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Norddeutsche Rundschau

18. Oktober 2017 | 04:32 Uhr

Unterelbehäfen: Kooperation klappt

vom

Die jetzt als Elbeseaports auftretenden Häfen von Cuxhaven bis Hamburg sehen in der Gemeinsamkeit ein funktionierendes Geschäftsmodell

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Brunsbüttel | Gemeinsam sind sie stark, die fünf Häfen der Unterelberegion von Cuxhaven bis Hamburg, die seit Juni als Elbeseaports auftreten. Vor vier Jahren wurde das Bündnis unter Beteiligung der Länder Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen auf die Beine gestellt, anfangs noch als Hafenkooperation Unterelbe - eine im internationalen Geschäft zu sperrige Bezeichnung. Ein endgültiger Dachbegriff für diese Zusammenarbeit der so unterschiedlichen Häfen mit ebenso unterschiedlichen Interessen liegt bereits in der Schublade: "Ich würde mir wünschen, dass wir in einigen Jahren Ports of Hamburg heißen", erklärte Frank Schnabel, Geschäftsführer der Brunsbüttel Ports, am Donnerstag bei einem Infoabend in der Schleusenstadt vor 100 geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft. Noch tut sich Niedersachsen schwer mit dieser Marke, die ein wenig nach Einverleibung durch den übermächtigen Partner Hamburg klingt.

Wie gelingt eine Kooperation zwischen einem Hafen wie Hamburg mit einem Seegüterumschlag von 131 Millione Tonnen im vorigen Jahr und Cuxhaven (2,8 Millionen) - Brunsbüttel liegt mit 11,5 Millionen Tonnen deutlich an zweiter Position? Die Antwort: Die fünf Partner, zu denen auch Stade (5,7 Mio. t) und Glückstadt (140 000 t) gehören, müssen sich auf Augenhöhe begegnen. Das sei noch vor einigen Jahren nicht selbstverständlich gewesen, erinnerte Schnabel. Hamburg habe gar kein Interesse an den anderen Elbehäfen gehabt.

Inzwischen ist ein deutlicher Wahrnehmungswandel eingetreten. Jens Meier, Geschäftsführer der Hamburg Port Authority, unterstrich dies: "Wir sind Wettbewerber, die kooperieren." Das gemeinsame Marketing übernimmt die Hansestadt - und erspart den kleinen Partnern, auf internationaler Ebene immer wieder erklären zu müssen, wo ihre Häfen denn eigentlich lägen. Unter der Marke Elbeseaports, so Meier, vereinigten sich unterschiedlichste Hafendienstleistungen, die es zu managen gelte, um letztlich der gesamten Region von der Hansestadt bis an die Elbmündung wirtschaftliches Wachstum zu bescheren.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer bekräftigte, dass der Hamburger Hafen unterm Strich größter Arbeitgeber des nördlichsten Bundeslands sei - und in Niedersachsen nach VW an zweiter Stelle rangiere. In diese Kerbe schlug auch Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch: Wirtschaftliche Abläufe dürften nicht an Ländergrenzen Halt machen. "Ich sehe in der Unterelbekooperation nur Ergänzungen."

Wie die aussehen könnten, beschrieb Jens-Albert Oppel, Chef der Niedersachsen Ports am Beispiel der Einführung spezieller Liegegebühren für umweltfreundliche Schiffe. Nachdem Brunsbüttel dem Hamburger Beispiel gefolgt ist, sollen entsprechende Tarife ab Jahresbeginn 2014 auch in den niedersächsischen Häfen eingeführt werden. Ein Griff zum Telefon, so Oppel, und schon habe er wichtige Erkenntnisse der beiden anderen Partner bekommen. "Für mich ist der kurze Draht entscheidend." Das gelte auch für den Umgang mit EU-Richtlinien. Eine solche Zusammenarbeit unterscheide nicht zwischen großem und kleinem Hafen. "Jeder hat seine Stärken und Schwächen", so Oppel.

Einig waren sich Minister Meyer und Senator Horch, dass gerade die Energiewende großes Potenzial für die Unterelbehäfen berge. Ihren Sitz hätten die entscheidenden Unternehmen in Hamburg, so Horch, ihre Anlagen verschiffen sie aber über die Partnerhäfen. Ohnehin hätten diese Flächen zur Verfügung, wie sie die Hansestadt so nicht habe.

Damit aber der Güterabfluss bestmöglich funktioniere, benötigten die Häfen eine gute Infrastruktur. Horch: "Die Verkehrsanbindungen sind eine der großen Herausforderungen." Hohe Umschlagszahlen nützten wenig, wenn die Waren nicht aus den Häfen abtransportiert werden könnten. Damit schlug er den Bogen zum maroden Nord-Ostsee-Kanal, dem Engpass A7 und letztlich der A20. Auch die Elbvertiefung gehöre dazu: "Wertschöpfung und Arbeitsplätze in den Häfen haben Priorität." Wenn dieses Ziel gemeinsam verfolgt werde, könne die Unterelberegion davon nur profitieren. Horch: "Wir haben die Chance, einer der prosperierendsten Regionen in Nordeuropa zu werden."

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