zur Navigation springen

Glyphosat im Gerstensaft : Unbelastetes Bier aus Dithmarschen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Marner Privatbrauerei relativiert Meldungen und verweist auf obligatorische Analysen der zuliefernden Mälzereien.

Das Nationalgetränk der Deutschen, von dem jeder durchschnittlich 107 Liter im Jahr konsumiert, ist ins Gerede gekommen: Bier. Eine Studie des Umweltinstituts München hat unter 14 namhaften Biersorten erhöhte Glyphosatwerte nachgewiesen. Dieses in der Landwirtschaft verwendete Mittel steht im Verdacht, krebserregend zu sein. An einem Verbot wird auf europäischer Ebene gearbeitet. Für die Gesundheit kritische Werte werden erreicht, wenn jemand 1000 Liter Gerstensaft trinkt – am Tag. Für Hans Senff, Braumeister in der Marner Privatbrauerei Karl Hinz GmbH, ist die Untersuchung vor dem Hintergrund eines Glyphosatverbots denn auch politisch motiviert. „Die Brauereien sollen zusätzlich Druck machen“, mutmaßt er.

Dennoch, die Marner Brauherren („Dithmarscher“) wollen nichts verharmlosen. Senff hat Ausdrucke von Kontrolluntersuchungen der 60 deutschen Mälzereien, die die Brauwirtschaft der Republik beliefern, vor sich liegen. 300 Laborberichte aus den vergangenen fünf Jahren. Ausreißer einer Mälzerei ist in diesem Zeitraum ein Wert von 0,59 Milligramm Glyphosat pro Kilo Malz. 20 Milligramm wäre der erlaubte obere Grenzwert. Pro Liter Vollbier werden 17 Kilo Malz benötigt. Dabei werde, so Senff, im Brauprozess der Glyphosatgehalt noch reduziert.

Das Dilemma für die Brauereien aus seiner Sicht: „Ein Wert von Null ist illusorisch. Glyphosat hat im Boden eine Halbwertzeit von vier Wochen bis sieben Monaten. Da gelangt durch den Fruchtwechsel im Anbau immer ein Rest in die Pflanze.“ Grundsätzlich, betont er, könnten Brauereien keine Gerste verwenden, die gezielt mit Glyphosat behandelt wurde. Denn dieser Wirkstoff verhindere die Keimung. Genau die sei aber nötig im Gärverfahren. „Sonst funktioniert der Brauprozess nicht.“

Der Deutsche Brauer-Bund bestätigt: „Analysen zeigen, dass im Falle einer möglichen Belastung lediglich zwei Prozent des ursprünglich auf der Gerste befindlichen Glyphosats letztlich bis ins Bier gelangen können.“ In der Praxis würden mehrere Partien von Gerste vermischt und die Biere aus verschie-denen Malzen hergestellt.

Die dürften, so Senff aber erst in der Brauerei gemischt werden, die Mälzereien, die ihren Rohstoff überwiegend in Dänemark und Frankreich einkaufen, dürften bei ihren Chargen nicht mischen. Er betont, dass Substanzen wie Glyphosat nicht bewusst beim Anbau eingebracht werden. Dies verbiete das Gesetz bei Braugerste. Senff: „Die Vorlieferanten müssen sich alle an das deutsche Reinheitsgebot halten.“ Die Marner verarbeiten jährlich 3000 Tonnen Gerstenmalz für ihre Bierproduktion.

Wie heikel das Thema ist, hat Geschäftsführer Norbert Lucks gestern erfahren. „Euer Bier verursacht Krebs?“, habe ein Anrufer wissen wollen. Das habe er nur verneinen können, so Lucks. Er findet es fragwürdig, dass solche Untersuchungsergebnisse wie vom Umweltinstitut München ohne Gegencheck verbreitet würden. Der Marner Brauereichef ist wie sein Braumeister überzeugt: Schon die nächste Probe der jetzt kritisierten Biermarken werde ein ganz anderes Ergebnis liefern.

zur Startseite

von
erstellt am 26.Feb.2016 | 12:02 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert