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Bürgermeisterwahl am Sonntag : Umfrage in Glückstadt: 82 Prozent wollen wählen gehen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Meinungsforscher loteten die Stimmung der Glückstädter vor der Bürgermeisterwahl am Sonntag aus: Der Ausgang ist noch völlig offen.

Die Bürgermeisterwahl am Sonntag stößt bei den Wählern in der Elbestadt auf großes Interesse. Zumindest laut einer Umfrage, die das Marktforschungsinstitut Insa Consulere im Auftrag einer Glückstädter Stiftung vergangene Woche gemacht hat. Die Ergebnisse wurden am Donnerstag in Glückstadt der Öffentlichkeit vorgestellt. Demnach ist 99 Prozent der Wähler klar, dass am 8. November gewählt wird. „Ein für Kommunalwahlen sehr hoher Wert, der uns etwas überrascht hat“, sagte Herrmann Binkert, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts.

Bei Bürgermeisterwahlen glänzt die Mehrheit der Wahlberechtigten für gewöhnlich durch Abwesenheit. Offen zugeben mögen das die wenigsten, so dass eine Diskrepanz zwischen Umfragen und tatsächlichem Verhalten wahrscheinlich ist. So sind Wahlbeteiligungen von nur 40 Prozent keine Seltenheit. Zuletzt verpassten fast zwei Drittel der Ahrensburger ein Mitspracherecht beim neuen Bürgermeister. Die Wahlbeteiligung lag mit 36,4 Prozent.

Auch die potentielle Wahlbeteiligung klingt mehr als sportlich: 82 Prozent der Befragten gaben an, dass sie an der Wahl teilnehmen würden. Lediglich sechs Prozent wollen definitiv nicht wählen gehen. „Auch dies sind ungewöhnlich hohe Werte“, kommentierte Binkert die Ergebnisse. Er wies aber daraufhin, dass Befragte bei dieser Frage zu „sozialerwünschten Antworten“ neigen würden und die tatsächliche Wahlbeteiligung niedriger ausfallen werde. „Die Ergebnisse zeigen dennoch, dass das Interesse an der Wahl sehr hoch ist und lassen in der Tendenz eine für die Kommunalwahl hohe Beteiligung erwarten.“ Bei ihrer Wahlentscheidung ist den Bürgern die „fachliche Kompetenz“ der Kandidaten am wichtigsten. Verwaltungserfahrung, Unabhängigkeit und Bürgernähe spielen für die übergroße Mehrheit der Befragten ebenfalls eine wichtige Rolle für einen künftigen Bürgermeister.

Kandidat Vorgeschlagen von:
Manja Biel CDU
Dr. Siegfried Hansen Piraten
Marian Prill Einzelbewerber
Carola Radtke-Niemitz SPD/Grüne
Stephan Schulz FDP

Insa Consulere hatte 500 Glückstädter im Zeitraum vom 26. bis 30. Oktober telefonisch befragt. Grundlage für die Erhebung waren Telefonbuchdaten. Per Zufallsgenerator wurden weitere Nummern herausgefunden. Insgesamt knapp 5000 Anrufe tätigte das Unternehmen, um auf die statistisch notwendige Zahl von 500 Befragten zu kommen. „Für uns ein eher ungewöhnliches Vorhaben. Wir führen sonst zum Beispiel für überregionale Tageszeitungen Befragungen im gesamten Bundesgebiet durch. Eine solche politische Umfrage in einer Kleinstadt haben wir bisher noch nicht gemacht“, sagte Binkert. Die Bereitschaft der Glückstädter ihre Meinung zu äußern, sei insgesamt groß gewesen. „Die Befragten waren aussagefreudig und engagiert.“ Die Ergebnisse würden die öffentliche Meinung widerspiegeln – mit der Einschränkung, dass nur Menschen mit Festnetzanschluss befragt werden konnten.

In Auftrag gegeben hatte das ungewöhnliche Vorhaben die „Dr. Kurt und Ilse Nölke Stiftung“. Eine relativ kurzfristige Entscheidung, erklärte Stiftungsgeschäftsführer Jochen Nölke. „Wir haben die Stiftung erst im Sommer nach dem Tod meiner Mutter gegründet, um das Lebenswerk meiner Eltern zu würdigen.“ Zeitgleich sei die Entscheidung gefallen, auf dem Gelände der ehemaligen Großwäscherei Berendsen kein Einkaufszentrum zu errichten. Die Stiftung erwarb das Gelände. „Nun stehen wir vor der Frage, was wir eigentlich tun wollen? Was ist sinnvoll und was ist den Bürgern wichtig?“ Um dies herauszufinden, habe er professionelle Marktforschung als „gutes Werkzeug“ nutzen wollen, um herauszufinden, was für die Bürger Glückstadts von Bedeutung sei, so Nölke. Heike Kühl, Vorsitzende der Glückstädter SPD habe ihn dann nach der Vorstellung der Kandidaten für die Bürgermeisterwahl auf die Idee gebracht, auch noch Fragen rund um die Wahl in die Umfrage aufzunehmen. „Sie äußerte im Internet die Meinung, dass die Bürger im Wahlkampf zu wenig zu Wort kommen – dem konnte ich nur zustimmen.“

