Hausgeburt : Überraschende Geburt in der Wanne

Jesper wurde genau um 4.28 Uhr   geboren,  bei der Geburt wog er 3940 Gramm und war 52 cm groß.
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Jesper wurde genau um 4.28 Uhr geboren, bei der Geburt wog er 3940 Gramm und war 52 cm groß.

Erst war Jesper überfällig, dann hatte es das Baby von Kathrin Hinz und Sven Horstmann besonders eilig und kam zu Hause auf die Welt

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27. April 2013, 09:04 Uhr

Wilster | Gerade einmal sieben Tage ist Jesper alt, aber es scheint beinahe so, als hätte das Neugeborene schon ein sehr ausgeprägtes Selbstbestimmungsbedürfnis. Zumindest hält das wenige Tage alte Baby seine Umwelt ganz schön auf Trab. Acht Tage war Jesper über dem von Ärzten errechneten Geburtsstichtag hinaus, dann ging alles so schnell, dass er in der heimischen Badewanne das Licht der Welt erblickte.

Zuvor war seine Mutter Kathrin Hinz alle zwei Tage zu Untersuchungen beim Frauenarzt. "Zeichen dafür, dass es nun endlich bald so weit sein könnte, gab es keine", erzählt die 29-Jährige. Es schien, als hätte Jesper wie sein eineinhalb Jahre älterer Bruder Yannick alle Zeit der Welt. Yannick war bei seiner Geburt 15 Tage über der Zeit, so dass die Entbindung schließlich eingeleitet werden musste. Ein Erlebnis, das sich Kathrin Hinz nur sehr ungern in Erinnerung ruft. "Ich habe schon leichte Panik bekommen, dass auch Jespers Geburt nicht auf natürlichem Weg erfolgt", erzählt die glückliche Mutter. Bei dem Besuch des Frauenarztes am Morgen deutete noch nichts auf eine bevorstehende Geburt hin, und so war für den übernächsten Tag eine erneute Fruchtwasseruntersuchung und ein Ultraschallbild geplant.

In der Nacht fingen dann jedoch die ersten Wehen an. "Da ich bei Jannicks Geburt keine Wehen hatte, war ich mir nicht sicher, ob es nun schon die Geburtswehen oder Übungswehen waren", so Kathrin Hinz. Die Zeitabstände zwischen den immer stärker werdenden Wehen wurden kürzer, und sie versuchte sich zu entspannen. "Ich habe etwas gegessen, den Fernseher eingeschaltet und langsame Beckenkreisungen gemacht, damit das Kind im Bauch runterrutscht - in der Hoffnung, dass die Schmerzen etwas nachlassen." Doch mit wenig Erfolg. Daraufhin ließ sie sich gegen 3 Uhr ein warmes Bad ein. In der Badewanne liegend, wurden die Schmerzen jedoch so unerträglich, dass sie weder die Wanne verlassen, noch ihren Lebenspartner Sven Horstmann so richtig zur Hilfe rufen konnte, den sie hatte schlafen lassen. "Ich war in der Zwischenzeit mal kurz wach und habe gesehen, dass der Fernseher lief. Die lauten Geräusche und das Rufen habe ich dem Fernsehgerät zugeschrieben und mich wieder umgedreht", erzählt er. Gegen 4 Uhr wurde der 32-jährige Zimmermann wach und wollte doch mal nach dem Rechten sehen. "Als er ins Badezimmer kam, hatte ich leichte Schnappatmungen, denn das Wasser hatte sich in der Zwischenzeit ziemlich abgekühlt. Ich hätte ja gerne heißes Wasser nachlaufen lassen, doch der Warmwasserspeicher war leer."

Sven Horstmann reagierte sofort, rief den Rettungswagen und klingelte bei den Nachbarn, die sich um den eineinhalbjährigen Yannick kümmerten. Als er zu seiner Partnerin zurück kam, guckte bereits Jespers Kopf leicht heraus. "Mein erster Gedanke war, hör auf zu pressen, hör bloß auf zu pressen. Aber dann dachte ich mir, so kann er ja nun auch nicht bleiben, also forderte ich sie auf weiter zu machen", erzählt der stolze Vater. Als sie dann schrie, das Kind endlich herauszuholen, nahm er all seinen Mut zusammen, suchte die Achseln des Babys und zog es heraus. "Bei der ersten Geburt habe ich beobachtet, wie die Hebamme das Kind angepustet hat und Yannick danach anfing zu atmen und zu schreien. Das hab ich ihr gleich getan", so Horstmann. Als das Kind darauf wie gewünscht reagierte, war das Elternpaar glücklich.

Zwei Minuten nach der Entbindung in der heimischen Badewanne traf der Rettungswagen ein. Nachdem Sven Horstmann die Nabelschnur durchtrennt hatte, wurden Mutter und Kind vorsorglich ins Krankenhaus gefahren.

Wirklich ernsthafte Sorgen, dass etwas schiefgehen könnte, hat sich Kathrin Hinz während der ungewollten Hausgeburt nicht gemacht. "Lustigerweise musste ich die ganze Zeit an die Schafe meines Vaters denken und daran, wie die Lämmer zur Welt kommen. Dabei habe ich mir gesagt, folge einfach deinen Instinkten und presse so, wie das Bauchgefühl es vorgibt", sagt sie, während Jesper gesund und munter lautstark verkündet, dass er nun Hunger hat und gestillt werden möchte.

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