Arbeiten in Itzehoe : „Traum-Lehrling“ aus Syrien

Schon als Zwölfjähriger hat er erste Erfahrungen in seinem Handwerk gemacht: Haj Mohamad.
Schon als Zwölfjähriger hat er erste Erfahrungen in seinem Handwerk gemacht: Haj Mohamad.

2015 kam Haj Mohamad auf der Flucht vor dem Krieg nach Itzehoe – heute macht er eine Ausbildung in der Bäckerei Frähmcke.

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23. März 2018, 05:08 Uhr

Wenn der 22-jährige Ibrahim Haj Mohamad in der Backstube steht und Teig knetet, dann sieht es so aus, als habe er sein ganzes Leben lang nichts anderes gemacht. Tatsächlich arbeitete der Syrer schon als Zwölfjähriger während der Schulferien in einer Bäckerei in Aleppo. Heute ist er Auszubildender im zweiten Lehrjahr in der Itzehoer Bäckerei Frähmcke – und damit ein Beispiel für die erfolgreiche Integration eines Flüchtlings in den deutschen Ausbildungsmarkt.

Einen „Traum-Lehrling“ nennt ihn sein Chef Jörg Frähmcke (39), der mit Haj Mohamads Arbeitseinstellung überaus zufrieden ist. Lediglich die Sprache bereitet noch Probleme.

Haj Mohamad kam im September 2015 mit der großen Flüchtlingswelle nach Deutschland. Weil er in seiner Heimat schon als Bäcker gearbeitet hatte, absolvierte er in dem Itzehoer Betrieb zunächst ein zweiwöchiges Praktikum. Der Meister erkannte das Potenzial des jungen Mannes und ermöglichte ihm ab August 2016 eine einjährige Einstiegsqualifizierung, die im vergangenen Jahr nahtlos in eine Ausbildung überging. Die Vorbereitungszeit wurde nachträglich als erstes Ausbildungsjahr anerkannt, so dass der anerkannte Flüchtling nun schon fast die Hälfte seiner Lehre geschafft hat.

„Er besitzt ein gutes Gespür für die Teige und hat die Rezepturen alle im Kopf“, sagt Frähmcke. Für den Bäckerberuf sei er definitiv geeignet. Sein Deutsch werde von Tag zu Tag besser, die Kommunikation in der Backstube klappe inzwischen reibungslos.

Schwierigkeiten bereite dagegen noch die Theorie: Die Zwischenprüfung im Januar fiel wegen Verständnisproblemen nicht so gut aus. „Wir arbeiten daran“, sagt Frähmcke.

In dem kleinen Betrieb mit acht Mitarbeitern und fünf Lehrlingen ist Haj Mohamad inzwischen akzeptiert. Anfangs seien einige Angestellte skeptisch gewesen, ob ausgerechnet ein Flüchtling ins Team passe. „Doch als er da war und alle gemerkt haben, dass er ein ganz normaler Mensch ist, hat sich die Einstellung schnell geändert.“ Inzwischen helfe ihm ein Lehrlingskollege sogar beim Vokabeln-Pauken.

Dass der Syrer erfolgreich in ein Ausbildungsverhältnis vermittelt wurde, ist nicht selbstverständlich. Laut Arbeitsagentur waren im Februar dieses Jahres im Kreis Steinburg noch immer 1588 erwerbsfähige Personen aus den Hauptherkunftsländern der Asylbewerber, darunter Syrien, Afghanistan und Eritrea, arbeitslos. Immerhin 40 Flüchtlinge hätten seit 2015 eine Ausbildung, rund 300 eine Arbeit aufgenommen. Die Zahlen der Erwerbslosen sind laut Ronald Geist zum ersten Mal seit 2015 rückläufig. Eine Entwicklung, die den Leiter der Arbeitsagentur Heide zuversichtlich stimmt: „Vor allem im Jahr 2017 ist es gelungen, einige der geflüchteten Menschen in Arbeit und Ausbildung zu integrieren. Um diesen Prozess noch weiter zu verstärken, setzen wir intensiv auf berufliche Qualifizierungen.“

Aus Frähmckes Sicht gibt es kein Patentrezept für die Integration auf dem Arbeitsmarkt. „Ob es klappt, ist in erster Linie von dem jeweiligen Menschen abhängig.“ Haj Mohamad würde er jederzeit wieder einstellen. „Es ist wahnsinnig schwer, Nachwuchs zu finden. Da wäre es fatal, geeignete Flüchtlinge wieder in ihre Heimat zurückzuschicken.“ Inzwischen bereichert der Azubi die kleine Bäckerei sogar mit heimischen Spezialitäten: Jeden Mittwoch gibt es bei Frähmcke syrische Pizza – ein Ölteig mit Hackfleisch belegt. Die Zubereitung ist einzig und allein Haj Mohamad vorbehalten. Frähmcke: „Ich habe einmal versucht, es nachzumachen, aber es ist mir nicht gelungen.“

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