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Norddeutsche Rundschau

24. Oktober 2017 | 14:12 Uhr

Zukunftstechnologie : Traumjob Trockenätzen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Im Mikrobereich bearbeitet Fenja Rathjen die Strukturen von Oberflächen in der Chip-Produktion. Ihren Beruf ergriff sie eher zufällig.

von
erstellt am 19.Jul.2017 | 05:47 Uhr

Innovationsraum? Das sind die Gebäude hinter der Autobahnbrücke an der Abfahrt Itzehoe-Nord. Mehr wissen die meisten nicht über die boomende Hightech-Region der Stadt. In loser Folge stellen wir Beschäftigte und ihre Arbeitsfelder vor.

Fotografin. Das war ursprünglich der Plan. Aber Fenja Rathjen fand nach der Schulzeit keinen Ausbildungsplatz. Welcher andere Beruf ihr Spaß machen würde, dazu hatte sie damals noch keine konkreten Vorstellungen. „Überall“ habe sie sich beworben, sagt die heute 27-jährige Glückstädterin: „Ich hätte fast alles gemacht.“ Dann kamen die Einladung von Vishay Siliconix zum Vorstellungsgespräch als Maschinen- und Anlagenführerin und schließlich die Zusage für die Ausbildung. Fenja Rathjen dachte sich: „Die zwei Jahre kann man das machen, dann hat man wenigstens was in der Tasche.“ Womit sie da noch nicht rechnete: Heute hat sie einen guten Job im Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie (Isit) – und ist davon mehr als angetan.

Fenja Rathjen stammt aus Peissen, nach Feierabend zieht es sie dorthin zu ihrem Pferd. Auf Vishay kam sie durch ihren Vater, der dort in der Produktion von Mikrochips für die Leistungselektronik arbeitete. Physik und Chemie waren nicht die Fächer, für die sich Fenja Rathjen auf der Schule in Hohenwestedt begeistern konnte. Das hat sich stark geändert, jetzt findet sie Worte wie „spannend“ und „faszinierend“ für ihre Tätigkeit: „Ich war sehr überrascht, dass mich das mit den Naturwissenschaften so interessiert.“

Weil es ihr so gut gefiel, blieb sie nicht nur bei Vishay, die junge Frau schloss an die erste Ausbildung noch eine zweite als Mikrotechnologin an. Und profitierte davon, dass der Berufsschul-Teil für alle Azubis aus Deutschland am Regionalen Berufsbildungszentrum stattfindet: „Ich war ganz froh, dass ich den normalen Arbeitsweg nach Itzehoe hatte.“ Auch wenn die meisten Kollegen vorher das Abitur gemacht hatten, Fenja Rathjen ist ein Beispiel dafür, dass die Ausbildung auch mit dem Realschulabschluss funktioniert: „Auf jeden Fall, wenn man sich anstrengt.“

Am Ende ihrer dreijährigen Ausbildung befand sich Vishay gerade in Kurzarbeit. Mit dem Wunsch nach einer sicheren Stelle bewarb sich die Glückstädterin beim Isit, schnell kam die Zusage: „Ich habe den Wechsel nie bereut.“ Die Massenproduktion von Hochleistungselektronik bei dem Unternehmen bedeute mehr Kontrolle und auch mehr Druck im Arbeitsalltag.

Was nicht heißt, dass es im Isit keinen Stress gibt: „Die Projekte müssen rechtzeitig fertig werden“, betont Fenja Rathjen, sei es für die Kollegen am Isit, sei es für den Chip-Produzenten XFab. Dennoch sei mehr Zeit, an Einstellungen zu feilen und zu forschen. Die 27-Jährige beschäftigt sich mit dem Trockenätzen: Ionisiertes Gas reagiert mit Materialien wie Silizium, Gold oder Aluminium, während andere Stellen auf dem Mikrochip durch Fotolack geschützt werden. Weil jedes Bauteil mehrere Schichten hat, wird die jeweils benötigte Struktur freigeätzt oder geschaffen – es geht um Gräben und Löcher im Bereich von tausendstel Millimetern und das Herstellen elektrischer Kontakte. „Viele Sachen erleben ihren letzten Schritt bei mir, ich kann quasi das Endprodukt sehen“, sagt Fenja Rathjen. Handwerk und Forschung halten sich die Waage, viele Arbeitsabläufe gehen ihr standardmäßig von der Hand.

Die eigenen Prozesse zu optimieren, ist ein wichtiger Teil des Jobs. Und dabei macht Fenja Rathjen nun den nächsten Schritt mit einer Ausbildung am Röntgenmikroskop: „Man kann ganz tief in die Strukturen reingucken und auch kleinste Bereiche auflösen.“ Ein weiterer Grund für sie, dem Isit die Treue zu halten neben „tollen Arbeitskollegen und tollen Chefs“. Seit vier Jahren arbeitet die Glückstädterin am Isit – „ich hoffe, dass noch viele Jahre folgen“.

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