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Ausbildung : Unternehmen kritisieren Schulnoten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ausbildungsplatzbewerber schneiden in Tests deutlich schlechter ab. Brunsbütteler Industrie sucht Gespräch mit Lehrern.

Offenbar wenig aussagekräftig sind die Zensuren in den Zeugnissen, mit denen sich Schüler um Ausbildungsplätze in der Schleusenstadt bewerben. Vor allem die Industrie sieht eine deutliche Diskrepanz zwischen Schulnote und Abschneiden beim Eignungstest. Die Firmen im Industriegebiet wollen nun reagieren. Sie wollen einen Arbeitskreis bilden und das Gespräch mit Schulen der Region suchen, um eine Lösung für das Dilemma zu erarbeiten. Der Unterschied zwischen Schein und Sein betreffe alle Schularten, haben Ausbildungsleiter und Personalchefs beobachtet.

„Wir haben festgestellt, dass mit den Schulnoten etwas nicht stimmt“, sagt Wolfgang Pfeffer, Ausbilder bei Sasol und zugleich Vorsitzender des Brunsbütteler Gewerbevereins (HGI), und zeigt auf ein inhaltlich typisches Diagramm: Von 41 Teilnehmern eines Eignungstests haben demnach 24 ein Ergebnis geschafft, dass um eine Zensur unter ihrem Notendurchschnitt lag, einer wich sogar um drei Noten nach unten ab.

Natürlich, sagt Bayer-Ausbildungsleiter Knut Pommerenke, seien Zeugnisse nicht das alleinige Kriterium für einen Ausbildungsplatz. Aber über die Note wird zunächst mal entschieden, wer zum Test eingeladen wird. Und das seien heute mehr als noch vor ein paar Jahren, erklärt Wolfgang Pfeffer – bei gleichbleibender Bewerberquote. Oft offenbarten dann Gespräche eklatante Wissenslücken. Die liegen für Jürgen Peters (Sasol) vor allem im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich: Dreisätze und Prozentrechnung beherrsche kaum noch ein Bewerber um eine Lehrstelle. Und Chemiekenntnisse seien vielfach nicht ausreichend. Helge Braak, Personalleiter bei Yara fasst das so zusammen: „Wir haben in den Unternehmen unterschiedliche Tests, machen aber seit vier, fünf Jahren die gleiche Erfahrung.“

Eine nicht haltbare Situation vor einem sich langsam ankündigenden Fachkräftemangel. Die Firmen bilden in Brunsbüttel für den Eigenbedarf aus. Sasol, so Wolfgang Pfeffer, werde wohl aktuell zwei Ausbildungsplätze mangels geeigneter Bewerber nicht besetzen können. Die Problematik betreffe nicht nur die Industrieunternehmen, betont Pfeffer in seiner Eigenschaft als HGI-Vorsitzender.

Mit Blick auf Einzelhandel und Handwerk macht er deutlich, was die schulisch schlechte Vorbereitung auf das Berufsleben auch für die Jugendlichen bedeuten kann: „Kleine Betriebe bilden am Ende gar nicht mehr aus.“ Das könne niemand wollen.

Nun soll gegengesteuert werden. Ken Blöcker, Geschäftsführer des Unternehmensverbands Unterelbe-Westküste, will nicht über die große Bildungspolitische Schiene ansetzen. Vielmehr soll ein „Arbeitskreis Bildung“ in Dialog mit den Schulen treten und gemeinsam mit den Lehrern herausfinden, warum die im Grundsatz in den Schulen bekannten Eignungstests heute für Schüler eine so hohe Hürde darstellen. Zunächst soll die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) angesprochen werden, später auch die Lehrer-Fortbildungseinrichtung IQSH. Blöcker: „Wir brauchen aussagekräftige Schulnoten.“ Eine Musterlösung, wie dies wieder erreicht werden kann, hätten aber weder der Verband noch die Ausbildungsbetriebe in der Tasche.

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erstellt am 19.Feb.2015 | 05:01 Uhr

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