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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 14:38 Uhr

Alles simuliert : Üben für den Ernstfall

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ärzte und Pfleger am Klinikum Itzehoe trainieren in Simulationen für Notsituationen. Workshop zeigt verschiedene Konzepte.

von
erstellt am 15.Nov.2014 | 07:00 Uhr

Dr. Ann-Kathrin Holle ist angespannt. Ihr Patient − ein 22 Monate altes Baby − blutet stark. Das Kind hat gerade eine Mandeloperation hinter sich, die eigentlich ohne Komplikationen verlaufen ist. Doch die Nachblutungen sind lebensbedrohlich. An der Seite der Ärztin kämpfen die Kinderkrankenschwestern Janine Wilke und Melanie Schlüter im Klinikum Itzehoe um das Leben des Babys. Sie müssen jetzt als Team perfekt zusammenarbeiten, nur so können sie das junge Leben retten. Das gelingt. Das Problem ist rasch erkannt, das Baby überlebt.

Doch es war kein echter Notfall. Was in Raum- und Luftffahrt seit langem üblich ist, hält seit einigen Jahren in Medizin und Pflege zunehmend Einzug: Simulationen. „Ärzte und Pflegepersonal sollen für die tägliche Arbeit und außergewöhnliche Notfallsituationen geschult werden“, erläuterte Angelika Dahl-Dichmann die Hintergründe. Seit zwei Jahren bietet die Leiterin der Gesundheits- und Krankenpflegeschule für ihre Mitarbeiter Simulationen an, seit einem Jahr sind zudem die Ärzte dabei. Gemeinsames Ziel sei die bestmögliche Patientenversorgung.

Bei einem Workshop präsentierte das Klinikum die Trainingskonzepte und Simulationen zahlreichen Interessierten aus Medizin und Pflege. Erstmals gestaltete der Arbeitsbereich Pflege mit dem ärztlichen Team der Kinderklinik und der Anästhesie die Veranstaltung. Neben Vorträgen stand dabei vor allem die Praxis im Vordergrund. So gab es außer dem blutenden Baby auch ein Angebot aus der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung. Das Szenario: Ein älterer Patient klagte nach einem nächtlichen Sturz über Schmerzen in der linken Körperhälfte. Die Blutdruckmessung in den Morgenstunden ergab erhöhte Werte. Die Aufgabe für Gesundheitspflegeschülerin Kathrin Dürr: erneut Puls und Blutdruck zu messen. Eine Standardversorgung also − bei der es jedoch trotzdem vieles, unter anderem bei der Kommunikation, zu beachten gibt, wie Angelika Dahl-Dichmann erläuterte.

Nach der Simulation folgt stets eine Nachbesprechung, ein so genanntes Debriefing. „Das ist sehr wichtig“, sagte Dr. Markus Fiege, Chefarzt der Anästhesie. Denn dabei könnten nicht nur Fehler angesprochen werden, vielmehr gehe es darum, die Kommunikation und die Arbeit im Team zu beleuchten und diese gegebenenfalls zu verbessern. Denn: „75 Prozent aller Störungen sind auf menschliches Handeln zurückzuführen“, weiß Angelika Dahl-Dichmann. Diesen Wert zu verringern, sei eines der Ziele der Simulationen.

Zwar bestehe für die Mitarbeiter eine Pflicht zur Fortbildung, betonte
Dr. Georg Hillebrand, Chefarzt der Kinderklinik. Die Teilnahme an den Simulationen ist allerdings freiwillig. „Doch wir haben sehr guten Zuspruch und viele positive Rückmeldungen.“ Bis zu drei Stunden dauert das Training, „deswegen müssen wir langfristig planen“. Nur so ließen sich normaler Klinikablauf und Simulation unter einen Hut bringen.

Geübt wird mit Patientensimulatoren, quasi interagierenden Puppen. „Sie sind sehr realistisch“, beschrieb Dahl-Dichmann. So lassen sich beispielsweise die Zähne herausnehmen, der Magen aussaugen, einige Geräte atmen sogar selbstständig. „Es lassen sich Wunden simulieren und Injektionen trainieren“ erläuterte die Schulleiterin. Auf einem Monitor werden die Vitalparameter des Patienten angezeigt, so dass die Teilnehmer ständig sehen, ob die Behandlung Erfolg hat.

Dr. Ann-Kathrin Holle, Janine Wilke und Melanie Schlüter haben zwar alle bereits an Simulationen teilgenommen, doch als Team war es eine Premiere. Die drei sind von den positiven Effekten überzeugt. „Das ist ein sehr gutes Training“, sagte Holle. Melanie Schlüter ergänzte: „Es ist sehr hilfreich, um das Wissen aufzufrischen.“ Man könne gar nicht häufig genug üben.

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