Entsprechend der ursprünglichen Absicht wurden die Glückstädter gefragt, ob sie sich eine Vergrößerung der zentrumsnahen Supermärkte wünschen. Die große Mehrheit der Befragten hält dies nicht für notwendig. Gefragt wurde aber auch nach der Meinung der Wähler zur aktuellen Flüchtlingssituation. Hier zeigte sich, dass die Bereitschaft der Bevölkerung zur Aufnahme von Asylbewerbern sehr groß ist. 84 Prozent der Befragten lehnten die Aussage „Wir können in Glückstadt keine Asylbewerber vertragen“ ab, nur sieben Prozent stimmten zu. Die Erstaufnahmeeinrichtung in der ehemaligen Marinekaserne bringe die Stadt aber nach Meinung von über zwei Dritteln der Befragten an die „absolute Obergrenze der Belastbarkeit“, wenn sie mit 2000 Bewohnern belegt sei. Immerhin: Jeder fünfte Teilnehmer der Umfrage stimmte dieser Aussage nicht zu, hält also noch mehr Flüchtlinge für verkraftbar.

Wer sind die Kandidaten und was wollen sie erreichen?

Marian Prill
Will sich zur Wahl stellen: Marian Prill.
Will sich zur Wahl stellen: Marian Prill. Foto: Reimers

 

Marian Prill ist der einzige Kandidat, der ohne die Unterstützung einer der etablierten Parteien der Stadtvertretung zur Bürgermeisterwahl antritt. Der selbstständige Werbetexter, der seit 2013 in Glückstadt lebt, erklärte bereits im Frühling seine Absicht zu kandidieren und sammelte ausreichend Unterschriften von Unterstützern, um unabhängig antreten zu können. Als Bürgermeister möchte der 34-Jährige, der ursprünglich aus Brandenburg stammt, auf Bürgerbeteiligung, unkonventionelle Ideen und die Möglichkeiten des Internets setzen. „Glückstadt muss attraktiver werden – auch für junge Leute.“ Die Stadt brauche ein vernünftiges bundesweites Image und die Ideen der Bürger. Vor allem bei Letzterem sieht Prill in der Elbestadt viel Potential: „Es gibt genug Leute, die die Ärmel hochkrempeln wollen“, sagt er mit Blick auf die Probleme der Stadt wie beispielsweise die Zukunft des Stadtteils Nord. „Ich bin jemand, der Leute zusammenführen und motivieren kann.“

Manja Biel
Manja Biel
Manja Biel Foto: Privat

 

Mit Unterstützung der Glückstädter Christdemokraten geht Manja Biel ins Rennen um den Chefsessel im Rathaus. Die 42-jährige Diplomverwaltungswirtin und –kauffrau stammt von der Insel Rügen und hat von 2001 bis heute berufliche Erfahrung in den Stadtverwaltungen von Henstedt-Ulzburg und Kaltenkirchen gesammelt. Ihre Schwerpunkte sind Wirtschaftsförderung und Liegenschaftsverwaltungen. Den Schritt „aus der zweiten Reihe“ an die Spitze einer Verwaltung hält Biel nun für „folgerichtig“: „Ich möchte gestalten, nicht nur verwalten.“ Glückstadt sei ein „charmanter Ort mit toller Lage und wunderbarer Größe“. Als Glückstadts erste Bürgermeisterin will Biel sich um die Belebung der Innenstadt und eine stärkere Positionierung in der Metropolregion Hamburg kümmern. Glückstadts Zukunft möchte sie durch die Erhaltung und Ansiedlung von Betrieben und Eintreten für die A20 sichern. „Ich strebe den Gleichklang in der Entwicklung von Arbeit-, Wohn- und Freizeitangeboten an“, sagt die Kandidatin.

Siegfried Hansen
Kandidat Nummer 3: Die Glückstädter Piraten schicken Siegfried Hansen ins Rennen.
Kandidat Nummer 3: Die Glückstädter Piraten schicken Siegfried Hansen ins Rennen. Foto: Gravert

Der 52-jährige IT-Manager ist in der Glückstädter Politik kein Unbekannter: Seit 2013 hat Siegfried Hansen einen Sitz in der Stadtvertretung und führt dort die Fraktion der Piratenpartei. Auch auf Kreisebene ist er für die Partei aktiv und gehört deren Fraktion im Steinburger Kreistag an. Als Bürgermeister will er den „Standort Glückstadt“ stärken, damit die Stadt „auch in Zukunft ein begehrter Ort für Einheimische und Touristen bleibt“. Wichtige Themen für die nächsten Jahre sind aus seiner Sicht die Ansiedlung von modernen Arbeitsplätzen, der Beitritt zum Hamburger Verkehrsverbund (HVV) und die Aufwertung des Stadtteils Glückstadt-Nord. Auch die Breitbandanbindung der Elbestadt und die Modernisierung der Verwaltung möchte Hansen nach der Wahl vorantreiben. „Ich werde mich als Bürgermeister von meinem Lebensmotto leiten lassen: Erst fühlen, dann denken, dann reden, dann konsequent handeln“, sagt der gebürtige Glückstädter.

