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Norddeutsche Rundschau

17. Dezember 2017 | 22:40 Uhr

Nachruf : Trauer um Ilse Nölke

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Glückstädter Unternehmerin und Kunstmäzenin ist im Alter von 92 Jahren gestorben

von
erstellt am 10.Apr.2015 | 08:00 Uhr

Trauer um Ilse Nölke. Die Glückstädter Unternehmerin ist im Alter von 92 Jahren verstorben. Ilse Nölke war nicht nur lange Zeit Chefin der gleichnamigen Glückstädter Großwäscherei, sondern tat sich unter anderem auch als herausragende Unterstützerin der Kultur hervor.

Vor einigen Jahren ließ sie am Rhin ein Haus renovieren und richtete dort eine Galerie ein – die Heesch-Mühle wurde zum Treffpunkt für Ausstellungen, Musikveranstaltungen und Lesungen. „Sie holte Künstler nach Glückstadt“, sagt ihr Sohn Jochen Nölke. „Das hat ihr Freude gemacht.“ Erst im vergangenen Jahr richtete sie das Gelände rund um die Heesch-Mühle zu einem Ausstellungspark her.

Das Areal wirkt wunderschön – vor allem, wenn der Betrachter es vom Rhin aus sieht. Auch ihr eigenes Wohnhaus liegt einige Meter entfernt an dem Fluss. So kam ihr die Idee, den „Rhin in seiner ganzen Schönheit zugänglicher zu machen“, sagt ihr Sohn. „Ich habe die Anregungen meiner Mutter dann umgesetzt.“

Das Gebiet sollte für Radfahrer und Fußgänger zugänglich gemacht werden, so die Idee. Alle sollten an der Schönheit teilhaben, erklärte Ilse Nölke. „Dieses Vermächtnis übernimmt jetzt die nächste Generation“, spricht Jochen Nölke im Namen seiner Geschwister Dr. Hannelies Kahl und Hans-Heinrich Nölke. Auch die Galerie werde die Familie weiterbetreiben.

„Man muss sich kümmern! Kümmern muss man sich!“ Dies sei das vorgelebte Leitmotiv ihrer Mutter gewesen“, sagt Hannelies Kahl. In diesem Sinne hätte sie auch ihre Kinder erzogen. Dies habe sie von den Familienmitgliedern und von Freunden eingefordert. In diesem „Geist“ will die Familie jetzt eine Stiftung gründen, die „Dr. Kurt und Ilse Nölke-Stiftung“, die auch den verstorbenen Ehemann mit einbezieht.

Noch kurz vor ihrem Tode habe sie mit „Kraft und Begeisterung“ über das Rhin-Projekt mit dem SPD-Stadtvertreter Ulf Ostermann gesprochen. „Sie haben sich mit ihrer Begeisterung für den Rhin ergänzt“, sagt Jochen Nölke, der das Projekt jetzt engagiert fortführen will.

Ilse Nölke wuchs gemeinsam mit ihren beiden Geschwistern Lotte und Kurt in Glückstadt auf. Ihr Vater Dr. Fritz Benirschke (1887-1944) war Chemiker und mit Marie-Luise Lübcke (1898-1953) verheiratet – der Tochter eines Glückstädter Kohlenhändlers. Als 1935/36 die Marine-Kaserne gebaut wurde, machten sich die Eltern mit einer „Waschanstalt“ selbstständig. Ilse Nölke musste wie ihre Geschwister Lotte und Kurt bereits als Kind in der Wäscherei – bekannt auch als „Die Glückstädter“ – mitarbeiten. Denn an jedem Sonnabend, dem sogenannten Badetag in der Kaserne, wechselten über 1000 Soldaten ihre Wäsche.

Nach der Schule wurde sie Gymnastiklehrerin und heiratete 1943 den Bauingenieur Dr. Kurt Nölke. 1944 kam Tochter Hannelies zur Welt. Das Ehepaar übernahm die Wäscherei, die damals noch ihren Standort an der Königstraße und am Proviantgraben hatte. Ilse Nölke führte das Unternehmen – welches sich ständig vergrößerte – gemeinsam mit ihrem Mann Kurt.

Mitte der 1980er Jahre zog die Wäscherei an den Standort Stadtstraße. Die Firma wuchs noch einmal deutlich und Jochen Nölke wurde Chef des Unternehmens. Doch Ilse Nölke arbeitete weiter und übernahm mit 71 Jahren Anfang der 1990er Jahre eine Näherei in Pritzwalk in Brandenburg. Aus sehr bescheidenen Anfängen baute Ilse Nölke ein selbstständiges Unternehmen mit 30 Näherinnen auf. Darauf war sie stolz.

Die Wäscherei Nölke wurde 1996 – damals auf rund 800 Mitarbeiter angewachsen – an den dänischen Sophus-Berendsen-Konzern verkauft. 2002 wurde wiederum die Sophus-Berendsen-Gruppe von der börsennotierten Davis Service Group aus England übernommen.

Die ehemalige Chefin des Glückstädter Krankenhauses, Dr. Sibylle Lindenberg, hat Ilse Nölke als „sehr hilfsbereit“ erlebt. Dr. Lindenberg organisierte in den 90er Jahren Hilfstransporte für litauische Krankenhäuser. Sie bat Ilse Nölke um Hilfe und die Unternehmerin sammelte darauf hin Wäsche. „Sie hatte die Kriegsjahre erlebt und die anschließenden Wirtschaftswunderjahre“, sagt die Ärztin. „Sie hat sich aber das Bewusstsein erhalten, dass es wieder anders kommen kann.“ Ilse Nölke ließ viel Wäsche reparieren, die für deutsche Krankenhäuser nicht mehr gut genug war und spendete diese für die litauischen Krankenhäuser.

In Glückstadt spendete Ilse Nölke viel für die Kultureinrichtungen. So auch für das Detlefsen-Museum, in deren Förderverein sie Mitglied war. „Sie hatte immer ein offenes Ohr“, sagt Norbert Meinert, Vorsitzender des Fördervereins, über ihr Engagement. Gerne gesehen war sie auch im Palais für aktuelle Kunst. Ebenso war sie eine herausragende Unterstützerin von Musikveranstaltungen – so förderte sie den Verein „Musik in der Stadtkirche“.

Persönlich hatte sie eine besondere Vorliebe: Sie sammelte Puppen. Von ihrer letzten Reise vor kurzem brachte sie die Puppe einer italienischen Künstlerin mit. Zu ihrer großen Freude wurde über ihre Sammlung im vergangenen Jahr ein Buch produziert. Auch dies sei ein Vermächtnis an die Familie. Es gibt Überlegungen, diese Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Zeitlebens hat sich Ilse Nölke ihrer Heimatstadt sehr verbunden gefühlt. Die Trauerfeier findet am Donnerstag, 16. April, um 15 Uhr in der Stadtkirche statt.

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