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Ein besonderes Datum : „Unsere Hochzeit ist 08/15“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gewöhnliche Trauung und Chaoshochzeit: Zwei Paare erzählen vom Ja-Wort an einem „alltäglichen“ Datum.

Unter Wasser, auf einem Schloss, in einem Heißluftballon – es gibt Paare, denen kann der Ort der Trauung gar nicht exotisch genug sein. Oder das Datum. Heiraten nach Schnapszahlen ist auch sehr beliebt. Für die Itzehoer Katrin Kehr und Jan Griesbach ist das alles nichts. „Wir heiraten erst standesamtlich und gehen danach mit der Familie und den Trauzeugen essen“, erzählt Katrin Kehr. Eine Feier, Tauben oder eine Kutsche wird es nicht geben. „Unsere Hochzeit ist total 08/15.“ Und das im wörtlichen Sinne: Denn Heiraten im August, das steht in diesem Jahr schlicht für 08/15. „Aber unsere Liebe ist etwas ganz Besonderes“, sagt Katrin Kehr.

Dass es eine 08/15-Hochzeit wird, war Katrin Kehl und Jan Griesbach gar nicht bewusst als sie sich für den 28. August 2015 beim Standesamt anmeldeten. „Erst ein Kollege hat mich darauf aufmerksam gemacht“, erzählt die Itzehoerin. Der Tag des Ja-Worts ist aber bewusst gewählt: „Am 28. August haben wir uns das erste Mal geküsst. Es ist unser Jahrestag“, verrät Jan Griesbach.

„08/15“: Das steht für etwas Alltägliches und Unoriginelles oder auch Gewöhnliches. Es gibt verschiedene Theorien, woher das geflügelte Wort stammt. Fest steht, dass es mit einem  alten Maschinengewehr, das 1908 entworfen wurde und im Ersten Weltkrieg als LMG 08/15 zum Einsatz kam, in Verbindung steht. Im Laufe des Krieges wurden die Zahlen zu einer Metapher für den geistlosen, militärischen Drill.  Verbreitung fand der Begriff durch die  Weltkriegs-Romantrilogie „08/15“  von  Hans Helmut Kirst (1914-1989) Mitte der 1950er Jahre.

Die Herkunft des Ausdrucks ist zwar alles andere als romantisch, das schreckt aber keines der 14 Paare, die diesen Monat ihre Liebe mit einer 08/15-Hochzeit im Standesamt Itzehoe krönen. Jede Hochzeit ist etwas Besonderes“, findet Standesbeamtin Birgit Dietz. Obwohl das Prozedere immer ähnlich sei, sei jede Trauung individuell. „Die Menschen und damit auch die Stimmung sind jedes Mal anders.“ Aber eines ist bei allen Trauungen gleich: „Der schönste Moment ist für mich immer die Frage – und der Kuss danach.“

Dass ihre „Durchschnittsehe“ zum Scheitern verurteilt ist, glauben Katrin Kehr und Jan Griesbach nicht. „Wir sind eine Einheit“, sagt er. „Oft haben wir die gleichen Gedanken und verstehen uns auch ohne Worte.“ Und Streit gebe es auch nur einmal im Jahr. Geklappt hat es mit den beiden aber erst im zweiten Anlauf: Vor Jahren waren beide im selben Freundeskreis, Jan Griesbach sogar „heimlich verliebt“, aber dann ist er in eine andere Stadt gezogen. Vor drei Jahren trafen sich die beiden auf einer Fete in Brokdorf wieder. Vier Wochen später waren sie ein Paar. So ganz 08/15 ist ihre Beziehung aber nicht: „Das Kochen übernimmt Jan, ich spiele und gucke Fußball“, erzählt sie lachend.

Alles andere als 08/15 wird die deutsch-polnische Hochzeit von Eliza Zabuski (32) und Thomas Arbeiter (30). Bis sie am 21. August „Kocham cie“ und er „Ich liebe Dich“ als verheiratetes Paar hauchen können, waren einige Hürden zu nehmen. „Wir haben noch keine Ringe und noch keine Schuhe“, erklärte Eliza Zabuski ein paar Wochen vor der Hochzeit. „Und wir können noch nicht tanzen. Notfalls tun wir eben so, als könnten wir es“, sagt ihr Bräutigam grinsend.

Trauung mit Turbulenzen: Eliza Zabuski und Thomas Arbeiter.
Trauung mit Turbulenzen: Eliza Zabuski und Thomas Arbeiter. Foto: Röhrs
 

Die Braut musste sogar ihren Namen ändern lassen – von Zabuski in Zabuski. „Eine Änderung war das eigentlich nicht.“ Aber weil Dokumente mit der in Polen üblichen weiblichen Form des Nachnamens – Zabuska – existieren, war der Behördengang notwendig. Die Nerven verlor sie allerdings nur einmal: „Als meine Familie vorschlug, dass wir Tiefkühltorten nehmen sollen, weil keine Hochzeitstorte in Sicht war, war mein Puls auf 200.“ Rückhalt gab es in dem Vorbereitungschaos auf die 08/15-Hochzeit von den Eltern. Eliza: „Sie haben uns sehr unterstützt. Dafür sind wir ihnen echt dankbar.“

Den Heiratsantrag gab es vergangenes Jahr – von ihr: „Nach dem Finale der Fußball-Weltmeisterschaft habe ich ihn gefragt, ob er mich heiraten möchte. Ich dachte, das sei ein toller Zeitpunkt.“ Aber Thomas war „perplex“ und lehnte erst einmal ab: „Das ist doch die Aufgabe des Mannes zu fragen.“ Dass es eine 08/15-Hochzeit wird, liegt an dem Sohnemann. „Er soll im November zur Welt kommen. Bis dahin wollten wir verheiratet sein.“

Ein so rasantes Tempo ist für die Beziehung ungewöhnlich. „Wir kennen uns schon aus Kindertagen“, sagt Thomas Arbeiter. In der Schule hatten sie zusammen katholischen Unterricht, waren sogar zusammen im Zeltlager. „Ich fand sie immer schon toll“, schwärmt er, angesprochen habe er sie aber nie. „Wir lebten einfach so nebeneinander her.“ Erst eine Geburtstagsparty vor drei Jahren brachte den Stein ins Rollen.

Auch wenn es lange gedauert hat bis sie zueinander fanden – für beide ist es die große Liebe. Thomas Arbeiter: „Ich brauche keinen Junggesellenabschied. Ich freue mich total auf unsere Hochzeit und vermisse an ihrer Seite gar nichts.“

 

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erstellt am 08.Aug.2015 | 16:51 Uhr

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