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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 13:36 Uhr

Unterwegs mit 1000 Schafen und Ziegen

vom

Birgit Voigtländer hütet ihre Herde gemeinsam mit den Hütehunden Lotta und Joe / Nawuchs für den seltenen Beruf schwer zu finden

AUKRUG/BARK | "Eine Landschaft ohne Schafe ist nur halb so schön", meint Birgit Voigtländer, deren Schafe und Ziegen im Auftrag des Landes Schleswig-Holstein als Landschaftspfleger im Einsatz sind. In fünf verschiedenen Naturschutzgebieten sorgen die Herden der Aukruger Schäferin für eine Beweidung, die geschützten Tier- und Pflanzenarten zugute kommt: auf dem Boxberg, in Tönsheide, im Reher Kratt, in Störkathen und in der Barker Heide.

"Lotta! Lotta!! Lotta, nicht so doll!!!" Im Laufe des Tages muss Birgit Voigtländer ab und zu etwas lauter werden und ihre ziemlich unternehmungslustige "Lotta" zurechtweisen. "Lotta" ist eine anderthalbjährige Altdeutsche Hütehündin und noch in der Ausbildung. Hütehund "Joe" (sechs Jahre) hat deutlich mehr Erfahrung, braucht aber auch hin und wieder eine Ermahnung seiner Chefin, wenn er sich von "Lottas" Temperamentsausbrüchen anstecken lässt: "Joe! Nein! Komm mal runter!" Dass "Lotta", "Joe" und Birgit Voigtländer ein gut eingespieltes Team sind, kann man daran sehen, dass sie die fast 1000-köpfige Schafherde in der Barker Heide gemeinsam bestens im Griff haben und genau dahin führen, wo die Beweidung aus Naturschutzsicht gerade vonnöten ist.

"Die Beweidung dient der Ausmagerung der Flächen", erläutert Birgit Voigtländer, "dadurch soll sich die Heide weiter ausbreiten können und auch andere Pflanzen, die sonst keine Chance hätten."

Im Naturschutzgebiet Barker Heide (im Kreis Segeberg an der Bundesstraße 206) soll sich eine baumfreie Heide- und Moorlandschaft mit lichten Eichen-Birken-Wäldern entwickeln. "Als ich hier 1996 mit meiner Schafherde anfing, waren das Acker-Stilllegungsflächen mit fett Quecke und Löwenzahn", berichtet Birgit Voigtländer. Auf den bis vor einigen Jahren noch völlig vergrasten Sandböden sind inzwischen wertvolle Biotopflächen entstanden, wo viele seltene und gefährdete Pflanzenarten zu finden sind: Englischer Ginster, Lungenenzian, Sonnentau, Sumpf-Bärlapp und Moorlilie. "Dies Bentgras zum Beispiel würde wachsen und wachsen und alle anderen Pflanzen überwuchern", erklärt Birgit Voigtländer, während sich ihre Schafe über die auch als Blaues Pfeifengras bekannte Pflanze hermachen, "die Ziegen kümmern sich mehr um Büsche, Bäume und Disteln."

Normalerweise macht sich Birgit Voigtländer im Frühjahr mit ihrer Herde zu Fuß von Aukrug zu ihrem Hauptarbeitsgebiet auf, um dann vier Tage später in Bockhorn (Gemeinde Bark) einzutreffen. Diesmal wurden die Tiere ausnahmsweise verladen und in die Barker Heide chauffiert. "Wegen des Winters waren wir auch relativ spät dran", sagt die Schäferin, "ab Ende April war es dann ewig nass, und dann gab es auf einmal ganz viel Futter." Um all dies Futter abzugrasen, ist die Aukrugerin mit so viel Tieren wie nie in der Barker Heide unterwegs: 700 Schafen, 250 Lämmern und 40 Ziegen.

Hüteschäferin ist ein in Schleswig-Holstein ziemlich seltener Beruf. Birgit Voigtländer berichtet von drei weiteren Hüteschäfereien: einer Kollegin und zwei Kollegen. "Ich selbst bin da mehr so reingerutscht", erklärt die gebürtige Hamburgerin. Vor 23 Jahren heuerte Birgit Voigtländer als Helferin bei einem Lauenburger Schäfer an. "Da gab es nur Kost und Logis, nach zwei Jahren bekam ich aber 110 Schafe geschenkt, und da war ich dann auf einmal selbständige Schäferin." Was für Voraussetzungen muss man als Hüteschäferin mitbringen? "Man muss natürlich Schafe mögen", meint Birgit Voigtländer, die mit ihrem Betrieb seit 1999 in Aukrug-Homfeld zu Hause ist, und zählt einige Vorzüge ihres Berufs auf: "Die Natur, die Lämmer und die Arbeit mit den Hunden."

Schattenseiten hat der Beruf auch einige. "Mein Hauptproblem ist, dass ich jeden Tag arbeiten muss, weil ich keinen habe, der die Herde mal für mich hüten kann." Um dies Problem zu beheben, will sich die Aukrugerin die nötigen Hilfskräfte selbst heranziehen: Zusammen mit einer Flensburger Schäferei wird sie demnächst zwei Lehrlinge einstellen. Die Azubis werden lernen, dass man als Schäfer einen ziemlich anstrengenden Elf-Stunden-Tag zu bewältigen hat, der mit Futterbelege-Sortieren und anderen Büroarbeiten beginnt und zu dem auch das Zäuneziehen, Lämmerentbinden, Entwurmen und Klauenschneiden gehören, wie Birgit Voitländer anmerkt: "Die sechs bis sieben Stunden Hüten am Tag sind das Netteste an dem ganzen Job."

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erstellt am 05.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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