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Fracking : Untersuchung für "Erlaubnisfeld Bramstedt" genehmigt

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Brokstedt und weitere vier Gemeinden scheitern mit ihrem Widerspruch. In der heutigen Sitzung des Amtsausschusses können Bürger ihre Sorgen über das Vorhaben der Energiekonzerne äußern.

shz.de von
erstellt am 26.Sep.2013 | 05:00 Uhr

Aufgrund von Fracking ist „brennendes Wasser“ in den USA bereits Realität. Die Flamme eines Feuerzeugs reicht, um das Wasser aus dem Hahn in Brand zu stecken. Verstörende Bilder aus Josh Fox Dokumentarfilm „Gasland“ beunruhigten auch das Publikum des Vereins „Klappstuhlkultur“ und dessen Gäste, der stellvertretende Bürgermeister Reinhard Rübner (SPD) sowie die Fachfrauen Kerstin Schirmer, Geologin aus Kiel, und Gisela Wieneke, Vertreterin des BUND.

Das so genannte Fracking – eine unkonventionelle Gas-Fördermethode, bei der Wasser, Sand und zum Teil giftige Chemikalien unter hohem Druck in tiefliegende Gesteinsschichten gepresst werden, um Gas oder Öl zu fördern, boomt nicht nur in den USA. „Auch bei uns vor der Haustür sind die Begehrlichkeiten von Energieunternehmen geweckt“, sagt Sebastian Marcks, Moderator der Klappstuhlveranstaltung. Die Gemeinden Brokstedt, Hingstheide, Quarnstedt, Wrist und Wulfsmoor liegen im „Erlaubnisfeld Bramstedt“. In diesem Bereich hat das Berliner Unternehmen „prd energy“ eine Erlaubnis zur Aufsuchung von Kohlenwasserstoff beantragt und auch erhalten. „Unabhängig von der Filmvorführung bekamen wir am Kinotag ein entsprechendes Schreiben auf den Tisch“, so Marcks.

Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Clausthal-Zellerfeld gab jetzt als Genehmigungsbehörde grünes Licht für eine Erkundung. Die Bürgermeister der fünf betroffenen Gemeinden hatten sich bereits Anfang April mit Nachdruck gegen die „Erlaubnis zur Aufsuchung von Kohlenwasserstoff“ gewehrt (wir berichten) und dabei das einzig mögliche Argument eines öffentlichen Interesses ins Feld geführt: Die im Jahr 2016 in Quarnstedt ans Netz gehende Gasverdichterstation, welche die Gasversorgung Skandinaviens gewährleisten soll, grenzt unmittelbar an den betroffene Gelände-Korridor und die Gasleitungen laufen direkt hindurch.

Unterstützung im Kampf gegen ein mögliches Fracking erhalten die Gemeinden jetzt aus dem Verein Klappstuhlkultur. Schon der Film stieß auf reges Interesse. „Wir hatten einen vollen Saal“, sagt Marcks. Endgültig überzeugte die anschließende Diskussion mit Schirmer und Wieneke. „In den USA mutierten ehemals ländliche Regionen zu riesigen Industriegebieten“, sagt die Bund-Vertreterin. „150 000 Bohrlöcher, ständiger Lärm, hohe Luftverschmutzung und tausende Lkw auf den Zufahrtstraßen – so sähe die großflächige Förderung von Erdgas mittels Fracking aus.“

Ähnlich würde es wohl auch in Deutschland zugehen. Nach aktuellen Berechnungen reichen die Schiefergasvorkommen hierzulande aber nur zehn Jahre – was auch die Befürworter mit ihrem Hinweis auf sinkende Energiepreise wissen sollten. „Für sichere, saubere und günstige Energie brauchen wir kein Fracking, sondern Energie aus Wind und Sonne,“ so Marcks. Er ruft Bürger und Mitglieder der Initiative gegen das Fracking auf, im Rahmen der heutigen Sitzung des Amtsausschusses um 19 Uhr in der Gaststätte „Kulinarium“ (ehemals Waidmannsruh) in Rosdorf Unmut und Sorge über das Vorhaben der Energiekonzerne zu äußern.

Fracking – Risiken: Pro Frack werden mit hohem Energieaufwand bis zu 5000 Kubikmeter Wasser und mehr als 200 verschiedenen Chemikalien bei über 1000 bar Druck unter die Erde gepresst. Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt: Grund- und Oberflächengewässer können durch die Chemikalien belastet werden. Durch den Druck wird zudem ein Zusammenhang zwischen Fracking und Erdbeben für möglich gehalten. Der Flächenverbrauch ist mit 1,5 bis 2 Hektar pro Bohrplatz sehr groß. Hinzu kommen Lärmbelastungen durch die Bohranlage sowie die Frage der Entsorgung des kontaminierten Abraums und des Abwassers.
 

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