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Gesundheitsversorgung : Urteil eine bittere Pille für Apotheken

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ausländische Anbieter können die deutsche Preisbindung unterbieten. Der Versandhandel macht der heimischen Wirtschaft das Leben schwer.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2017 | 14:12 Uhr

„Wir wollen die flächendeckende Versorgung behalten“, sagt Ulrich Grothe von der Bergapotheke in Schenefeld, der wie viele seiner Kollegen nur kopfschüttelnd ein Urteil des Europäischen Gerichtshof hinnehmen kann. Dieser hatte Ende des vergangenen Jahres die deutsche Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente gekippt. Das bedeutet, dass ausländische Versandapotheken die in Deutschland geltenden Festpreise unterbieten dürfen.

Entsetzt darauf reagierte auch der Geschäftsführer des Apothekerverbands Thomas Friedrich, der das Urteil als „brandgefährlich“ einstufte. Wisse er doch genau, dass insbesondere kleinere Apotheken schon jetzt Probleme haben und es für sie durch das Urteil noch schwerer werden würde, sich auf dem Markt durchzusetzen. „Ich befürchte, dass es zu einer Rosinenpickerei kommt“, sagt Friedrich. Denn: Patienten, die auf verschreibungspflichtige Medikamente angewiesen sind, konnten sich bisher sicher sein, dass diese deutschlandweit in allen Apotheken gleich teuer sind. „Die Preisbindung stellt zum einen sicher, dass Medikamente nicht zu teuer werden, zum anderen aber auch, dass die Beiträge der Krankenversicherungen bezahlbar bleiben“, so Friedrich weiter. Zudem erspare das einem jeden Kunden die Suche nach einer besonders günstigen Apotheke. Weitere Vorteile der Vor-Ort-Apotheken: Diese bieten durch persönliche Beratungen und einem großen Sortiment nicht nur eine bessere Kundenbindung. „Meist sind wir auch besser aufgestellt“, betont Grothe, der neben dem Qualitätsmanagement auch das EDV-gestützte Medikamentenmanagment eingeführt hat. Dieses gebe ihm und seinem Team, insbesondere bei chronisch Kranken, eine bessere Übersicht der Medikation mit all ihren Wechsel- und Nebenwirkungen. „Wichtig ist es daher, dass wir die Politiker sensibilisieren – sie sollen sich selbst ein Bild darüber machen, was man hierzulande noch an den inhabergeführten Apotheken habe.“

Aus diesem Grund hatte der Schenefelder Apotheker jetzt den CDU-Bundestagsabgeordneten Mark Helfrich eingeladen. Gemeinsam mit Verbandsvorsteher Thomas Friedrich zeigte er dem Politiker, dass das Führen einer Apotheke nicht nur etwas mit „Schubladen ziehen und Päckchen verpacken“ zu tun habe. „Man muss das ganze System verstehen“, erklärte Grothe. Auch Friedrichkann kein Verständnis dafür aufbringen, dass der ausländische Apotheken-Versandhandel, zu dem auch der Billig-Versender DocMoris aus den Niederlanden gehöre, seinen Kunden einen Bonus auf rezeptpflichtige Produkte geben dürfe.

„Insbesondere die Dauer-Medikamente, auf die chronisch Kranke angewiesen sind, sind für hiesige Apotheken die Haupteinnahmen“, betont Friedrich mit dem Wissen, dass gerade diese Kunden oftmals von den Onlineangeboten profitieren. Wenn diese durch den Wettbewerbs wegbrechen und Apotheken nur noch für die Akut-Versorgung zuständig würden, wäre das für die Vor-Ort-Apotheken eine bittere Pille.

Daher fordern Apotheker und Apothekenverband, dass der Gesetzgeber gleiche Wettbewerbsbedingungen für Apotheken im In- und Ausland herstellen müsse. „Die Politiker müssen nun endlich handeln und Lösungsvorschläge präsentieren“, fordert Grothe und weiß seine Kollegen aus dem Kreis Steinburg hinter sich.

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