zur Navigation springen

Kanalfähre : Über den Kanal: Ohne sie geht es nicht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Harald Bolling und Stefan Findorf setzen Fahrzeuge und Fußgänger mit der Fähre Oppeln über den Kanal bei Burg.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2013 | 17:24 Uhr

,,Kundenkontakt garantiert“ könnte in einer Stellenbeschreibung für das Personal der 14 Fähren entlang des Nord-Ostsee-Kanals stehen. Schiffsführer Harald Bolling (53) und Decksmann Stefan Findorf (46) sind auf der 45 Tonnen Fähre Oppeln in Burg tätig. Rund 1000 Fahrzeuge setzt die Burger Fähre pro Tag über, kostenfrei, denn der NOK ist eine künstliche Wasserstraße. Da ist es die Pflicht des Kanal-Betreibers, die durch den Bau des Kanals erfolgte Unterbrechung der Verkehrswege durch den Einsatz von Fähren zu überbrücken.

Bolling und Findorf wissen, besonders an Wochenenden, wenn ortsunkundige Touristen und Tagesausflügler Dithmarschens Küste aufsuchen, kommt es auch mal zu Stress. Ein Fall aus November 2012 landete dieser Tage sogar vor dem Meldorfer Amtsgericht. Ein Rentner aus Neumünster hatte zusammen mit seiner Frau offenbar einen der letzten schönen Tage 2012 für einen Ausflug zum NOK genutzt. Gegen 16 Uhr wollte das Paar heimfahren. ,,Er ist direkt an die Ampel gefahren, hat die bereits wartenden Fahrzeuge überholt, sich vorgedrängelt“, erinnert Findorf. In seiner ruhigen freundlichen Art wies der Decksmann den Neumünsteraner an, sich mit seinem Opel am Ende der Fahrzeugschlange einzureihen, doch der Rentner pöbelte gleich los. Und dann: Dreimal fuhr der Rentner dem vor seinem Opel stehenden Decksmann gegen die Beine, bis der Klügere nachgab – und Anzeige erstattete. Das Amtsgericht verhängte schließlich eine Geldauflage von 260 Euro gegen den Senior. Findorf lobt dagegen ,,unsere Stammkunden“. Denn: ,,Stets nett und freundlich“ seien diese Pendler. Da bringen manche den Fährleuten morgens auch schon mal Kaffee und ein belegtes Brötchen vom Bäcker mit. Auswärtige wollen manchmal Trinkgeld geben angesichts der kostenlosen Überfahrt. Die verweist Findorf dann auf das zu jeder Fähre gehörende Spendenschiff der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.

An ein besonders schönes Erlebnis erinnert sich Schiffsführer Bolling. Er hatte einen österreichischen Motorradclub mit 33 Maschinen geschlossen übergesetzt. Einige Wochen später kam eine Dankesmail aus dem Alpenland.

,,Das Positive überwiegt“, sind sich die beiden Fährleute einig. ,,Ich habe meine Schiffe, ich habe mein Wasser – das was ich immer wollte, das ist meine Welt“, bringt Harald Bolling die Freude an seinem Beruf auf den Punkt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen