Unbequem und irritierend – trotzdem gelungen

Die Schauspieler des Landestheaters setzten   „Tod eines Handlungsreisenden“  in Szene.
Die Schauspieler des Landestheaters setzten „Tod eines Handlungsreisenden“ in Szene.

Landestheater zeigt in Itzehoe „Tod eines Handlungsreisenden“/Stück verlangt hohes Maß an Fantasie und Aufmerksamkeit vom Zuschauer

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30. November 2013, 00:31 Uhr

Über die Aufführung „Tod eines Handlungsreisenden“ des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters im theater itzehoe schreibt Trutz Reinking von der Handelslehranstalt Neumann.
Der „Tod eines Handlungsreisenden“ – wirkungsvoll in Szene gesetzt auf Silberblöcken im theater itzehoe. In dem bekannten Drama Arthur Millers wird die Geschichte Willy Lomans erzählt, der im Amerika der 1940er Jahre nach 36 Jahren als Handlungsreisender körperlich, seelisch, beruflich und finanziell am Ende ist. Er flüchtet sich in Scheinwelten und Tagträume, weil er es nicht geschafft hat, den amerikanischen Traum erfolgreich zu leben. Vom Niedergang eines Menschen im kapitalistischen System und den Auswirkungen auf seine Familie handelt das Stück.

Das Bühnenbild des Landestheaters besteht aus verschieden großen silberfarbenen Blöcken, die versetzt auf der Bühne angeordnet sind und an Wolkenkratzer erinnern. Darüber hinaus gibt es keine Möblierung oder andere Requisiten. Das Bühnenbild hat im ersten Moment eine sehr irritierende Wirkung und man erwartet eine sehr moderne Adaption des Stückes. Da es nicht verändert wird, verlangt es ein hohes Maß an Fantasie und Aufmerksamkeit vom Zuschauer.

Als Willy Loman, gespielt von Stefan Hufschmidt, die Bühne betritt, wird deutlich, dass die Kostüme nicht modernisiert sind. Willy Loman tritt auf wie ein Handelsreisender in den 40er-Jahren mit Anzughose und Hosenträgern. Einzige Ausnahme ist das Kostüm von Willys totem Bruder Ben, der einen silberfarbenen Glitzeranzug trägt und sich damit sehr futuristisch aus dem Jenseits meldet. Die Sprache wirkt zum größten Teil modernisiert, benutzt aber auch Redewendungen und Begriffe, die noch aus Millers Zeit zu stammen scheinen.

Willy Loman wirkt wie betrunken und macht schon in der ersten Szene klar, dass er am Ende seiner Kräfte ist. Stefan Hufschmidt spielt den ausgebrannten Mann überzeugend. Seine Frau Linda, gespielt von Heidi Züger, und seine Söhne Biff (Tobias Bode) und Happy (Stefan Wunder) runden die Familie auf hohem Niveau ab. Doch auch Wiebke Wackermann, Reiner Schleberger und Michael Kientzle, die jeweils eine Doppelrolle spielen, überzeugen. Leider wird, um die Verzweiflung und Wut auszudrücken, sehr viel geschrien und gebrüllt, was sehr anstrengend ist.

Die Tagträume von Willy Loman werden auf den Blöcken dargestellt, was sehr gelungen ist, da ihre surreale Ebene so deutlich wird. Allerdings wird dieses Stilmittel nicht konsequent durchgezogen, da Willys Tagträume teilweise von den Blöcken hinunter in die Realitätsebene wandern. Man kann nicht genau sagen, ob dies nur Ausdruck seiner steigenden Verwirrtheit ist oder auch den Zuschauer in eine solche versetzen soll.

An den Blöcken haften silberfarbene Plättchen, die je nach Stimmung abgerissen oder angeheftet werden. Außerdem bewerfen sich Happy und Biff damit und spielen. Dass diese Plättchen auch symbolisch für das Geld zu verstehen sind, dem Willy so verzweifelt hinterherjagt, erschloss sich erst nach der Pause und nach genauer Beobachtung und Befassung in der zweiten Hälfte. Dieses Stilmittel ist gut, wenn auch sehr abstrakt und schwer verständlich gewählt. Das Hinabgleiten von den Blöcken als Ausdruck des Freitodes von Loman war allerdings ein beeindruckendes Element am Ende des Stückes.

Fazit: Die Inszenierung des Landestheaters hat es dem Zuschauer nicht leicht gemacht. Die unterschiedliche Ausgestaltung von Bühnenbild, Kostümen und Sprache war bis zum Schluss irritierend. Auch wenn das Stück trotzdem gefallen hat, bleibt es unbequem und verlangt deshalb viel Aufmerksamkeit und Fantasie. Da das ja durchaus positiv ist, war es eine sehr gelungene Aufführung.

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