Smartphones : Unverzichtbar und manchmal nervig

Durften ausnahmsweise im Unterricht ihr Handy rausholen (v. l.): Fiona, Hannah, Jannieck, Vincent und Tom.
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Durften ausnahmsweise im Unterricht ihr Handy rausholen (v. l.): Fiona, Hannah, Jannieck, Vincent und Tom.

Sechstklässler und ihr Handy: Wie eine Umfrage in einer Itzehoer Klasse zu einer aktuellen Studie passt.

shz.de von
09. Januar 2018, 05:00 Uhr

Positive und negative Aspekte dieser Entwicklung beleuchtet unsere Serie. Heute: die JIM-Studie und die Klasse 6a am Sophie-Scholl-Gymnasium

„Wenn man fünf Minuten nicht online ist, hat man bis zu 200 Nachrichten auf dem Display“, sagt Schülerin Mia (13). Das kennen auch die anderen Schüler der Klasse 6a des Sophie - Scholl - Gymnasiums (SSG). Und viele von ihnen sind davon „ganz schön genervt“ – doch für die Organisation im Freundeskreis seien Whatsapp - Gruppen nicht mehr wegzudenken.

Der Fahrradreifen ist platt, die letzte Stunde fällt aus oder der Bus ist weg – in solchen Situationen haben die SSG-Sechstklässler ihr Handy schon dringend gebraucht. Wenn sie denn eines besitzen – drei Schüler aus der Klasse haben kein Mobiltelefon. Das passt in etwa zu den Ergebnissen der aktuellen JIM-Studie, die sich mit der Mediennutzung bei Jugendlichen befasst (siehe Info-Kasten): Danach haben 92 Prozent der 11- bis 13 - Jährigen in Deutschland ein Handy. Das Smartphone ist „ein unverzichtbarer Begleiter“, heißt es. Ab 14 Jahren hätten alle Schüler ein Handy, auch um für kritische Situationen gerüstet zu sein. „Ich muss auch häufiger mal im Dunkeln nach Hause laufen. Da fühle ich mich nicht immer wohl, deshalb rufe ich jemanden mit meinem Handy an, um mich sicherer zu fühlen“, erzählt Mia (13).

Auch deshalb dürften am SSG Handys mitgebracht werden, sagt Orientierungsstufenleiterin Andrea Tobias. Sobald die Schüler den Schulhof betreten, muss es ausgeschaltet werden. „Im Einzelfall dürfen die Kinder mit ihrem Handy zu Hause anrufen. Fragen müssen sie vorher trotzdem“, schildert Tobias. Im Unterricht dürfe das Handy manchmal verwendet werden, um etwas nachzuschlagen.

Zu Hause wird für die Sechstklässler die Nutzung von Smartphones eher zur Regel: „Mein Handy nutze ich für Whatsapp, um Fotos von meinem Pony zu machen und um Musik zu hören“, sagt Mia (11). Im Mittelpunkt der Beschäftigungen in der Freizeit stehe das Smartphone damit trotzdem nicht. Nach der Schule unternimmt die Hälfte der Klasse am liebsten etwas mit der Familie. Das Handy steht bei 16 von 22 Schülern auf einem hinteren Platz. Ähnlich ist das Bundesergebnis laut JIM-Studie – wobei dort Freunde statt Familie im Fokus stehen. Immer dürfen die Gymnasiasten ihr Handy aber nicht benutzen. Es gebe handyfreie Zeiten während der Hausaufgaben, beim Essen und vor allem nachts.

Nach eigenen Angaben nutzt der Großteil der Schüler das Handy zwischen 90 und 120 Minuten täglich. Am meisten Zeit nähmen hierbei Whatsapp-Gruppen ein. „Wir besprechen dort, was wir aufhaben, schreiben aber auch viel Quatsch“, sagt Finn (12). Und er gibt zu: Wenn die Hausaufgaben nicht klar sind, wäre ein Anruf oft einfacher.

Ganz vorn auf der Beliebtheitsskala rangiert laut Studie Youtube – und auch bei den Itzehoer Sechstklässlern ist das Videoportal beliebt. Viele Schüler nutzen dagegen die sogenannten sozialen Netzwerke Snapchat, Instagram oder Facebook nicht. Für Facebook stellt die JIM-Studie fest: Der Anteil der befragten Jugendlichen, der diese App zu den wichtigsten zählt, hat sich auf 13 Prozent halbiert. An den Zeitpunkt, wann sie ihr erstes Handy bekommen haben, können sich viele Sechstklässler nicht mehr erinnern. Einige geben an, dass sie zwischen sechs und elf Jahre alt waren. Bei Lehrerin Andrea Tobias ist es „um und bei zehn Jahre“ her. Da sei noch anders kommuniziert worden – ohne Hunderte von Nachrichten auf dem Display.

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