Pierre Brice : Trauriger Abschied von Winnetou

Sommer 2012 in Kroatien: Pierre und Hella Brice mit Thomas Claaßen (l.) vor einem Felsmassiv, das aus Winnetou-Filmen bekannt ist.
Sommer 2012 in Kroatien: Pierre und Hella Brice mit Thomas Claaßen (l.) vor einem Felsmassiv, das aus Winnetou-Filmen bekannt ist.

Journalist Thomas Claaßen ist seit Jahren für die Medienarbeit des verstorbenen Schauspielers Pierre Brice zuständig.

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09. Juni 2015, 05:30 Uhr

Es war ein bewegtes Wochenende für Thomas Claaßen (38). Und ein bewegendes. Sonnabend musste er die Nachricht herausgeben: Winnetou ist tot. „Es hat keine fünf Minuten gedauert, dass das Telefon nicht mehr still stand.“ Viele überregionale Medien wollten eine Bestätigung aus dem Büro Pierre Brice, der Journalist aus Heiligenstedten machte seine Arbeit. Obwohl es ihm schwer fiel: „Es ist schon so, dass ein Freund gestorben ist.“

Als Kind sah Claaßen Ausschnitte von Winnetou-Filmen im Fernsehen, durfte dann die Karl-May-Bücher seiner Mutter lesen. Schon früh war er bei den Festspielen am Segeberger Kalkberg, erst recht aber, als Pierre Brice dort ab 1988 den Häuptling spielte. Von da an sei er „so richtig“ Fan gewesen, sagt Claaßen. Die Melodie, die Kulisse, der Kämpfer für das Gute, vor allem die Ausstrahlung – „die hat mich sofort in den Bann gezogen“. In den Fanclub durfte er 1991, war bei den jährlichen Treffen dabei.

Als der Schauspieler 1995 einen Hilfskonvoi ins Kriegsgebiet auf dem Balkan führte, schickte Claaßen ein Fax an den NDR, wo Brice bald darauf auftrat. Der Star las das Fax live in der Sendung vor, seine Frau Hella rief sogar beim Absender an. Claaßen wurde aktiver im Fanclub, übernahm vor 15 Jahren die Fanbetreuung auf der Internetseite: „Da ist der Kontakt intensiver geworden.“

Bald wurde er richtig eng. Pierre Brice schrieb seine Autobiographie, alles mit der Hand und auf Französisch. Claaßen erfasste den Text am Computer, wohnte dafür immer wieder einige Tage im Landhaus des Schauspielers bei Paris, der ihn unterstützte. Ob die Zeit als Botenjunge in der Resistance oder als Elitesoldat in Indochina: „Der Mann saß neben mir und hat Rotz und Wasser geweint, weil er in den Geschichten so drin war.“ Auch bei der Übersetzung wirkte der Steinburger mit.

Nach der Vorstellung des Werkes auf der Buchmesse in Frankfurt 2004 übernahm er mehr und mehr die Arbeit mit den Medien. Erst im Auftrag des Verlags, dann in eigener Regie organisierte Claaßen die Promotion-Tournee für die Autobiographie, fuhr mit Pierre Brice mit dem Auto durch Deutschland. „Das hat uns immer weiter zusammengeschweißt.“ Gemeinsam reisten sie auch ins Ausland, ob für Hilfsaktionen wie 2005 beim RTL-Spendenmarathon nach dem Tsunami auf Sri Lanka oder für Dreharbeiten wie in Ghana für „In aller Freundschaft“.

In Tschechien sei Brice gefeiert worden wie in den 60er Jahren: „Wir sind gar nicht aus dem Hotel herausgekommen.“ Autogrammstunden, Stargast-Auftritte, meist sei er dabei gewesen, sagt Claaßen und betont: Pierre Brice habe gewusst, wem er seinen Erfolg zu verdanken habe. „Er ist immer so lange da geblieben, bis auch der Letzte sein Autogramm gekriegt hatte.“ Die Karten schickt Claaßen nun nicht mehr hinaus – die richtigen Fans hätten sie bereits, andere versuchen jetzt, im Internet damit Kasse zu machen.

Manche Falschmeldung musste Claaßen wieder einfangen. So erst vor vier Wochen, als Brice wegen eines Nierensteins nicht beim Treffen „25 Jahre Schloss am Wörthersee“ sein konnte. Nierenkolik, Prostatakrebs, meldete die Klatschpresse. Alles Quatsch. Der Schauspieler erholte sich, sein Tod am Sonnabend mit 86 Jahren sei nicht abzusehen gewesen, sagt Claaßen.

Noch am selben Tag kamen die Fragen, wann und wo die Beerdigung sei. Das konnte der Journalist nicht beantworten, obwohl er in ständigem Kontakt mit der Familie, vor allem der Ehefrau, und dem Anwalt steht. Hella Brice habe gefragt, ob er bei der Trauerfeier eine Rede halte, so Claaßen. Sprechen soll er als Freund und für die Fans: „So ist das Ganze ja entstanden.“

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