Aushilfskräfte gegen den Lehrermangel in Itzehoe : Über Umwege in die Schule

Die Stundebeginnt Christiane Balzereit  mit einem Ritual – dann kann der Unterricht beginnen.
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Die Stundebeginnt Christiane Balzereit mit einem Ritual – dann kann der Unterricht beginnen.

Zwölf Aushilfskräfte kompensieren zurzeit den Lehrermangel an Itzehoer Bildungseinrichtungen.

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06. Februar 2018, 05:00 Uhr

Die Stunde beginnt mit einem Ritual. Christiane Balzereit klatscht rhythmisch in die Hände, auf den Tisch und stampft mit den Füßen. Die Kinder schauen ihr konzentriert zu und machen es ihr nach. Dann kann es losgehen. Auf dem Stundenplan steht Mathematik.

Eigentlich ist Christiane Balzereit Diplom-Agraringenieurin, hat zuvor unter anderem in den Umweltbehörden in Hamburg und Bremen gearbeitet. An der Grundschule Edendorf vertritt sie eine Lehrerin, die zurzeit in Elternzeit ist. Mit Kindern arbeitet die 60-Jährige aber nicht das erste Mal zusammen. Nach einer Fortbildung zur Wald- und Erlebnispädagogin leitete sie unter anderem Jugendcamps beim Naturschutzbund (Nabu). Jetzt unterstützt sie ausgebildete Lehrkräfte, bietet AGs an und baut unter anderem den Schulgarten mit auf.

Wie berichtet, nimmt der Lehrermangel an Grundschulen weiter zu. In der vergangenen Woche hat die Bertelsmann-Stiftung eine Studie veröffentlicht, nach der in den kommenden sieben Jahren bundesweit knapp 105.000 Grundschullehrer neu eingestellt werden müssten. Verglichen mit der prognostizierten Zahl von Studienabsolventen werden dann voraussichtlich 35.000 Lehrer fehlen. In Schleswig-Holstein geht die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in diesem Zeitraum von 1500 unbesetzten Stellen aus – wenn das Land nicht für mehr Nachwuchs sorgt.

Auch in Itzehoe ist dieses Thema nicht neu. „Es ist ganz schwierig, Kräfte zu bekommen“, sagt Kay Grünbauer, Leiter der Grundschule Edendorf. „Der Kreis Steinburg steht für viele Studienabsolventen nicht an erster Stelle.“ Und nicht nur er kennt dieses Problem. „Das ist ein Dauerbrenner“, sagt auch seine Kollegin Waltraud Arbeiter, Leiterin der Grundschule Wellenkamp. In der Regel bleiben Lehramtsabsolventen gern dort, wo sie studiert haben, sagt Arbeiter – in der Nähe von Universitätsstädten wie Flensburg und Kiel oder am Hamburger Rand.

„Wenn wir offene Stellen offiziell ausschreiben, gibt es in der Regel gar keine oder höchstens einen Bewerber“, so Kerit Christensen-Schultz-Collet, Leiterin der Fehrs-Schule. Für zeitlich befristete Stellen sei es noch schwieriger. Deswegen müsse sich auch ihre Schule zeitweise mit Aushilfskräften behelfen – mit Sportlehrern aus Vereinen, Erziehern oder Eltern mit pädagogischen Qualifikationen, die zeitweise einspringen können.

Der Job des Grundschullehrers muss attraktiver werden, ist Grünbauer überzeugt. Die Bezahlung müsste den Kollegen an Gemeinschaftsschulen angeglichen werden, außerdem müsse schneller verbeamtet werden. „Ansonsten gehen die Absolventen da hin, wo sie sofort verbeamtet werden können.“

Laut Angaben des Kreises Steinburg sind zurzeit zwölf Aushilfslehrer in Itzehoe beschäftigt, die kein Lehramtsstudium abgeschlossen haben – an Grund- sowie an weiterführenden Schulen. Angestellt sind diese über das Kreisschulamt, bezahlt werden sie vom Land.

In Kleingruppen unterstützt Christiane Balzereit die Schüler, so wie hier Tinus und Tore (r.).
Ruff

In Kleingruppen unterstützt Christiane Balzereit die Schüler, so wie hier Tinus und Tore (r.).

 

Der Kontakt zwischen Christiane Balzereit und der Grundschule Edendorf kam über eine Kollegin zustande, sagt Kay Grünbauer. „Ich hatte mich schon einmal für die Offene Ganztagsschule beworben“, so Balzereit, „das kam damals allerdings nicht zustande.“ Umso größer sei deswegen die Freude gewesen, als die Nachfrage kam, ob sie als Aushilfslehrerin einspringen würde. Da sie im Fachunterricht in der Regel gemeinsam mit ausgebildeten Kollegen in der Klasse ist, arbeitet sie mit den Kindern viel in Kleingruppen. Und mit denen geht es dann auch schon mal nach draußen, um anschaulichen Unterricht gestalten zu können. „Ich möchte die Kinder mit dem Herzen an die Natur heranführen“, sagt sie.

Und Kay Grünbauer ist froh, sie im Kollegium zu haben. „Sie ist ein Gewinn für die Schule“, sagt er – und hofft jetzt, sie auch über die angedachte Zeit der Elternzeitvertretung hinaus beschäftigen zu können.

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