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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 14:35 Uhr

Hafenwirtschaft : Umschlag ohne Schiffe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Elbehafen in Brunsbüttel erhält Windkraftkomponenten per Bahn für den Weitertransport mit Lkw.

von
erstellt am 17.Nov.2015 | 17:03 Uhr

Per Lkw, Bahn oder natürlich Schiff – der Brunsbütteler Elbehafen ist für unterschiedlichste Umschlagsituationen von Gütern ausgelegt. Dabei wird nicht mal mehr in jedem Fall das Schiff benötigt. Kernstück ist hier vielmehr der Bahnanschluss.

Rund zehn Kilometer Schienen unterhält der Hafenbetreiber Brunsbüttel Ports im Bereich des Elbehafens. Davon wurden in diesem Jahr 800 Meter Gleis wieder aktiviert, nachdem die Zuganbindung an den Kai seit der Privatisierung des einstigen Landeshafens 15  Jahre lang brach lag. Mit diesem Schritt, in den der zur Brunsbütteler Schrammgruop gehörende Betrieb rund 800  000 Euro investierte, schaffte sich die Hafengesellschaft ein Alleinstellungsmerkmal. Denn vielfach gilt heute die Schiene im Hafen als uninteressant. Nicht zuletzt auch wegen der Kosten. Schienen zu unterhalten sei teuer, bestätigt Brunsbüttel Ports-Geschäftsführer Frank Schnabel.

Die Investition trägt inzwischen Früchte. So bringt Windkraftanlagenhersteller Enercon jetzt ganze Komponenten per Bahn in den Elbehafen. Dort werden die Rotorblätter und Generator-Teile mit dem Zug angeliefert und später per Lkw zu den Onshore-Baustellen im Norden transportiert.

Enercon nutzt so genannte Ganzzüge von 480 Metern Länge, die mit ihrer Fracht in Emden zusammengestellt werden. Den Transport auf der Schiene übernimmt das Tochterunternehmen Egoo-Hub.

„Durch die Verlagerung von Transporten auf die Schiene sind wir flexibler und unabhängiger vom Geschehen auf der Straße“, sagt Thijs Schless, Leiter der Beschaffungslogistik bei Enercon. Nebenher verbessere das Unternehmen so seine Umweltbilanz. Am Ende muss es dann aber doch der Laster richten, kaum eine Windpark-Baustelle verfügt über einen Gleisanschluss.

„Die Rolle von Brunsbüttel als wichtigem Standort für den Umschlag und das Handling von Windenergieanlagen wird mit dieser Anbindung erneut gestärkt“, betont Frank Schnabel. Die mit dem Zug angelieferten Komponenten werden im Hafen zwischengelagert. Platz ist vorhanden: In diesem Jahr nahm die Hafengesellschaft eine neue Lagerfläche von rund 9000 Quadratmetern in Betrieb. Dort stand vorher das alte Verwaltungsgebäude.

Für den Hafen-Chef, zugleich Sprecher der Werkleiterrunde im ChemCoast Park, hat die Zusammenarbeit mit Enercon noch in anderer Hinsicht Gewicht. Denn die Brunsbütteler Industrie fordert seit langem den zweigleisigen Ausbau der Strecke nach Itzehoe. Schnabel: „Es ist jetzt ein Signal Richtung Deutsche Bahn, wir tun was, damit diese Strecke genutzt wird. Wir meinen es ernst mit der Nutzung der Schiene.“ Aus Sicht der Bahn ist die Zweigleisigkeit angesichts der jährlichen Zugfahrten derzeit nicht gerechtfertigt. Das Unternehmen verweist auf eine zu geringe Nutzung.

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