Carola Radtke-Niemitz
Bewirbt sich als Bürgermeisterin: Verwaltungsfachfrau Carola Radtke-Niemitz.
Bewirbt sich als Bürgermeisterin: Verwaltungsfachfrau Carola Radtke-Niemitz. Foto: sh:z

 

Carola Radtke-Niemitz hat die Mitglieder von SPD und Grünen davon überzeugt, dass sie eine gute Bürgermeisterin für Glückstadt wäre. Die aktuell in der Unternehmensberatung tätige Kandidatin sieht sich gut vorbereitet für das Amt. „Es ist eine Möglichkeit meine bisher erworbenen Kompetenzen zu bündeln und gezielt einzusetzen“, sagt die 50-Jährige. Die Diplomfinanzwirtin und Juristin ist lange in der Hamburger Verwaltung beschäftigt gewesen und befasste sich dort mit Steuerfragen. Später lehrte sie Wirtschaftswissenschaften und Politik an Wirtschaftsgymnasien und Berufskollegien in Nordrhein-Westfalen. In Glückstadt möchte sie konkrete Probleme lösen und zum Beispiel einen „intelligenten Weg“ finden, um den chronisch defizitären Haushalt wieder auf ein dauerhaft „solides Fundament“ zu stellen. Dabei soll die Ansiedlung innovativer Unternehmen helfen. Wirtschaftsförderung allein sei aber keine Lösung. Auch andere Bereiche wie Bildung und Infrastruktur seien wichtig. „Glückstadt braucht ein Stadtkonzept aus einem Guss“, sagt Radtke-Niemitz.

Stephan Schulz
Stephan Schulz: Ein Glückstädter mit Verwaltungserfahrung, der sich als Bürgermeister bewirbt.
Stephan Schulz: Ein Glückstädter mit Verwaltungserfahrung, der sich als Bürgermeister bewirbt. Foto: Edelmann

 

Der Glückstädter Stephan Schulz ist Leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Kellinghusen, würde aber gern an die Spitze der Verwaltung in der Elbestadt wechseln. Seine berufliche Erfahrung in Ämtern in Dithmarschen und den Kreisen Pinneberg sowie Steinburg sieht der Diplomverwaltungswirt dabei als großen Vorteil an: „Ich bin gut vernetzt“, sagt Schulz, der mit Unterstützung der FDP zur Wahl antritt. Und er kenne die relevanten Förderprogramme. Als wichtige Themen für die kommende Amtsperiode nennt er die Bewältigung des demografischen Wandels und die Verbesserung der Verkehrsanbindung. Schulz will sich sowohl für die Elbquerung als auch für eine bessere Bahnanbindung einsetzen. Er möchte seine Ideen einbringen, sieht den Posten des Bürgermeisters aber vor allem den eines „Managers der Interessen der Bürger und der Politik“. Zu dessen Aufgaben gehöre die Modernisierung der Verwaltung, damit sie ihre Aufgabe als „Dienstleister für Bürger und Wirtschaft“ wahrnehmen könne.

Bei der sogenannten „Sonntagsfrage“ hatte bei den Befragten Siegfried Hansen mit 42 Prozent Zustimmung die Nase vorn. Es folgen Manja Biel (24 Prozent), Stephan Schulz (16 Prozent), Carola Radtke-Niemitz (12 Prozent) und Marian Prill (5 Prozent). „Eine Tendenz ist abzulesen“, sagte Herrmann Binkert. Allerdings stellte er auch klar, dass rund 40 Prozent der Wähler erklärt hätten, sie seien noch unentschieden. Und von den 60 Prozent, die ihre Wahlentscheidung bereits getroffen haben, verrieten nur etwa zwei Drittel den Meinungsforschern ihre Präferenz. Die Wahl sei also längst noch nicht entschieden.

Binkert und Nölke äußerten sich bei der Präsentation der Ergebnisse auch zur Kritik an der Umfrage, die im Vorfeld öffentlich geäußert worden war. So hatten Bürger im sozialen Netzwerk Facebook beklagt, dass die Meinungsforscher am Telefon nicht bereit waren, ihren Auftraggeber zu nennen. „Ein übliches Vorgehen bei politischen Umfragen“, erklärte Binkert. „Wenn beispielsweise eine Partei der Auftraggeber ist, können dadurch die Ergebnisse verfälscht werden. Deshalb haben wir das auch in diesem Fall so gemacht.“ Jochen Nölke erklärte, er habe sich darüber keine Gedanken gemacht. Er habe nichts zu verbergen und werde die Ergebnisse jedem Interessierten öffentlich zugänglich machen.

Die Präsentation der Umfrageergebnisse ist unter www.drnoelke-stiftung.de abrufbar.

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