Verbandsvorsteher testet Schulbus

Fuhr zweimal mit: Gerhard Blasberg.
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Fuhr zweimal mit: Gerhard Blasberg.

Eltern beklagen überfüllte Schulbusse. Bürgermeister Gerhard Blasberg fuhr mit.

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12. Dezember 2008, 10:11 Uhr

Glückstadt/Borsfleth | Ersticken oder erfrieren. Der Schulbus nach Borsfleth ist so überfüllt, dass die Scheiben am Bus beschlagen. Die Luft ist schlecht, Kinder reißen die Oberklappen der Fenster auf. Doch nur kurz, der Wind ist zu eisig.

Dicht gedrängt stehen die Schüler im Gang. Froh sind diejenigen, die einen Platz haben. Alle benehmen sich diszipliniert. Glückstadts Bürgermeister Gerhard Blasberg vermutet, dass es an seiner Anwesenheit als Erwachsener liegen könnte.

Das zweite Mal in dieser Woche fährt er im Schulbus mit. Beim ersten Mal war auch Borsfleths Bürgermeister Peter Mohr mit dabei. Viele Eltern hatten sich wegen des überfüllten Busses um 13 Uhr beschwert. Und auch der Schulverband beschäftigt sich seit einiger Zeit mit dem Thema.

An diesem Tag ist Gerhard Blasberg an der Carl-Legien-Straße eingestiegen - gemeinsam mit Grundschülern. Zehn Minuten später ist der Bus an der Haupt- und Realschule. Zahlreiche Kinder steigen ein. Am nächsten Halt Detlefsenymnasium entzerrt sich die Situation nur für kurze Zeit. Denn einige Schüler steigen in den Herzhorner Schulbus um. Dafür kommen viele neue Schüler hinzu.

"Heute lohnt es sich", sagt Blasberg etwas sarkastisch. Er weiß: Der Bus hat 44 Sitzplätze und 60 Stehplätze. An diesem Tag zählt Blasberg rund 80 Kinder im Bus. Das dort noch mehr hinein passen sollen, ist ihm schleierhaft. "Die Kinder müssten noch enger stehen."

Und es wird richtig eng. Vor Bürgermeister Blasberg steht ein kleines Mädchen auf dem Gang, die ganze Zeit bis Borsfleth hat sie ihren schweren Ranzen auf dem Rücken.

Der Bürgermeister steigt an der dritten Station in Borsfleth aus. Er verabschiedet sich noch von zwei Jungen, die noch bis Wewelsfleth weiterfahren.

Als Schulverbandsvorsteher hatte er sich einen Tag vorher noch die Nöte zahlreicher Mütter aus Borsfleth in einer Sitzung angehört. Sie plädierten für einen größeren Bus. Und sie sagten, dass vielfach Kinder schon von Eltern mit dem Auto abgeholt werden.

Blasberg hatte schlechte Nachrichten für sie: "Juristisch betrachtet ist der Schulbus nicht zu klein." Einen größeren einzusetzen, würde 60 bis 80 Euro am Tag mehr kosten.

Auch Peter Mohr war bei der Sitzung dabei. Er warnte davor, dass Borsflether Eltern ihre Kinder künftig nach Krempe in die Schule schicken könnten. "Und das wollen wir als Schulverband doch nicht. Wir müssen sehen, dass alle Kinder den Schulbus nach Glückstadt nutzen können."

Dies wiederum rief Herzhorns Bürgermeister Klaus Lange auf den Plan. Mit ziemlicher Schärfe in der Stimme forderte er Peter Mohr auf: "Dann musst Du die Gesetze im Kreistag ändern."

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