Umweltkutter soll Kosten sparen

Soll  sparsamen Diesel-Elektro-Antrieb bekommen: Die 'Cap Arkona'.
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Soll sparsamen Diesel-Elektro-Antrieb bekommen: Die "Cap Arkona".

Die hohen Treibstoffkosten bedrohen die Existenz der Fischer / Friedrichskooger Kutter soll kombinierten Diesel-Elektro-Antrieb erhalten

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29. Oktober 2011, 07:04 Uhr

friedrichskoog/Brunsbüttel | Explodierende Diesel-Preise, verschärfte Umweltauflagen, stark schwankende Erzeugerpreise - die deutsche Fischerei steckt in einer tiefen Krise. "So können wir nicht weiter machen, sonst fahren wir in die Pleite", sagte Dieter Voß (68) vom Fischereiverein Friedrichskoog bereits vor zweieinhalb Jahren. Doch was tun?

Gemeinsam mit Michael Stein macher (62) vom Fischereischutzverband Schleswig-Holstein war er sich schnell einig, dass die Betriebskosten der Kutter gesenkt werden müssen - und zwar durch sparsame Motoren. So machten sich die beiden Dithmarscher und einige Mitstreiter auf die Suche nach neuen Techniken, schauten auch, wie andere europäische Länder ihren Fangflotten modernisieren.

Bereits vor sieben Jahren, so Stein macher, begannen die Dänen ihre Flotte durch Neubauten zu erneuern, fahren heute fast 20 Prozent günstiger als früher. In Belgien wurden zwei Millionen Euro in die Entwicklung eines Hybrid-Motors investiert, die Franzosen versuchen es mit Rapsöl, die Spanier mit Flüssiggas. Und in Holland wurde für sechs Millionen Euro das Pilotschiff "Grietje" gebaut, auf dem ein Dieselgenerator zwei Elektromotoren antreibt. Die Treibstoff-Kosten konnten so um 30 Prozent gesenkt und der Schadstoffausstoß ebenfalls erheblich reduziert werden.

Dies weckte das Interesse von Steinmacher und Voß, die sich in den vergangenen Monaten mit Schiffsexperten austauschten, verschiedene Werften besuchten, Fachleute an ihrem Projekt "Umweltkutter" beteiligten. Durch Zufall erfuhren sie schließlich, dass bereits das deutsche Binnenschiff "Enok" mit einem Antrieb ausgestattet ist, der dem holländischen Modell ähnelt. Und das Gute: Entwickelt hat es "Torque marine", ein Unternehmen der Brunsbütteler Schramm-Group. "Wir forschen in ganz Europa herum, und gleich um die Ecke haben wir so etwas schon", erzählt Steinmacher, der in Brunsbüttel zu Hause ist.

Bei der neuen Technik für die "Enok" handelt es sich um einen Gleichstrom-Antrieb. Ein Dieselgenerator liefert Wechselstrom, der von einem Gleichrichter umgewandelt wird und den Elekt ro-Antrieb in Gang setzt. "Der Vorteil eines Gleichstrom-Motors ist, dass er einen großen Drehmoment abgibt, die Drehzahl aber klein ist", erklärt Christian Sonnemann von "Torque marine". Zudem entfällt das Getriebe, das immer Leistungsverluste mit sich bringt. Ausgestattet ist die "Enok" mit zwei Dieselaggregaten, falls die Leistungsspitze überschritten wird oder ein Aggregat mal ausfällt. Aber dies ist noch nicht vorgekommen. "Das läuft seit eineinhalb Jahren ohne Probleme und der Dieselverbrauch ist um 26 Prozent gesunken", sagt Steinmacher, der solch einen Antrieb jetzt für einen Krabbenkutter bauen lassen möchte. Dafür wird der Sohn von Dieter Voß seine "Cap Arkona" zur Verfügung stellen. Mit der neuen Antriebstechnik sollen die Treibstoffkosten auf dem 20 Meter langen Kutter um fast 60 000 Euro im Jahr gesenkt werden. Der Germanische Loyd, der die Technik abnehmen muss, hat bereits seine Zustimmung erteilt.

Kalkuliert ist der Umbau mit etwa 600 000 Euro, das Projekt-Team setzt auf Fördergelder aus Brüssel und Kiel. Gemeinsam mit dem Dithmarscher Landtagsabgeordneten Jens-Christian Magnussen, selbst ein versierter Elektrotechniker, stellte Steinmacher das Vorhaben Ministerpräsident Peter Harry Carstensen vor. Der Regierungschef reichte das Projekt sofort an die Uni Kiel und an die Fachhochschule Flensburg weiter, um es prüfen zu lassen. "Wir warten jetzt auf die Landesregierung, dann kann es losgehen", sagt Michael Steinmacher und fügt drängend hinzu: "Wenn wir nicht nachrüsten, gibt es bald keine deutsche Fangflotte mehr."

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