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Itzehoe : „Unsere Moschee steht für alle offen“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Flüchtlings-Zustrom: Beim Freitagsgebet platzt das Gebetshaus aus allen Nähten/ Gemeinde-Mitglieder helfen mit Kleidern und Sprach-Projekt

von
erstellt am 02.Nov.2015 | 12:13 Uhr

Bei den Freitagsgebeten platzt die Moschee in der Wilhelm-Biel-Straße im Moment aus allen Nähten. Der Zustrom durch die Flüchtlinge ist riesig. „Wir hatten sowieso schon mehr Zulauf. Aber durch das Camp Prinovis ist es noch mehr geworden“, sagt Bülent Özsimsek, zweiter Vorsitzender des Türkisch-Islamischen Kulturvereins. „Es kommen gut 70 Prozent mehr Besucher.“

Vom Platz her sei das manchmal kaum zu bewältigen. Trotzdem ist jeder einzelne Gast willkommen. „Unsere Moschee steht für alle offen“, betont Bülent Özsimsek. „Man kann niemandem verwehren, ein Gotteshaus zu besuchen. Das wäre gegen unsere Prinzipien und gegen unseren Glauben.“

Die islamische Gemeinde empfinde die Gäste als Bereicherung. So sei in diesem Jahr zum ersten Mal den ganzen Fastenmonat hindurch das Fastenbrechen in der Moschee bei vollem Haus gefeiert worden. „Es wurde zum Teil 100 Leuten Essen gereicht“, erzählt der 45-Jährige. „Das war schon schön.“ Alle hoffen, dass sich auch im nächsten Jahr wieder genügend Sponsoren finden, die das möglich machen.

Doch die Männer und Frauen in der Moschee kennen auch die Schattenseiten. „Wir kriegen die Sorgen und Nöte der Flüchtlinge direkt mit“, sagt Bülent Özsimsek. Und es sei selbstverständlich, dass geholfen werde. „Es passiert ganz viel im Verein – im Stillen.“ Insbesondere die Frauen seien sehr aktiv. „Sie haben schon viele Kleiderspenden gesammelt“, sagt Bülent Özsimsek und deutet auf einen Stapel Säcke in der Ecke. Die Verteilung erfolge „reihum“, eine Familie nach der anderen werde bedient. Es gebe in der Moschee leider keine Lagermöglichkeiten, deshalb müsse alles im kleinen Rahmen passieren. „Aber es hat sich schon gut herumgesprochen.“ Und die Beschenkten seien mehr als dankbar.

Mehrere Familien des Türkisch-Islamischen Kulturvereins haben das Camp Prinovis auch selbst besucht, vor Ort geholfen und übersetzt. Es gebe zwar Sprachbarrieren, aber die Verständigung klappe ganz gut, weil einige Mitglieder des Vereins Arabisch sprechen und insbesondere Flüchtlinge aus Nordsyrien meist auch etwas Türkisch verstehen.

Bei all dem sei den Mitgliedern des Türkisch-Islamischen Kulturvereins auch aufgefallen, dass insbesondere die älteren Flüchtlinge leicht durch das Raster fallen. Bei Sprachkursen liege das Augenmerk meist auf den jüngeren Menschen. „Die Altersgruppe ab 50 hat man nicht so im Blick“, bedauert Bülent Özsimsek. „Aber auch sie müssen doch möglichst schnell die deutsche Sprache lernen, damit sie zurecht kommen und wenigstens einkaufen können.“ Deshalb sollen für die Gruppe 50 plus in der Moschee Deutschkurse angeboten werden. Dafür werden dringend noch ehrenamtliche Sprachpaten gesucht. „Montags und dienstags ist die Moschee abends in der Regel frei, so dass man in Kleingruppen lernen könnte“, sagt der 45-Jährige. „Wir wollen erst einmal im Kleinen anfangen, wenn es sich rumspricht, kommt der Zustrom von alleine“, ist er sich sicher.

Ob auch deshalb so viel Hilfe aus den Reihen des Türkisch-Islamischen Kulturvereins komme, weil viele ältere Mitglieder selbst noch wissen, wie es ist als Fremder nach Deutschland zu kommen? Man könne das nicht vergleichen, sagt Bülent Özsimsek. Nicht nur, weil die so genannten „Gastarbeiter“ nicht auf der Flucht waren. „Das war damals eine andere Zeit. Wer nach Deutschland kam, war schnell in Lohn und Brot, es gab Arbeit und Wohnungen. Es war einfacher als für die Menschen, die jetzt kommen.“ Viele der heutigen Flüchtlinge seien gebildete Menschen. „Ohne Krieg hätten sie ihre Heimat nie verlassen.“

Manch einer von ihnen wird vielleicht in Itzehoe eine neue Heimat finden – und sich womöglich eines Tages hier so wohl fühlen wie Bülent Ozsimsek, der vor 38 Jahren nach Itzehoe kam. Er besuchte die Fehrs-Schule, wohnte dann viele Jahre in Wellenkamp, bevor er in die Innenstadt zog. „Ich finde Itzehoe toll“, sagt er.

>Kontakt: Bülent Özsimsek, 0160/4752956, oezsimsek@web.de.







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