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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2017 | 22:24 Uhr

Kunst : Trauer um „Lulu, die Sternenkuh“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Holstein-Center ließ von Schülern gestaltete Figur weiß übermalen

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer in den sozialen Netzwerken: Die zuvor bunte Kuh, die in den vergangenen vier Jahren im Holstein-Center (HC) an verschiedenen Orten zum Blickfang geworden war, ist auf einmal wieder weiß.

Enttäuschung machte sich vor allem bei den 20 Malschülern der Itzehoer Künstlerin Christiane Maluck (52) breit, die die Figur im Herbst 2011 acht Wochen lang künstlerisch gestaltet und mit Mustern in verschiedenen Farben bemalt hatten, nachdem sie diese in einer Werbeaktion vom Holstein-Center zur Verfügung gestellt bekommen hatten. Sie kamen jeweils drei Stunden in der Woche zusammen, malten mehr als 20 Stunden, um die lebensgroße Kunststoff-Figur kreativ zu gestalten. Herzstück: einige Sterne, von denen sie auch ihren Namen erhielt: „Lulu, die Sternenkuh“.

Alle kleinen Künstler haben darauf unterschrieben. „Unsere Absprache mit dem Holstein-Center lautete, dass sie zu Werbezwecken vorläufig stehen bleibt und irgendwann in den Besitz der Kinder übergehen kann“, so Christiane Maluck. Schriftlich gebe es diese Abmachung mit dem damaligen Center-Manager Henner Schacht allerdings nicht. Nun ist vor kurzem in das Atelier, vor dem die Figur stand, die Galerie Schulterblick eingezogen – und Schüler und Mal-Lehrerin wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. „Die Kinder haben mich völlig aufgelöst angerufen und gefragt, was mit ihrer Kuh geschehen sei. Sie sind maßlos enttäuscht“, erzählt Maluck.

Nachfrage bei der neuen Center-Managerin Jacqueline-Corin Fröde: Es sei ein neues Kinderprojekt geplant, „das sehr spannend ist“, sagt sie. „Dafür sollte die bunte Kuh neu gestaltet werden.“ Henner Schacht, der Ende Oktober im HC aufhörte, habe dafür die Freigabe erteilt. „Ich kann die Enttäuschung einerseits verstehen, andererseits stand die Kuh seit drei Jahren da, und es sollte nun eine Veränderung geben. Da haben wir sie zur Verfügung gestellt“, so Fröde.

Für die jungen Künstler ist es damit nicht getan. „Sie wollen ihre Kuh zurück“, sagt Maluck. „Hier wurde Kunst zerstört – sie lernen bei mir Malerei und Freude an der Kunst und den Respekt vor Werken anderer Künstler. Und nun wurde dies auch noch mit Einwilligung von anderen Künstlern zerstört“, kritisiert sie mit Blick auf die neue Galerie. „Wenn die Kinder das gemacht hätten, wäre es Vandalismus genannt worden.“

Drei von ihnen sind Stine Junge, Beke Schulz und Catharina Key aus Itzehoe, heute 17 und 18 Jahre alt. „In der Schule war Lulu bekannt – eben wie eine bunte Kuh“, sagt Stine. „Ich habe mich immer gefreut, wenn ich hier vorbei gekommen bin und unsere Arbeit gesehen habe“, ergänzt Beke. Und Catharina erzählt: „Wir haben gesehen, dass Kinder mit ihren Handys Fotos von ihr gemacht haben.“ Einige wollten nun sogar demonstrieren. Innerhalb von sieben Tagen kamen rund 150 Unterschriften „gegen die Zerstörung von Kinderkunst der Malschule“ zusammen. Christiane Maluck sagt nun aber auch: „Wir würden sie nicht noch einmal bemalen. Aber wir fordern zumindest eine phantasievolle Entschuldigung bei den Kindern und Jugendlichen.“

Die Beteiligten sehen das anders. Heinz-Jürgen Mundt, der mit Christine Milsmann im Mai die Galerie „Schulterblick“ eröffnet hat, verteidigt die Aktion. „Die Kuh gehört der Geschäftsleitung des Holstein-Centers. Es war der Wunsch des Center-Managers, dass die Kuh anders gestaltet werden sollte.“ Es sei ihm nicht darum gegangen, sie von sich aus zu verändern. „Wir haben aber den Auftrag bekommen, sie umzugestalten und das umgesetzt.“

In der Weihnachtszeit können sie allerdings nicht weiter machen. „Wir haben sie deshalb nur grundiert, bis wir dazu kommen. Deshalb ist sie nun erst einmal weiß. Für den Moment haben wir sie deshalb erst einmal ,Schneekuh‘ genannt.“ Das Verhalten der Malschule nennt er „aggressiv und intolerant. Ich bin enttäuscht, weil wir uns ja kennen.“ Und: „Ich habe nicht das Gefühl, dass die Kinder enttäuscht sind, die regelmäßig hier vorbeikommen und die Kuh auch umarmen.“

Wie es mit der Kuh weitergeht, steht noch nicht fest. „Wir haben viele Ideen, was wir daraus machen könnten“, sagt Jürgen Mundt. „Es könnte eine ,Sternenhimmelkuh‘ werden. Oder eine ,Friedenskuh‘. Dann malen wir einen Weltaltlas zu Krisengebieten darauf.“


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