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Norddeutsche Rundschau

24. November 2017 | 12:29 Uhr

Verkehr : Unfall mit Nachspiel vor Gericht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Weil sie einen Fußgänger an einer Kreuzung in Itzehoe übersehen hatte und schwer verletzte, muss eine 81-Jährige Autofahrerin 1000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Mit einer Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro, ausgesetzt auf ein Jahr zur Bewährung, sowie 1000 Euro Schmerzensgeld, zahlbar an das Opfer, einen 67-jährigen Fußgänger, endete für eine bis dato unbescholtene 81-jährige Autofahrerin aus Itzehoe ihr kürzlich vor dem Amtsgericht geführtes Strafverfahren. Die Frau hatte den Fußgänger angefahren und sich somit einer fahrlässigen Körperverletzung schuldig gemacht.

Die Seniorin – es war ihr erster Auftritt vor Gericht – erwies sich als uneinsichtig in ihr Verschulden, akzeptierte aber letztlich auf Anraten ihres erfahrenen Strafverteidigers Bernd Püschel das milde Urteil. ,,Meine Mandantin ist nach wie vor von ihrer Einlassung überzeugt, aber wir würden dem Vorschlag des Gerichts folgen“, sagte Püschel, der auf eine Einstellung des Verfahrens gehofft hatte. Eine Einstellung lehnte Richter Mark Eidam aber angesichts der schweren Verletzungen, die das Opfer davongetragen hatte, strikt ab. Eidam schlug die letztlich ausgesprochene ,,Verwarnung mit Strafvorbehalt“ vor, wie eine, Geldstrafe auf Bewährung unter Juristen heißt.

Anlass für den Prozess war folgendes Geschehen: Die 81-Jährige fuhr in ihrem Opel am 21. September 2016 um 16.10 Uhr die Itzehoer Hindenburgstraße hoch, um nach links in den Coriansberg abzubiegen. Dort ist eine 100-Grad-Kurve, die Fahrer, da der Coriansberg eine Einbahnstraße ist, offensichtlich gerne linksseitig schneiden, wie der Reifenabrieb auf dem Gehweg belegt. Der 67-jährige Fußgänger passierte vom rechten Gehweg des Coriansberg kommend die Straße nahe der Kreuzung. Als er sich nur noch ein bis zwei Meter vom linken Gehweg entfernt auf der Fahrbahn befand ,,wurde der Herr von ihnen über den Haufen gefahren, das muss man so drastisch sagen“, verdeutlichte Eidam der uneinsichtigen Rentnerin in seiner Urteilsbegründung deren Verschulden. Eidam stellte aber auch klar: ,,Es ist ein Fehler, wie er jedem im Straßenverkehr passieren kann.“

Die 81-Jährige hatte in ihrer Darstellung des Geschehens behauptet: ,,Der Herr ist mir geradezu vors Auto gesprungen, ich hatte keine Chance zu reagieren.“ Der 67-Jährige aber war damals schon aufgrund eines Schlaganfalls und einer weiteren Erkrankung zum ,,Springen“, oder,,über die Fahrbahn huschen“, wie es an anderer Stelle hieß, definitiv nicht in der Lage. Zudem: Hätte die Angeklagte die Kurve normal durchfahren und ihr Fahrzeug, wie geschehen, nicht nach links verzogen, wäre sie problemlos rechtsseitig an dem Mann vorbeigekommen.

Mit ,,einem Affenzahn“ sei die Opel-Fahrerin auf ihn zugekommen, sagte der Geschädigte, und fügte hinzu: ,,Ich hab sie die ganze Zeit im Auge gehabt, nicht ein einziges Mal hat sie nach vorne geguckt.“ Die Angeklagte will stets nach vorne geblickt haben. Ihre Wahrnehmungen und die des Fußgängers unterscheiden sich erheblich. Gleichwohl, die 81-Jährige hat keine Punkte in Flensburg und keine Vorstrafen. Warum sie nicht rechtzeitig auf den Fußgänger reagierte, blieb letztlich ungeklärt.

,,Wären die Verletzungen nicht so drastisch gewesen, hätte ich eine Einstellung mitgemacht“, sagte Eidam. Der 67-Jährige erlitt Frakturen an Schulter, Ellbogen und Knie, sowie beim Aufprall auf die Windschutzscheibe eine Kopfplatzwunde. Er kam ins Uni-Klinikum Eppendorf, musste mehrfach operiert werden, war insgesamt drei Monate im Krankenhaus und in der Reha im Klinikum Boberg. Er geht heute am Stock und benötigt eine Knieprothese, wird also erneut für vier Wochen ins Krankenhaus müssen. Eidam zeigte sich zuversichtlich, dass die 81-Jährige ihr Verschulden noch einsehen wird. Danach sah es vor Gericht allerdings nicht aus, sagte sie doch in ihrem Schlusswort: ,,Eigentlich fühle ich mich überhaupt nicht schuldig. Er sagt, ich sei viel zu schnell gefahren, warum läuft er dann da rüber? Das kann ich nicht nachvollziehen, tut mir leid.“ Das Urteil nahm sie gleichwohl an, womit es rechtskräftig ist.

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