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Norddeutsche Rundschau

15. Dezember 2017 | 17:42 Uhr

Unermüdlicher Kampf um 23 Grad

vom

Jahrelanger Einsatz des Kellinghuseners Helmut Röck für beheizte Fluten im Freibad der Störstadt zahlte sich aus

shz.de von
erstellt am 15.Aug.2013 | 03:09 Uhr

KELLINGHUSEN | Auf der großen Liegewiese dösen und das Freibad genießen: Den Duft von Fritten, für die Kinder am Kiosk anstehen, das Quieken der Jüngsten bei der ersten Begegnung mit dem Nass, das Gejohle von Stimmbruchjungen beim Arschbombenspringen und das vielstimmige Gesprächsgesumme von Familien, die es sich mit Sack und Pack auf Deckeninseln gemütlich gemacht haben. Seit Generationen genießen große und kleine Kellinghusener und Umlandbürger unbeschwerte Sommertage auf dem Freibad-Gelände am Stadtpark.

Zu Beginn der 50er Jahre verbrachte auch Helmut Röck vermeintlich endlose Sommerferien in der "Badeanstalt". Freilich sah es damals dort ganz anders aus: Hölzerne Umkleidekabinen säumten die Ostseite des Bades und es gab nur ein Becken für alle Schwimmer. "Die flachere Seite war damals durch einen Steg abgetrennt", erinnert sich Röck. Besonders im Gedächtnis haften blieb ihm jedoch, dass sich die Wärmegrade des Wassers nach den Sonnenstunden richteten. Dies hat sich vor fast exakt genau zwölf Monaten grundlegend geändert. Zum 30-jährigen Bestehen des neu gestalteten Bades wurde eine Heizung installiert. Seither herrscht in den türkisen Fluten eine Wohlfühltemperatur von konstant 23 Grad. "Damit ist endlich ein ganz großer Wunsch in Erfüllung gegangen", sagt Röck.

Am Gelingen war der Kellinghusener - jetzt im Ruhestandsalter - maßgeblich beteiligt. 1955 hatte er der Störstadt den Rücken gekehrt, woanders berufliches und familiäres Glück gefunden. Nach Jahrzehnten eines erfolgreichen Arbeitslebens erfolgte die Heimkehr mit Ehefrau Helga. Das Paar richtete sich im neu gebauten Haus ein und fand Zeit für sportliche Betätigung. "Da das Bad gleich um die Ecke liegt, war klar, dass sich auch das Schwimmen anbot", sagt Röck. Dort hatte sich im Laufe der Jahrzehnte zwar viel verändert - insbesondere der komplette Umbau 1982 nach Umsiedlung der Reit- und Fahrschule hatte die Anlage in ein zeitgemäße Bad verwandelt. "Das Wasser war aber immer noch kalt", schmunzelt Röck. Außerdem war während seiner Abwesenheit manch Politikertraum geplatzt. Die Idee einer Unterbringung des Feibads am Rensinger See ist heute ebenso vergessen, wie die damalige Anregung, beim Badneubau alle Aggregate für den Anschluss einer Schwimmhalle auszulegen. Von einem Hallenbad wurde nie wieder gesprochen.

Das Thema Wassererwärmung tauchte jedoch immer wieder auf. Gewicht bekam der Gedanke, als Helmut Röck ihn 2006 im Bürgerforum erneut anstieß. Die Idee war, das Freibad zu einem familienfreundlichen, seniorengerechten, für das Schulschwimmen geeigneten Zentrum umzugestalten. Kernpunkt sollte die energetische Sanierung sein. "Bei der Politik kamen wir mit unserem Heizungsvorschlag aber nicht an", so Röck. Tempo sei erst mit Gründung der Wählergemeinschaft BFK gemacht worden. Schnell habe sich dann ein Arbeitskreis gebildet, der sich mit der komplexen Frage befasste. Röck tauchte tief ein in die Materie und investierte unzählige Stunden in das Projekt. Am Ende lag ein Arbeitspapier auf dem Tisch, vor dem Experten und Kommunalpolitiker den Hut zogen.

"Die Texte wurden alle von meiner Sekretärin geschrieben", verweist er auf die ebenfalls sehr engagierte Ehefrau Helga. "Wertvolle Hilfe - zum Teil sogar unter Einschaltung befreundeter Ingenieurbüros - steuerten auch die hiesigen Firmen Ehlert und Langhans und Steffen Möller bei." Mit viel Hingabe hätten sich überdies die Kollegen im Arbeitskreis, Bernd Schneider und Sönke Struck, dem Thema gewidmet. Als treibende Kräfte nennt Röck zudem Martin Dethlefsen, damals Fraktionschef der BFK, und Ingo Allert. Der damalige Schwimmmeister, dem angesichts der Badzahlen so manches Mal ganz schwummerig wurde, sei allein aufgrund des zu erwartenden erhöhten Besucheraufkommens ein vehementer Fürsprecher der Erwärmung gewesen.

Nach zum Teil heißen Diskussionen und einer buchstarken Papierproduktion mit der Darstellung unterschiedlicher Erwärmungsmodelle und deren Finanzierbarkeit - Röck saß inzwischen für die BFK im Bauausschuss - gaben in November 2010 zunächst die Fraktionen und anschließend die Ratsversammlung grünes Licht für das Erwärmungsvorhaben. Damit war auch für Helmut Röck das Ende seines gemeinsinnigen Einsatzes und einer insgesamt stressigen Zeit erreicht.

Die Umsetzung des Vorhabens, in das er soviel Zeit und Herzblut investiert hatte, übernahm nun ein Planungsbüro. Erstmals ins 23 Grad warme Wasser hüpfen konnten Freibadfreunde am 10. August 2012 bei der offiziellen Inbetriebnahme des neuen Niedertemperaturkessels. Insgesamt kostete das Projekt 172 000 Euro, 65 000 davon übernahm die Aktivregion Holsteiner Auenland. "Wir haben es doch traumhaft hier", sagt Röck bei einem seiner täglichen Badbesuche. Im Gegensatz zu Hamburg, wo sich rein rechnerisch 155 000 Menschen ein Wasserbecken teilen müssen, könne im idyllisch gelegenen Freibad noch unbedrängt geschwommen werden. Allerdings wünscht Röck sich, dass Kellinghusener und Umlandbürger das Kassenhäuschen möglichst vielzählig passieren: "Jede verkaufte Eintrittskarte trägt dazu bei, das Bad kostenneutral zu führen."

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