EU verbietet Jiagoulan : "Unsterblichkeitskraut" auf dem Index

'Unsterblichkeitskraut' hilft ergänzend bei der Krebstherapie, sagt Jens Rusch. Foto: Pöschus
"Unsterblichkeitskraut" hilft ergänzend bei der Krebstherapie, sagt Jens Rusch. Foto: Pöschus

Jens Rusch kritisiert die Folgen einer EU-Richtline für Krebspatienten, die Jiagoulan ergänzend zur medizinische Therapie verwenden. Die Pflanze wird nicht als Nahrungsmittel anerkannt.

shz.de von
01. März 2012, 07:50 Uhr

Brunsbüttel | Sie heißt im Volksmund "Unsterblichkeitskraut" und ist eine Kletterpflanze aus der Familie der Kürbisgewächse: Jiagoulan. Der Brunsbütteler Jens Rusch sieht das aus Asien stammende Gewächs als Ergänzung in der Krebstherapie, verschenkt seit Jahren Setzlinge an Tumorpatienten. Jetzt sieht er dies durch eine neue EU-Richtlinie gefährdet. Denn Jiagoulan fällt unter die Non-Food-Verordnung, wird nicht als Nahrungsmittel anerkannt.
"Seit Jahren erreichen uns aufgebrachte Anfragen über Verbotsbestimmungen, die immer wieder außer Kraft gesetzt wurden, weil man sich nicht einig war, ob man Jiaogulan als Heilmittel oder als Genussmittel zu bezeichnen hätte. Einige Händler gingen aus der Not sogar dazu über, Jiaogulan als Zierpflanze zu deklarieren", erzählt Rusch. Jetzt würden Hoffnungen von Krebspatienten "völlig missachtet".
Keimlinge aus Thailand
Rusch brachte im Jahr 2005 aus Thailand Keimlinge der Pflanze nach Dithmarschen. Diese wurden im Marner Betrieb des Kohlsaat-Züchters Rijk Zwaan geklont und genetisch unverändert multipliziert. Dadurch enthalten diese Stämme wesentlich höhere Wirkstoffmengen, als durch Samen die von in Deutschland weitergezüchteten Pflanzen stammen. Seitdem hat Rusch regelmäßig Keimlinge aus dieser Zucht weitergereicht.
Auf diese Weise sei eine "Gemeinde von Selbstversorgern" entstanden, die sich auf seiner Internetseite Tipps und Ratschläge zum Selbstanbau von Jiagoulan holten. Fernsehkoch Thies Möller und der Marner Bäcker Mark Riemann entwickelten sogar ein Brot mit der Pflanze. Die allerdings, betont Jens Rusch, sei kein alleiniges Mittel im Kampf gegen Krebs. Aber sie erweise sich als nützliche Ergänzung, als Komplementärmedizin zu herkömmlichen Therapien. "Jiaogulan ist eine kraftvolle Pflanze, um die eigene Vitalität zu unterstützen", sagt der Brunsbütteler.
Nicht nur die EU-Richtlinie ist ein Problem
Er sieht aber nicht nur die EU-Richtlinie als Problem. Denn in seinem Garten habe der Winter den Pflanzen weitgehend den Garaus gemacht. Jiagoulan sei zwar im Boden frostresistent, minus 18 Grad hätten sich in der Vergangenheit nicht als kritisch erweisen. Doch diesmal hätten angesichts milder Temperaturen bereits im Januar der ersten Pflänzchen ausgetrieben. Und dann kam im Februar der harte Frost. "In unserem Garten liegen überall erfrorene Stämme der auch für mich persönlich sehr überlebensbestimmenden Pflanze herum", erzählt er.
Er habe zwar bereits Kontakt zu Freunden in Thailand aufgenommen, um neue Pflanzen zu bekommen. Angesichts der jetzt geltenden Regelung sei es jedoch sehr fraglich, ob das "Unsterblichkeitskraut" überhaupt noch versandt werden könne. Das sei der für Krebspatienten sehr bedauerliche Aspekt, sagt Rusch.

Jiaogulan ist eine Kletterpflanze aus der Familie der Kürbisgewächse. Sie ist in China, Japan und Thailand beheimatet. Diese Art wird auch "Kraut der Unsterblichkeit" genannt, weil in bestimmten Regionen eine überdurchschnittlich hohe Lebenserwartung auf den Konsum der Pflanze zurückgeführt wird. Jiaogulan wurde erst 1976 von der modernen Wissenschaft "entdeckt", nachdem japanische Forscher zuvor seine bemerkenswerten Wirkungen im Labor untersucht hatten. In China trägt Jiaogulan den Namen "Unsterblichkeitskraut" oder "Wundergras".
Quelle: Wikipedia


Jens Rusch ist Mensch des Jahres 2012 der Norddeutschen Rundschau und Wilsterschen Zeitung. Im Video spricht er auch über Jiagoulan:
zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen