Publikum, die sich nach dem Vortrag intensiv mit ihm auseinandersetzten. Sie fragten sich, warum zu diesem Krieg im Geschichtsunterricht meist nur die Entstehungsbedingungen und die Folgen behandelt werden, aber keine Details zum Verlauf. Ihrer Bitte, auch einmal an ihre Schule zu kommen, will Jessen gern nachkommen. Schließlich wäre es für ihn ein „Heimspiel“ und er könnte seine Mutter besuchen, die in Itzehoe lebt. Der Historiker hat an der Kaiser-Karl-Schule Abitur gemacht. Vor kurzem ist er mit seiner Familie von Freiburg nach Husum gezogen.

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Signierte Exemplare von Olaf Jessens „Verdun 1916“ im Bücher-Känguruh.

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