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Familiale Pflege : Training für den Pflegefall

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das Projekt „Familiale Pflege“ unterstützt pflegende Angehörige und gibt in Kursen praktische Tipps zur Umsetzung.

„Erst das Bettgitter aufstellen, dann den Patient auf die Seite drehen. Danach können Sie das alte Laken bis zur Hälfte aufrollen und das neue dementsprechend aufziehen.“ Pflegetrainerin Karina Trede zeigt den Lakenwechsel bei einem bettlägerigen Patienten. Als Probant dient ihre Kollegin Michaela Haack. Auch Susanne Wülfken packt kräftig mit an. Wie auch Edda Bartel und Hilke Bauer nimmt sie am kostenlosen Pflegetraining im Klinikum teil.

Susanne Wülfken hat noch keine pflegebedürftigen Angehörigen, möchte für den Fall der Fälle jedoch rechtzeitig gerüstet sein. Edda Bartel ist hier, weil ihr Mann nach einem Hirnschlag Anfang des Jahres zum Pflegefall wurde und seitdem in einem Pflegeheim untergebracht ist. In dem Kurs möchte Bartel sich ein Bild davon machen, ob und wie sie die Pflege selbst leisten könnte. Ihr Fazit: „Im Moment würde ich meinem Mann nicht gerecht werden.“ Hilke Bauer ist eigens aus Berlin angereist, um die Pflegesituation ihrer Mutter in einem Itzehoer Altenheim zu verbessern. Da kam ihr der Pflegekurs gerade recht – selbst mit gebrochenem Schlüsselbein.

Lebendige Praxis statt trockener Theorie. Nach dieser Devise funktioniert das Projekt „Familiale Pflege“, an dem das Klinikum Itzehoe in Kooperation mit der AOK Nordwest und der Universität Bielefeld beteiligt ist (wir berichteten). Es soll pflegende Angehörige unterstützen und stärken, ihnen Hilfestellung bieten und sie entlasten, soweit es möglich ist. Auch Interessierte, die (noch) keine häusliche Pflege leisten, sind herzlich willkommen. Ganz gleich, bei wem Pflegender und Pflegebedürftiger versichert sind: Die AOK Nordwest trägt die Kosten.

Die Kurse finden in Kleingruppen mit maximal zehn Teilnehmern in der an das Klinikum angegliederten Krankenpflegeschule statt. „Es ist sehr wichtig und von Vorteil, den Kurs vor der Akutsituation zu machen“, erklärt Pflegetrainerin Michaela Haack. Denn mit einem Pflegefall im Haus sei es für die Pflegeperson oft schwierig, den Patient allein zu lassen. „Ist eine Pflegestufe vorhanden, kommen wir für das Pflegetraining sowie die Einweisung in Hilfsmittel und Beratung auch ins Haus.“ So auch für nachträgliche Vertiefungen in Bereichen, die auf einen vorangegangenen Kurs aufbauen. Für einen Pflegekurs im Klinikum sei keine Pflegestufe nötig, so Haack.

An drei Nachmittagen zu jeweils vier Stunden erfahren die Teilnehmer Wissenswertes über krankheitsvorbeugende Maßnahmen und Hygiene, erlernen Pflegetechniken und wenden sie selbst an, bekommen Tipps und Tricks für eine rückenschonende Arbeitsweise und haben gleichzeitig Gelegenheit, sich mit anderen pflegenden Angehörigen auszutauschen. „Der Erfahrungsaustausch hilft dabei, die psychische und seelische Belastung zu ertragen“, weiß Pflegetrainerin Karina Trede. Außerdem könnten dadurch Netzwerke aufgebaut werden, die die Angehörigen entlasten und der Pflegeperson beispielweise einen freien Nachmittag ermöglichen. „Diese Kurse sind für die Praxis“, so Alf Jark, Regionaldirektor der AOK Nordwest. „Sie beinhalten viele Dinge, die Pflege innerhalb der Familie überhaupt erst ermöglichen.“


> Klinik im Dialog: Am Mittwoch, 11. September, findet um 18.30 Uhr im Sitzungszimmer 1 und 2 des Klinikums Itzehoe ein Vortrag mit anschließender Dialogrunde zum Thema „Familiale Pflege“ mit Michaela Haack und Karina Trede statt.

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erstellt am 05.Sep.2013 | 15:20 Uhr

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