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Norddeutsche Rundschau

15. Dezember 2017 | 07:42 Uhr

Unterricht wird multimedial

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Neue Unterrichtsräume für Naturwissenschaften sind einsatzbereit / Lehrer unterrichten jetzt via Tablet und Smartboard

von
erstellt am 04.Dez.2015 | 00:33 Uhr

Für die meisten der im Schulverband versammelten Bürgermeister liegt die Schulzeit Jahrzehnte zurück. Umso beeindruckter waren sie von dem, was ihnen jetzt in der Gemeinschaftsschule Wilster geboten wurde. Für rund 300  000 Euro wurden die Unterrichtsräume für Naturwissenschaften auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Statt Kreide und Tafel gibt es hier Smartboards, chemische Versuche können Lehrer und Schüler sicher abgeschirmt vornehmen und dabei auch gleich live für alle Mitschüler sichtbar machen. Und der Lehrer spaziert mit dem Tablet in der Hand durch die Tischreihen.

„Das ist ein Fortschritt, den man gar nicht hoch genug einschätzen kann“, schwärmt Schulleiterin Marlis Krumm-Voeltz. Angesichts der Ergebnisse waren auch die Verzögerungen bei der Einrichtung der neuen High Tech-Räume vergessen. Krumm-Voeltz lobte allerdings noch einmal ausdrücklich die Mitarbeiter der Amtsverwaltung, die bei einigen der beteiligten Firmen „ordentlich Dampf gemacht haben.“ Seit gut einer Woche sind die neuen Räume nun betriebsbereit.

Chemielehrer Alexander Scholz hatte mit Jendrik Thießen, Axel Peters, Darwin Vollmers und Eric Gren ein Schüler-Quartett zusammengestellt, das zum Auftakt einfache Versuche vorführte. So nahmen die Besucher denn auch neueste Erkenntnisse über endothermische Reaktionen mit. Während die Schülergruppe ihre Experimente lediglich im weißen Kittel, aber ohne weitere Sicherheitsvorkehrungen machte, kann ein Lehrer gefährlichere Vorführungen auch sicher geschützt in einer Plexiglas-Kabine zeigen. Die Arbeitsplätze der Schüler sind mit Versorgungssäulen ausgestattet, wo man bei Bedarf Wasser und Propangas abzapfen kann. Zur Sicherheit verfügt der Lehrer über ein zentrales Not-Aus.

Im Nachbarraum sind spezielle Schülerkabinen eingerichtet worden. Hier können die Jugendlichen tief in die Welt der Chemie eintauchen. Gefährliche Abgase oder Rauchentwicklungen werden zentral über ein aufwändiges Entlüftungssystem durch die Decke abgeführt – natürlich vorschriftsmäßig gefiltert. „Vorher durften wir in unseren Räumen nicht einmal ein Streichholz anzünden“, erläutert Markus Klinger den Quantensprung im Experimentalunterricht. Der Lehrer ist an der Gemeinschaftsschule federführend für das Nawi-Projekt. Er kümmert sich auch um die erforderliche interne Fortbildung für den übrigen Lehrkörper.

Beide Nawi-Räume sind mit Smartboards ausgestattet. Möglich wurde das auch durch großzügige finanzielle Unterstützung des von den Eltern betriebenen Schul-Fördervereins – und durch eine Spende von der Wilsterschen Zeitung anlässlich des 125-jährigen Jubiläums in diesem Jahr. Bis auf den zehnten Jahrgang sind damit alle jetzt alle Klassenstufen zumindest in jeweils einem Unterrichtsraum mit Smartboards ausgestattet.

Im Unterricht kann nun auch in den Nawi-Räumen das Tablet zum Einsatz kommen, mit dessen Hilfe der Lehrer Hinweise, Schriftsätze, Grafiken, Dokumentationen oder auch Videobeiträge auf die Tafel zaubern kann. Und da auch ein Pädagoge nicht allwissend sein kann, wird notfalls schnell was gegoogelt. „Damit kann ich mich jetzt auch mal in die letzte Reihe setzen und von hier aus den Unterricht führen“, sagt Klinger. Bei den Schüler komme das jedenfalls hervorragend an. Der multimediale Unterricht ist ihnen von ihrem Freizeitverhalten her bestens vertraut. Erfreulich: Auch bislang eher schüchterne Schüler werden mit den neuen Möglichkeiten zu verstärkter Mitarbeit ermuntert.

Der gesamte Unterrichtsablauf einschließlich aller Notizen auf der Tafel kann nach der Schulstunde abgespeichert und bei Bedarf jederzeit wieder aufgerufen werden. In einem nächsten Schritt können die Schüler sich dann auch von zu Hause aus in den Schulserver einklinken und den Unterricht vom vormittag noch einmal rekapitulieren.

In den Reihen der Bürgermeister wurden allerdings auch Fragen laut, ob wirklich alle Lehrer mit der neuen Technik Schritt halten können. Markus Klinger sieht da keine Probleme. Seine Kolleginnen und Kollegen seien hochmotiviert, es gebe auch entsprechende Fortbildungen. „Und das Schönste ist doch, wenn uns auch ein Schüler mal was erklären kann.“ Zweifel, ob damit nicht ein bisschen Respekt zwischen Schüler und Lehrer verloren gehe, zerstreute Klinger.

„Wir sind jetzt auf dem allerneuesten Stand der Technik. Und das aber auch die nächsten 20 Jahre genutzt werden“, weiß Schulleiterin Krumm-Voeltz, dass die jetzige Investition in ihre Schule so schnell nicht wieder gestemmt werden kann.

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