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Handwerkertradition : Urgemütliches Fest im Tabakrauch

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Zum 158. Mal Handwerkerstammtisch mit viel Humor, Bier und Piepen – aber entgegen der Tradition nicht nur unter Männern.

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erstellt am 10.Feb.2016 | 17:00 Uhr

Das Fest der Handwerker ist seit 158 Jahren eine Männerdomäne. Doch das wurde in diesem Jahr ungewollt geändert: Denn beim jüngsten Fest „mogelte“ der eigentliche Männerchor „De Molenkieker“ mit Elke Haitz eine Dame ein. Und Kreishandwerksmeister Helmut Rowedder bat darum, beim nächsten Mal die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, Claudia Mohr, einladen zu dürfen. Klaus Kühn, Sprecher der Handwerker, verkündete zudem: „Ich habe die neue Bürgermeisterin eingeladen, sie hat sich aber nicht gemeldet.“

Dass Frauen künftig zu der traditionellen Veranstaltung eingeladen werden sollten, zog sich dann wie ein roter Faden durch den Abend. So frotzelte der CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Jörn Arp gegenüber Kühl: „Hast du der neuen Bürgermeisterin ein Bild von dir geschickt?“ Und Bürgermeister Gerhard Blasberg bot er an, ihm Unterricht in Plattdeutsch zu geben. Denn das war die Sprache des Abends.

Der wurde wieder richtig gemütlich und humorig. Fast unter Männern wurde einem Ritual beim Bier gefrönt: Jeder Handwerker und Gast erhielt eine Piepe und Tabak. Die weißen Tonpfeifen wurden in die Biergläser getunkt, um das Mundstück zu befeuchten, bevor die Piepen geschmökt wurden. Früher galt das Rauchen bei Gesellen nach bestandener Prüfung als ein Symbol erreichter Manneswürde.

Traditionen werden bei jedem Handwerkerfest gepflegt, wobei sie diesmal kürzer als sonst abgehandelt wurden. Kleine Probleme hatte der neue „Lademeister“ Frank Horstmann, der nur einmal den Hammer schlug, statt dreimal. Vor „Gericht“ klagte Herbert Matys vom Handwerkerstammtisch an, dass das ausgelegte Heft mit den Liedtexten zu alt sei. Für die 400-Jahr-Feier der Stadt in 2017 müsste eine neue Ausgabe her.

An den Liedern – sie wurden unter Begleitung des Shantychores sehr ausgiebig gesungen – wird sich aber nichts ändern. Denn sie erzählen vom „urgemütlichen, sauberen und netten Glückstadt“. Sie erzählen auch von Handwerksleuten, die auf Wanderschaft gehen. Und wie immer gehörte der traditionelle Umtrunk mit reichlich Bier aus dem großen Krug dazu.

Welche Bedeutung das Fest hat, zeigte auch, dass neben dem amtierenden Kreispräsidenten Peter Labendowicz aus Wilster auch sein Vorgänger Friedrich Tiemann aus Hohenaspe dabei war. „Ostwestfale“ Labendowicz zeigte sich von seiner humorigen Seite: „Wäre Blasberg nicht dagewesen, hätte ich ihn durch den Kakao gezogen.“ Doch da der Bürgermeister nach ihm sprechen würde, würde er lieber darauf verzichten.

Als „Westfale“ outete sich dann der stellvertretende Bürgervorsteher Wolfgang Engemann, der das erste Mal dabei war. „Man hat mir vorher nicht erzählt, dass ich etwas Humoristisches sagen muss“, beklagte er. Deshalb beschränkte er sich auf die Feststellung: „Die Stadt kann glücklich sein, solch eine Handwerkerschaft zu haben.“

Umso humoristischer war Gerhard Blasberg, der wieder einmal von sich als Karnevalshasser sprach. Der Nordrhein-Westfalen dankte für zwölf Jahre „verräucherte Hosen und vier Brandlöcher“. Er dankte auch dafür, dass die Handwerker bei seinen Reden immer ein „tolles Publikum“ waren. Sie hätten an Stellen gelacht, wo er es nicht vermutet hätte. Und er würde sie für ihre Gelassenheit bewundern. Doch anders als sein Vorgänger Christian Lauenroth – dieser hatte sich für den Abend entschuldigt – wollte er keine Reden mehr halten. „Ich mache nicht den Schmalspurredner.“

Einen Höhepunkt humoristischer Kunst bot Herbert Frauen. Der ehemalige Leiter der Glückstädter Gemeinschaftsschule hatte mit dem Thema „Mappen“ einen Nerv getroffen. Er erzählte als einheimischer auf Platt welche Zeitschriften er beim Arzt liest und welche in der Sauna. „Lisa“, „Petra“ und „Tina“ mit Modetipps für die Frauen begeisterten ihn wenig. Da waren die bei seinem Zahnarzt schon besser. Denn der hatte die „Praline“. „De dörf ich jo Tohuus gor nich bekieken. In de Praline weern ok Petra, Lisa un Tina bin und heft Appetit mookt – ober de stünn doch nicht mit in den Köök achtern Herd.“ Und in der Sauna erfuhr er Politisches: „Dat Andrea Nahles sik no fief Johr vun ehrn Mann trennt hett un nu übellaunig is.“

Nach einem rundum stimmungsvollen Abend wurde es zum Schluss wehmütig: Adalbert Becker wird künftig nicht mehr mit seinem Akkordeon auftreten. Seit 1962 war der heute 73-Jährige beim Fest der Handwerker dabei. „Danke für die schöne Zeit und ich hoffe, dass der Stammtisch noch lange bestehen bleibt.“

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