Gebäudeumbau : Umbau für das Sozialgericht

Chef im Container: Viel Platz hat Sozialgerichtsdirektor Frank Knoblich nicht. Foto: ehrich (2)
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Chef im Container: Viel Platz hat Sozialgerichtsdirektor Frank Knoblich nicht. Foto: ehrich (2)

Das ehemalige Jobcenter am Lornsenplatz wird für den neuen Nutzer vorbereitet. Der Einzug erfolgt frühestens im Herbst. Der Gerichtsdirektor: "Wir wachsen und wachsen und wachsen".

shz.de von
28. Februar 2013, 07:45 Uhr

itzehoe | Wände sind gefallen, Türöffnungen wurden geschlossen. Der Umbau des früheren Jobcenters am Lornsenplatz zum Sozialgericht hat begonnen. "Das ist schon mal gut", sagt Gerichtsdirektor Frank Knoblich. Doch bis zum Umzug dauert es noch.
Das Projekt läuft seit Jahren. Nach der Explosion der Verfahrenszahlen durch die "Hartz IV"-Gesetzgebung brauchte das Sozialgericht mehr Platz. Das Gebäude des Jobcenters wurde gewählt, doch dieses eröffnete nach nicht ganz einfacher Standortsuche erst im vergangenen November auf Alsen. Der Auszugstermin sei lange nicht klar gewesen, so Knoblich. "Daran hingen Ausschreibungen." Jetzt läuft der von der Gebäudemanagement Schleswig-Holstein betriebene Umbau, rund eine Million Euro wird dafür laut Kieler Finanzministerium ausgegeben.
Aber einfach ist er nicht. Ein Aufzug muss noch eingebaut werden, deshalb sind in diesem Bereich zurzeit keine Arbeiten möglich. Zudem vertragen die Geschossdecken keine großen Lasten. Daher können keine Dienstzimmer mit zwei Beschäftigten und den nötigen Akten eingerichtet werden. Das Jobcenter habe die Akten im Keller gelagert, so Knoblich. "Aber wir können nicht immer laufen." Also wird mehr Platz gebraucht, um Mitarbeiter und Akten zu verteilen. Deshalb sei nun voraussichtlich auch das Dachgeschoss für eine Nutzung vorgesehen, so Knoblich. Von der Hoffnung auf einen Einzug im Sommer hat er sich verabschiedet. Das vierte Quartal wird angepeilt, frühestens also Oktober. "Dann muss aber wirklich alles glatt gehen, das ist bei so einer Baumaßnahme von vornherein nicht zu erwarten."
Dringend ist der Umzug längst. "Wir wachsen und wachsen und wachsen", sagt der Gerichtsdirektor. 2007, zum Start der "Hartz IV"-Klagen, waren 1600 Verfahren im Bestand, Ende 2012 waren es fast 5800, 600 mehr als ein Jahr zuvor. Größter "Lieferant" sei dabei der Kreis Pinneberg, so sei das Itzehoer Gericht nach Lübeck zum zweitgrößten im Land geworden, sagt Knoblich. Demgegenüber seien 3200 Klagen im vergangenen Jahr abgearbeitet worden, hinzu kamen 470 Anträge auf einstweiligen Rechtsschutz.
Das Personal werde nicht nach dem Bestand zugewiesen, sondern nach Eingang der Klagen, erläutert Knoblich. Deshalb schiebe das Sozialgericht ständig eine Bugwelle vor sich her, die sich trotz engagierter Arbeit und nur leicht gestiegener Zahl der Eingänge nicht abbauen lasse.
Dabei sei das Gericht vom Land gut mit Richtern ausgestattet worden, betont der Direktor. Aktuell rechnet er mit dem 15. Kollegen. Dazu gehört Büropersonal, sodass das Sozialgericht auf fast 40 Mitarbeiter wachsen wird. Zu eng ist es schon längst: Bei den Sitzungssälen wird improvisiert, seit acht Monaten stehen an der Bergstraße zehn Büro-Container. Das funktioniere einiger maßen, sagt Knoblich, der selbst in dem Provisorium untergebracht ist. "Aber so langsam geht uns der Atem aus."

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