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Bahnquerung : Tunnel-Kosten: Hoffen auf Millionen

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Schlussabrechnung für die Wellenkamper Bahnquerung liegt nach mehr als vier Jahren vor: Bahn und Bund erkennen viele Kosten an. Indes läuft der Schadensersatz-Prozess gegen die Baufirma weiter.

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erstellt am 04.Jan.2014 | 08:00 Uhr

Der große Tag liegt schon fast viereinhalb Jahre zurück: Im September 2009 wurde die Bahnunterführung in Wellenkamp eingeweiht. Abgeschlossen war das Projekt damit aber noch lange nicht. Bis heute beschäftigt es die die Verwaltung. Die Abrechnung der Baustelle machte große Probleme – zumal die Kosten von 13,7 Millionen auf mehr als 20 Millionen Euro gestiegen sind. Weil in den Akten wichtige Dokumente fehlten und Unordnung herrschte, konnte die Schlussrechnung nicht erstellt werden. Als Folge leisteten Bund und Bahn ihre Kostenbeiträge nicht – Millionen, die der Stadt fehlen.

Doch nun gibt es Licht am Ende des Tunnels: Eine Arbeitsgruppe mit dem früheren Bauamtsleiter Helmar von Torklus als Chef hatte sich an die Aufarbeitung des Projekts gemacht. „Nachdem alles wieder in die Gänge gebracht werden musste, haben wir es jetzt hinbekommen: Die Akten wurden sortiert, eine Struktur hineingebracht und eine ordentliche Zusammenstellung aller Kosten vorgelegt – es ist alles erledigt“, sagt Bürgermeister Dr. Andreas Koeppen, der im Jahr nach der Tunnel-Einweihung ins Amt kam.

Die Unterlagen seien an den Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr übergeben worden, der Ansprechpartner für die Stadt ist, wenn es um die Zuwendungen Dritter für das Bauvorhaben geht. „Und das, was wir an Arbeit geleistet haben, wurde vom Landesbetrieb anerkannt“, freut sich Koeppen. „Wir sind vom ursprünglichen Kostenansatz um einiges entfernt und mussten vieles neu ermitteln“, erklärt der Bürgermeister. „Wir haben viel Arbeit reingesteckt. Jetzt reden wir übers Geld.“

Doch die Gespräche mit den Vertragspartnern liefen sehr einvernehmlich. Es sei eine erste Änderung der seinerzeit zwischen Stadt, Bund und Bahn geschlossenen Kreuzungsvereinbarung auf den Weg gebracht, „so dass die Mehrkosten einfließen können“. Die Vertragspartner „erkennen viele Kosten an, so dass wir berechtigte Hoffnung haben, dass wir eine nennenswerte Summe erhalten“. Damit könne „dieses etwas schräg gelaufene Projekt“ hoffentlich bald zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden, meint Koeppen.

In einem anderen Punkt ist ein gutes Ende noch weit entfernt: Wann es ein Ergebnis im Gerichtsstreit mit der gekündigten Baufirma geben wird, ist noch völlig offen. Die Stadt hatte der Alpine Bau Deutschland AG, Niederlassung Halle-Leipzig, wegen großer Verzögerungen auf der Baustelle im August 2007 gekündigt. Eine neue Firma baute zu Ende. Der Tunnel wurde erst ein Jahr später fertig als angepeilt – und deutlich teurer. Im Prozess fordert die Stadt rund 2,5 Millionen Euro Schadenersatz. Alpine dagegen sieht die Schuld für die Verzögerungen bei der Stadt, hält die Kündigung für unberechtigt und fordert ihrerseits 2,8 Millionen Euro. In erster Instanz hat die Stadt den Schadenersatz-Prozess verloren. Dagegen ist sie in Berufung beim Oberlandesgericht gegangen.

„Wir sind nach wie vor überzeugt, dass Alpine schlecht geleistet hat und die Kündigung gerechtfertigt war“, betont Koeppen. „Wir müssen versuchen, die Kosten über den Rechtsweg reinzuholen.“ Wie das ausgehen werde, könne man jedoch nicht voraussagen – zumal die Lage inzwischen noch schwieriger geworden ist: Die Alpine Deutschland AG hat wie ihre österreichische Mutter Insolvenz angemeldet. „Der Insolvenzverwalter führt den Prozess aber weiter“, sagt Koeppen und ahnt: „Das kann sich noch sehr lange hinziehen.“


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