zur Navigation springen

Segeltörn auf „Johann Smidt“ : Unterricht auf See: Fliegende Fische sezieren

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Unterricht zum Anfassen: Freya Andersen, Schülerin vom Detlefsengymnasium, war sieben Monate auf dem Schulschiff „Johann Smidt“ unterwegs.

Glückstadt | Bergsteigen auf Teneriffa, Wandern im Regenwald in Mittelamerika, Baden im Pazifik und Tauchen im Atlantik – Freya Andersen hat in den vergangenen sieben Monaten viel erlebt. Die 16-jährige Wewelsfletherin segelte an Bord des Traditionsseglers „Johann Smidt“ im Rahmen des Projektes „High Sea High School“ der Hermann Lietz–Schule Spiekeroog mit 25 anderen Jugendlichen aus ganz Deutschland von Hamburg über den Atlantik in die Karibik. Auf dem Rückweg in die Hansestadt machte das Schiff jetzt in Glückstadt Station.

Für Freya ging mit der Reise ein lange gehegter Traum in Erfüllung. „Als ich zehn war, habe ich eine Fernseh-Doku über die High Sea High School gesehen. Seitdem wollte ich da mit fahren“, sagt die Schülerin des Detlefsengymnasiums. Im vergangenen Jahr war sie alt genug für die Bewerbung. Nach Auswahlgesprächen und einem kurzen Probetörn stach sie im Oktober vergangenen Jahres in See. „Die ersten Tage an Bord waren echt nicht schön. Ich war so seekrank, dass ich froh war, wenn ich mich nur einmal am Tag übergeben musste. Es dauert ein wenig bis ich richtig seefest war“, sagt Freya.

Erstes Ziel der Reise waren die Kanaren. Auf Teneriffa bestiegen die Schüler den 3718 Meter hohen Pico del Teide, den höchsten Berg Spaniens. Für Freya eines der absoluten Höhepunkte der gesamten Reise: „Wir haben am Berg kurz unter dem Gipfel übernachtet und sind am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang ganz oben gewesen. Ein unvergessliches Erlebnis.“ Von den Kanaren segelte die „Johann Smidt“ weiter Richtung Mittelamerika. In Panama lag sie für vier Wochen vor Anker. Ihre Besatzung entdeckte das Festland. „Wir waren für zehn Tage bei Gastfamilien in einem kleinen Dorf in Costa Rica unterbracht. Die Verständigung war nicht ganz einfach, aber die Menschen sehr lieb.“

Besonders beeindruckt hat Freya eine Wanderung durch den Regenwald und das eigenhändige Herstellen von Schokolade auf einer Kakaoplantage. „Die schmeckte ganz anders als zuhause, aber sehr gut“, erzählt sie mit einem Lachen. Im Frühjahr lief das Schulschiff Kuba an. Dort besuchten die Jugendlichen unter anderem eine Partnerschule des Hermann-Lietz-Gymnasiums und nahmen am Unterricht teil. „Das war schon seltsam. Alle trugen Uniformen und es ging viel strenger zu als wir es gewohnt sind.“

Während der Reise wurden die Teilnehmer, die in der Heimat alle die 11. Klasse besuchen, von vier Lehrern unterrichtet. Durchgenommen wurde der normale Schulstoff – inklusive Klausuren. „Trotzdem ist es natürlich ganz anders als an Land. Die Nähe zwischen Lehrern und Schülern ist viel größer“, sagt Wulf Gero Fackiner. Der Pädagoge aus der Nähe von Frankfurt unterrichtete an Bord Englisch, Deutsch, Politik und Geschichte. „Es war eine fantastische Erfahrung.“

Freya Andersen ist vom Unterricht vor allem ein Ereignis im Gedächtnis geblieben: Im Biologie-Unterricht wurden fliegende Fische seziert, die zuvor von den Schülern bei reichlich Seegang an Deck eingesammelt worden waren. „Wir haben auch probiert sie zu essen, aber sie schmeckten leider gar nicht.“ Für das Kochen und alle weiteren anfallenden Arbeiten an Bord waren die Jugendlichen während der Reise selbst verantwortlich. Kapitän Dr. Uwe Lohmeyer, der mit einer erfahrenen Stammbesatzung die Fahrt der „Johann Smidt“ begleitete: „Die Schüler sind an Bord in alles eingebunden. So lernen sie bei uns nicht nur das Segeln, sondern vor allem Teamwork und Verantwortungsbewusstsein. Was sie nach der Reise im Gepäck haben, hilft ihnen das ganze Leben.“

In Glückstadt stand für die Jugendlichen am Freitag als letzter Programmpunkt ihrer langen Fahrt die Sportboot–Führerscheinprüfung an. Danach hieß es für alle „Klar Schiff“ machen, bevor die „Johann Smidt“ Richtung Hamburg auslief, wo heute die Eltern ihre Kinder am Sandtorkai in Empfang nehmen. Auch Freya sieht ihre Familie erst in Hamburg. „Einige Freunde habe ich aber Mittwoch schon beim Maifeuer getroffen.“ Für die 16-Jährige geht es dann in einer Woche wieder in den normalen Schulalltag in Glückstadt. „Ich freue mich vor allem darauf endlich wieder Leichtathletik machen zu können. An Bord konnte man sich nicht so richtig bewegen.“

Infos über das Projekt

Infos über das Projekt und die Anmeldung zur High Sea High School sind unter lietz-nordsee-internat.de/de/highschool zu finden.
 

Über die Johann Smidt

Die Johann Smidt wurde 1974 in Amsterdam als Jugendsegler gebaut. Es  wurden alle Segelarten berücksichtigt, die auf traditionell geriggten Segelschiffen gefahren werden. 1989 erwarb der Verein Clipper Deutsches Jugendwerk zur See den Toppsegelschoner. Seit 2007 ist die Johann Smidt das Ausbildungsschiff der „High Sea High School“ und überquerte  schon mehrfach den Atlantik. Sie ist 36 Meter lang, acht Meter breit und hat einen Tiefgang von 3,60 Meter. Ihre Masten bieten Platz für knapp 500  Quadratmeter Segelfläche. Der Stahlrumpf des Schiffes kann eine 37-köpfige Crew beherbergen.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen