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Kurze Ausstellung : Unscheinbares verwandelt sich in Kunstwerke

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ausstellung im Palais für aktuelle Kunst zeigt verfremdete Fotografien.

Uwe Paduck liebt die Weite der nordischen Landschaft, wie er sie in seinem Borsflether Atelier täglich vor der Haustür findet. Wer seine Bilder betrachtet, die diese Woche in einer Kurzschau im Palais für Aktuelle Kunst (PAK) zu sehen sind, schweift mit ihnen in die Unendlichkeit des tiefen Himmels, in die Tiefe des unendlichen Grüns. Der Künstler macht dies in keinster Weise schwelgerisch, sondern stets mit einem Aufmerksamkeit forderndem Akzent.

Paduck arbeitet mit gezielten Unschärfen, mit geschwärztem Himmel, mit leichten Verfremdungen oder mit Eye-Catchern, „Hinguckern“, wie sie die Fotografie kennt: Ein Hochhaus, ein Strommast, ein farbiges Bootsteil oder ein leuchtendes Verkehrszeichen zwischen saftigem Gras oder auf sanften Hügeln verknüpfen in unserer Wahrnehmung zeitlose Ästhetik mit wacher Präsenz.

So dominiert beispielsweise in einer Nebel-Marschlandschaft, die wie ein Gebirge wirkt, eine überscharf gezeichnete Parabolantenne und erinnert uns an die Zivilisationseingriffe. Diese unterstreichen zuweilen kritisch die Schönheit, zuweilen brechen sie sie auch. Auf jeden Fall holt Uwe Paduck mit dieser leicht surrealistischen Note romantische Anmutungen in die Gegenwart. Trotz der Menschenleere seiner Arbeiten wirken diese nicht düster, zeugen von einer kritischen, aber eher heiteren Grundstimmung des Künstlers.

Er malt meist nach Ausschnitten von Fotos, die selbst eher nichtssagend sind und die er gezielt zuspitzt. „Ich suche mir die unspektakulären Abschnitte von Fotos aus, aber es sind durch die Bearbeitung keine Abbilder.“ Im PAK finden sich die Rhinplatte wieder, ein Bauplatz, eine Rechtskurve oder Bahntrasse, Gewitter oder Kondensstreifen – so einige Titel seiner Bilder. Paduck zeigt Arbeiten der letzten zwei Jahre, Öl auf Leinwand oder Aquarelle, darunter auch Eindrücke von Reisen nach Irland oder Venedig. Für ihn hat der Realismus seiner Arbeiten „etwas Richtiges, was schon da ist“ und steht damit gegen die mögliche Beliebigkeit der Abstraktion, die er auch einige Jahre lang für sich austestete, aber wieder hinter sich ließ.

Betrachtet man Uwe Paducks Werdegang, erschließt sich das Zeichenhafte, mit dem der in seiner Malerei distanzierende Akzente setzt. Nach einer Schriftsetzer-Ausbildung schaffte er als einer der wenigen unter 400 Bewerbern die Aufnahme in die Hamburger Hochschule für bildende Kunst (HbfK) im Lerchenfeld. Auch als sich alle in den wilden 60-ern der amerikanischen Pop-Art zuwenden oder eher zu Demos als zum Arbeiten zusammenfinden, widmet er sich in den fast leeren Ateliers seiner Lehrer weiterhin dem Zeichnen, der Kalligraphie und der Schrift.

Später verdiente er sich den Lebensunterhalt als Drucker – mit Radierungen für die Griffelkunst oder Georg Baselitz. Er engagierte sich viele Jahre lang im selbst verwalteten Hamburger Künstlerhaus in der Weidenallee/Schanzenviertel, das seit 1977 Wohn-, Arbeits- und Ausstellungsmöglichkeiten in einem bot und 25 Jahre später nach Altona umziehen musste. Vor 20 Jahren übersiedelte der heute 71-Jährige von Hamburg in die Krempermarsch und -in die Weite des Horizonts, die er nun mit der Kalligraphie der Moderne hervorhebt.

>Die Ausstellung im Palais für Aktuelle Kunst, Am Hafen 46, ist bis Sonntag, 22. Februar, täglich von 15 bis 17 Uhr geöffnet, außerdem nach Vereinbarung: 04824/897.

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