Trauer um Dr. Gerhard Köhn

Dr. Gerhard Köhn.
Dr. Gerhard Köhn.

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01. Februar 2011, 03:59 Uhr

Glückstadt/Soest | Er war eine Persönlichkeit und hat viele Spuren hinterlassen: Dr. Gerhard Köhn ist im Alter von 74 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben.

Der gebürtige Glückstädter war ein Historiker aus Leidenschaft. Er entdeckte die Gründungsurkunde Glückstadts im Landesarchiv Schleswig und schrieb viele Publikationen über die Geschichte der Elbestadt. Mit "Seegekehlt & Seegesalzen - Loggerfischerei von der deutschen Nordseeküste" schaffte er ein 600 Seiten-Standardwerk auch über die Geschichte der Heringsfischerei. Die Ausstellung zum Buch hat er vor einigen Jahren dem Detlefsen-Museum in Glückstadt vermacht.

Dr. Gerhard Köhn hatte einen ganz speziellen Humor, den er weitervererbt hat. Stolz war er auf seinen Sohn, der unter dem Namen "Johann König" als Comedian Fernseherfolge feiert.

Dr. Gerhard Köhn wurde am 7. Februar 1936 in Glückstadt geboren und ist dort aufgewachsen. Schon während seines Studiums hat er das Glückstädter Archiv betreut und systematisiert. Bekannt wurde er damals durch die Bildbände "Alt-Glückstadt", die er mit seinem Freund Walter Wilckes und Reimer Möller herausgab.

Nach dem Studium schrieb er lange an seiner Doktorarbeit, eine Arbeit über die Bevölkerung der Stadt Glückstadt in den ersten Jahren ihres Bestehens. Damals stellte ihm die Papierfabrik Temming ihre EDV zur Verfügung. Das galt zu dem Zeitpunkt als revolutionär.

Beruflich verschlug es ihn nach Soest, wo er die Leitung des Stadtarchivs übernahm. Dort lebte er mit seiner Frau Marianne und den Söhnen Johannes und Mathias. Die Verbindung nach Glückstadt riss aber nie ab.

Immer wieder war er auch Ansprechpartner für unsere Zeitung, wenn es um historische Fragen ging. Er wusste viel und half. Seine Freizeit verbrachte er in Archiven, weil er immer an einem Projekt arbeitete. Ob über Glückstadts Geschichte oder über die Soester. Zudem pflegte er den Kontakt zu den Mitarbeitern des Detlefsen-Museums.

Sein Historiker-Kollege Dr. Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt, Vorsitzender der Detlefsen-Gesellschaft, hat ihn sehr geschätzt. "Dr. Gerhard Köhn war ein unentwegt mit der Geschichte seiner Heimatstadt beschäftigter, stets hilfsbereiter Historiker, der eine große Sammlung von Informationen und Bildern zur Geschichte Glückstadts aufgebaut hat. Diese Sammlung sollte nach Glückstadt gelangen und zur Benutzung im Stadtarchiv verwahrt werden. Neben der Soester Zeitgeschichte, der in der letzten Zeit sein besonderes Interesse galt, hat er eine große Zahl historischer Einzeldarstellungen zur Glückstädter Geschichte hinterlassen. Er kann wohl als der bislang produktivste Glückstadt-Historiker bezeichnet werden. Seine Bekannten werden ihn als humorvollen, achtersinnigen Kommentator der Stadtentwicklung älterer Zeit in Erinnerung behalten."

Humor bewies Dr. Köhn zum Beispiel bei der Geschichte über seinen Großvater Hinrich Hagemann, die er bei der Detlefsen-Gesellschaft und in Auszügen in unserer Zeitung veröffentlichte. Der Großvater war Polizist und wohnte im Rathaus. "Er suchte die Gastwirtschaften nicht nur aus dienstlichen Gründen auf", schrieb Dr. Köhn.

Wie der Großvater, so feierte Dr. Köhn früher auch gerne. In jungen Jahren hatte er einen großen Freundeskreis in Glückstadt. Er hielt Kontakt und besuchte Freunde, wann immer er in Glückstadt war. Zudem kam er auch regelmäßig zu den Treffen der "Olen Primoners".

Auch wir bei der Glückstädter Fortuna werden ihn sehr vermissen.

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