Trauer um Esther Fröbe

01_ae12ae.jpg

Avatar_shz von
08. Mai 2009, 10:22 Uhr

Itzehoe | Auf die Frage, welches Talent sie gerne be sitzen möchte, antwortete Esther Fröbe einst: Singen. Eine musikalische Stimme war ihr vielleicht nicht vergönnt. Dafür konnte sie schreiben. Und wie. Mehr als 50 Jahre lang begleitete sie als Mitarbeiterin unserer Zeitung Land und Leute überall im Kreis Steinburg. Die wohl dienstälteste Journalistin in Schleswig-Holstein starb Mittwoch nach langer Krankheit wenige Tage nach ihrem 93. Geburtstag.

Ihren ersten Bericht hatte sie über eine Modenschau bei Behrens & Haltermann verfasst. Das war 1949, im Gründungsjahr der Norddeutschen Rundschau. Tausende von Artikeln sollten folgen. Esther Fröbe war überall, wo sie mit Block, Bleistift und ihrer geliebten Kleinbildkamera auftauchte, ein gern gesehener und hoch willkommener Gast. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang versorgte sie die Redaktion und damit alle unsere Leser mit Nachrichten und Geschichten aus Vereinen, Verbänden und Politik. Sie stürzte sich in die großen Brokdorf-Demonstrationen, beschrieb die Entwicklung in Landwirtschaft und Handwerk.

Nicht einmal ein längerer Krankenhaus-Aufenthalt konnte die leidenschaft liche Journalistin stoppen. Sie empfing am Krankenbett hochrangige Besucher - und belieferte per Telefon die Redaktion mit den neuesten Nachrichten. Es gab kaum ein Thema, das dank ihrer Feder nicht eine große Verbreitung fand. Ihr besonderes Steckenpferd war die Gerichtsberichterstattung. Sie begleitete große Prozesse ebenso wie kleine Geschehnisse aus dem Alltag. Schnell fand die Arbeit der versierten Reporterin auch überregionale Anerkennung. Sie berichtete aus der Region für die Deutsche Presseagentur, belieferte andere große Zeitungen und Fachpublikationen, aber auch das Bauernblatt und den Norddeutschen Rundfunk. Noch im hohen Alter stieg sie von der Schreibmaschine auf den Computer um. Erst eine starke Sehbehinderung setzte ihrer Arbeit vor fünf Jahren ein Ende. Aber auch danach stand sie der Redaktion noch mit Informationen aus ihrem schier unerschöpflichen Gedächtnis zur Verfügung.

Esther Fröbe wurde für ihre Arbeit mehrfach ausgezeichnet. Die größte Auszeichnung für ein erfülltes Leben steckte in ihr selbst - ihr Lebensmotto beschrieb sie schlicht mit dem Begriff "Zufriedenheit". Mit ihrem Lebenswerk konnte Esther Fröbe mehr als zufrieden sein. Sie hat Generationen Stoff zum Nachlesen hinterlassen und im besten Sinne Geschichte mit geschrieben. Die Redaktion verliert viel mehr als nur eine Mitarbeiterin.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen