Unterricht in extremer Enge

Unterricht im alten Chemie-Raum: (v.li.) Dominik Paschke, Kirsten Werner und Rick Jensen.
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Unterricht im alten Chemie-Raum: (v.li.) Dominik Paschke, Kirsten Werner und Rick Jensen.

Beim Tag der offenen Tür der Gemeinschaftsschule erhielten Interessierte Einblick in den Schulalltag

shz.de von
19. Januar 2015, 08:22 Uhr

Eine Woche vor dem Bürgerentscheid über den geplanten Schulneubau lud die Gemeinschaftsschule zu einem Tag der offenen Tür ein. „Uns ist es wichtig, dass die Brunsbütteler, die zum Gang an die Wahlurne aufgefordert werden, vorab die Möglichkeit erhalten, sich ein eigenes Bild vom Zustand des Gebäudes und von den räumlichen Gegebenheiten machen zu können“, betonten die stellvertretende Schulleiterin Kirsten Werner und Lehrer Heinz Staack. Interessierte Brunsbütteler, die am Sonnabend die Gelegenheit der Schulbegehung nutzten, wurden nicht nur von Schüler-Guides durch das Gebäude geführt, sondern konnten in den unterschiedlichen Klassenräumen drei Stunden lang den Schulunterricht live verfolgen.

„In manchen Klassenräumen saßen fast 30 Schüler zusammengepfercht, das hat mich schon etwas erschrocken“, sagte Daniela Karstens. Im Sommer soll ihr Kind von der Grundschule auf eine weiterführende Schule wechseln, daher nahm sie das Angebot des Tags der offenen Tür dankend an. „Für unser Kind steht ebenfalls ein Schulwechsel an und da wollten wir einfach mal schauen, ob der Zustand an der Gemeinschaftsschule wirklich so schlimm ist“, so Jesica und Frank Kämmerling. „Es ist keine Übertreibung, wenn man sagt, dass die Räume viel zu klein sind. Bei den Schülerzahlen in so engen Räumen habe ich die Befürchtung, dass manche Kinder von den Lehrern einfach gar nicht mehr richtig wahrgenommen werden können“, äußerte Frank Kämmerling. Das Paar aus der Schleusenstadt wird am 25. Januar für einen Neubau stimmen. Die Eltern haben die Befürchtung, dass ein Umbau der Gemeinschaftsschule endlos in die Länge gezogen werden würde und sich für Schüler und Lehrer über viele Jahre nichts ändern werde.

„Nachdem wir uns jetzt ein Bild von der Schule gemacht haben, werden wir für den Schulneubau stimmen“, betonten auch Kerstin und Doris Taner. „Für jedes Tier muss eine gewisse Raumgröße zur Unterbringung vorgehalten werden, das scheint augenscheinlich für Schüler nicht zu gelten“, zeigte sich Kerstin Taner entsetzt. Der fast zwei Kilometer lange Weg zur Sporthalle sowie die Unterbringung einiger Schüler in Unterrichtscontainern, die nicht einmal über Toiletten verfügen, sodass die Kinder bei Wind und Wetter erst über den Schulhof laufen müssen, um ihre Notdurft zu vollrichten oder sich schlicht die Hände zu waschen, waren nur einige Punkte, die beide Brunsbüttelerinnen entsetzten. „Sollte sich die Mehrheit gegen einen Schulneubau aussprechen, ist wirklich zu überlegen, ob man sich nicht mit anderen Eltern und Großeltern zusammenschließt, um Fahrgemeinschaften zu bilden, um die Kinder dann an einer anderen Schule unterzubringen“, waren sich Kerstin und Doris Taner einig.

„Der Zustand an unserer Schule ist unhaltbar. Ein Umbau würde beinahe so viel wie ein Neubau kosten und am Ende hätte man immer noch ein altes Gebäude. Auch wenn ich nicht mehr von einem Neubau profitieren würde, würde ich für den Neubau stimmen, auch wenn meine Eltern gegen den Neubau sind. Leider werde ich jedoch erst am 29. Januar 16 Jahre alt und darf keine Stimme abgeben“, sagte Dominik Paschke.

Ursprünglich wollten die Schüler mit selbstgefertigten Plakaten an der Außenfassade des Schulgebäudes ihre Meinung zu diesem Thema zum Ausdruck bringen. Nachbarn boten den Schüler daraufhin die Vorgärten als Aufstellflächen an. Mit Spannung sehen nun alle dem 25. Januar entgegen.

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