Datenschutz an Schulen : Überraschungen im Netz

Selbstversuch im Computerraum: Maja (l.) und Matti googeln sich gegenseitig, um einen Steckbrief des anderen auf Grundlage der Informationen aus dem Netz zu erstellen.
Selbstversuch im Computerraum: Maja (l.) und Matti googeln sich gegenseitig, um einen Steckbrief des anderen auf Grundlage der Informationen aus dem Netz zu erstellen.

Der Datenschutz wird an der Kaiser-Karl-Schule in Itzehoe bereits in der Mittelstufe gelehrt – praktisch und theoretisch.

shz.de von
01. März 2018, 05:00 Uhr

Positive und negative Aspekte dieser Entwicklung beleuchtet unsere Serie. Heute: Wie wird eigentlich an der Kaiser-Karl-Schule Datenschutz vermittelt? Und was passiert, wenn sich die Schüler mal selbst googeln?

82 Prozent der 14- bis 29-Jährigen haben sich laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom schon einmal selbst gegoogelt. „Ego-Googeln“ nennt sich dieses Phänomen. Dass man bei der Suche nach der eigenen Person auf manche Kuriosität stoßen kann, erfahren die Schüler der Kaiser-Karl-Schule (KKS) im Unterricht am eigenen Leib. Damit sie lernen, Fehltritte im Netz zu vermeiden, steht Datenschutz an der KKS auf dem Lehrplan.

Matti (15) und Maja (14) sitzen nebeneinander im Computerraum. Beide öffnen die Internet-Suchmaschine Google und tippen jeweils den Namen des anderen ein. Lehrerin Kerstin Karlsson hat ihnen die Aufgabe erteilt, auf Grundlage der Informationen aus dem Netz einen Steckbrief des Klassenkameraden zu erstellen. Matti findet direkt heraus, dass seine Mitschülerin Faustball spielt. Sie dagegen erkundet Mattis Youtube-Account. Dort findet man so einige lustige Videos, die Matti gerne schaut. „Jetzt ist das ein bisschen peinlich, aber ich stehe dazu. Jeder guckt sich doch mal an, wie dicke Menschen tanzen“, sagt Matti. Der 15-Jährige ist außerdem überrascht darüber, dass es ein Kinderfoto von ihm im Netz gibt, von dem er bisher noch nichts wusste.

Ärgerlich findet Maja ein Bild von ihrer Tanzgruppe, auf dem sie einen Badeanzug trägt. „Das finde ich sehr privat. Man muss darauf achten, wo man seine Zustimmung gibt“, sagt Maja. Und wer weiß, in welche Hände das kommt, fügt sie hinzu.

Damit es gar nicht so weit kommt, werden an dem Itzehoer Gymnasium in der Mittelstufe im Fach Medienkunde erste Grundlagen zum Thema Datenschutz vermittelt. Praktisch orientiert, wird auf Themen wie den Missbrauch von E-Mails, Smartphones und Sozialen Netzwerken eingegangen. „Für den Umgang mit dem Smartphone muss eine gewisse Sensibilität entwickelt werden, damit die Schüler nicht völlig naiv damit umgehen“, erklärt Schulleiter Martin Baudach.

In der Oberstufe werden dann Medienkompetenzen theoretisch erworben. Das heißt, es werden Grundlagen für moderne Verschlüsselungsmethoden vermittelt und dabei die Sicherheit von Netzwerken und Übermittlungsdiensten infrage gestellt. „Eine E-Mail ist wie eine Postkarte und nicht sicher“, nennt Schulleiter Martin Baudach ein Beispiel.

Um sich zu schützen, sollten Passwörter mehr als zehn unterschiedliche Zeichen haben, sagt er. Untersuchungen einer Computerzeitschrift hätten ergeben, dass 95 Prozent der Passwörter zu unsicher sind. Damit die Schüler der KKS zu den Nutzern der restlichen fünf Prozent gehören, hat Baudach einen Tipp: Die Passwortkarte. Auf der Pappkarte sind zahlreiche Buchstaben, Zahlen und Symbole in bunten Farben aufgezeichnet. „Wenn man sich daraus eine Kombination merkt, ist das schon sehr sicher. Wenn man die Karte verliert, bringt sie niemandem etwas.“

Tipps wie diese werden an der KKS nicht nur im Informatikunterricht weitergegeben, sondern in allen Fächern. Kerstin Karlsson: „Wir nehmen aktuelle Themen zum Anlass, um den Schülern zu verdeutlichen, wie wichtig es ist, im Netz nicht alles von sich preis zu geben.“


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